Verkleidete Frau sitzt im Auto
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Die 5. Jahreszeit – Karneval und Alkohol

Dieser Ratgeber richtet sich an alle, die gerne Karneval feiern. Wir möchten Ihnen die 5. Jahreszeit in den unterschiedlichen Regionen vorstellen. Wie feiert man wo? Und was muss man beim Feiern bedenken?

Was muss ich in der Karnevalszeit im Straßenverkehr beachten?

Welche Art von Verkleidung ist hinterm Steuer erlaubt?

Kostüme dürfen Autofahrende beim Fahren nicht behindern. Wird die Bewegungsfähigkeit oder das Sichtfeld durch die Verkleidung eingeschränkt, droht ein Bußgeld. Ebenfalls verboten sind Masken am Steuer, Hintergrund ist die zu gewährleistende Identifizierbarkeit von Verkehrsteilnehmern in der Verkehrsüberwachung. Seit Oktober 2017 gilt daher laut Straßenverkehrsordnung das Verhüllungsverbot am Steuer (§23): „Wer ein Kraftfahrzeug führt, darf sein Gesicht nicht so verhüllen oder verdecken, dass er nicht mehr erkennbar ist.“ Schminke und Pappnasen sind hingegen erlaubt. Aus Sicherheitsgründen rät der ACE generell dazu, Kostümierungen erst am Zielort anzulegen oder öffentliche Verkehrsmittel für die Anreise zu nutzen.

Darf man mit einem normalen Pkw an einem Faschingsumzug teilnehmen?

Mit dem eigenen Pkw an einem Faschingsumzug teilzunehmen, ist per se nicht ausgeschlossen, wenn man sein Fahrzeug vorher beim Veranstalter anmeldet. Allerdings muss man sich grundsätzlich dabei an die Straßenverkehrsordnung (StVO) halten – es sei denn, es gibt Ausnahmen für den Umzug. Teils drücken die Beamten vor Ort ein Auge zu – darauf sollte man sich jedoch nicht verlassen.

Muss ein Fahrzeug, das an einem Umzug teilnimmt, angemeldet und versichert sein?

Insofern es auf öffentlichen Straßen unterwegs und zulassungspflichtig ist (siehe § 3 FZV), muss das Fahrzeug angemeldet und versichert sein. Etwas anderes gilt nur dann, wenn besondere Bauten (z. B. Anhänger) als zulassungsfrei gelten. Oft gelten hier für Karnevalsumzüge besondere Bestimmungen und Auflagen, die beim Veranstalter erfragt werden können.
Siehe auch § 1 Zweite Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften:
„(1) Zugmaschinen mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 60 km/h und Anhänger hinter diesen Zugmaschinen sind von der Zulassungspflicht nach § 3 Abs. 1 Satz 1 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung ausgenommen, wenn sie
1. auf örtlichen Brauchtumsveranstaltungen,
2. für nicht gewerbsmäßig durchgeführte Altmaterialsammlungen oder Landschaftssäuberungsaktionen,
3. zu Feuerwehreinsätzen oder Feuerwehrübungen,
4. von Feldgeschworenen im Rahmen ihrer Tätigkeit oder
5. auf den An- oder Abfahrten zu Einsätzen nach den Nummern 1 bis 4
verwendet werden. Dies gilt nur, wenn für jede eingesetzte Zugmaschine ein eigenes Kennzeichen zugeteilt ist.“
Die Betriebserlaubnis (BE) des Fahrzeugs erlischt normalerweise nicht, wenn die Fahrzeuge für eine solche Veranstaltung verkehrssicher sind. Sollte keine BE vorhanden sein, muss das Fahrzeug vorab zur Einzelabnahme beim technischen Dienst.

Wie stark darf ein Auto, Fahrrad oder Motorrad grundsätzlich geschmückt werden?

Hier gilt es insbesondere darauf zu achten, dass keinerlei andere Verkehrsteilnehmer durch den Schmuck am Fahrzeug verletzt werden können. Weiche Anbauten aus Schaumstoff sind weniger ein Problem als beispielsweise ein Geweih oder Hörner auf der Motorhaube. Der Schmuck sollte auch schnell und rückstandslos zu entfernen sein. Insbesondere dann, wenn die Beamten den Fahrzeugführer vor Ort dazu auffordern.

Ist bei einem angemeldeten Faschingsumzug die StVO außer Kraft gesetzt?

Für solche Veranstaltungen bedarf es immer einer expliziten Erlaubnis. Laut § 29 StVO:
(2) Veranstaltungen, für die Straßen mehr als verkehrsüblich in Anspruch genommen werden, insbesondere Kraftfahrzeugrennen, bedürfen der Erlaubnis. Das ist der Fall, wenn die Benutzung der Straße für den Verkehr wegen der Zahl oder des Verhaltens der Teilnehmenden oder der Fahrweise der beteiligten Fahrzeuge eingeschränkt wird; Kraftfahrzeuge in geschlossenem Verband nehmen die Straße stets mehr als verkehrsüblich in Anspruch. Veranstaltende haben dafür zu sorgen, dass die Verkehrsvorschriften sowie etwaige Bedingungen und Auflagen befolgt werden.
(3) Einer Erlaubnis bedarf der Verkehr mit Fahrzeugen und Zügen, deren Abmessungen, Achslasten oder Gesamtmassen die gesetzlich allgemein zugelassenen Grenzen tatsächlich überschreiten. Das gilt auch für den Verkehr mit Fahrzeugen, deren Bauart den Fahrzeugführenden kein ausreichendes Sichtfeld lässt.
Es sind in der Regel nur angemeldete Fahrzeuge erlaubt. Der übrige Verkehr muss durch einen klaren Anfang und ein klar abgrenzendes Ende ausgeschlossen sein.

Darf man sich für einen Faschingsumzug eine andere Hupe (Fanfare) ans Auto bauen?

Wenn die Hupe eine eigene allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) hat, ist das kein Problem. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass dadurch die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs erlischt. Siehe § 1 Abs. 1a Zweite Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften:
„… erlischt für Fahrzeuge, die mit An- oder Aufbauten versehen sind, bei der Verwendung nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 die Betriebserlaubnis nicht, wenn die Verkehrssicherheit dieser Fahrzeuge auf solchen Veranstaltungen nicht beeinträchtigt wird.“
Hier hat der Gesetzgeber vielerlei Ausnahmen für solche Veranstaltungen aufgeführt, um solches Brauchtum in Deutschland zu fördern.

Glas Bier mit Autoschlüssel
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Trinken und Fahren passen nicht zusammen

  • Alkohol und Autofahren – das ist eine ungute und verhängnisvolle Kombination. Nicht nur finanziell. Auch sozial kann eine einzige Rauschfahrt das Aus bedeuten. Die bessere Alternative ist es, das Auto gleich stehen zu lassen und mit dem Taxi nach Hause zu fahren.
  • Autofahren im betrunkenen Zustand kann ganz schön teuer werden. Die Kosten können Sie im Bußgeldrechner nachschauen.
  • Alkohol kann aber auch körperliche Probleme hervorrufen.

So reagiert der Körper auf Alkohol:

  • 0,3 ‰: Ab dieser Blutalkoholkon­zen­tration häufen sich – vor allem bei Menschen, die wenig Alkohol trinken – typische Ausfallerscheinun­gen. Das Sehfeld ist eingeschränkt, Distanzen sind schwieriger einzuschätzen und die Aufmerksamkeit nimmt ab. Es mehren sich kleinere Fahrfehler.
  • 0,5 ‰: Die Reaktionsfä­hig­keit lässt deutlich nach, die Risikobe­reitschaft steigt an. Bei manchen Menschen verringert sich die Wahrnehmung vor allem bei roten Signalen.
  • 1,1 ‰: Jetzt erlebt der Alkoholkon­sument deutliche  Ver­änderungen: Seine Reaktionen sind verlangsamt, er verspürt Gleichgewichtsstörungen und kann zum Torkeln neigen, außerdem kommt es zu Sprachstörungen und Augenzittern. Sein Gesichtsfeld ist eingeengt (Tun­nelblick). Die Risiko­bereitschaft nimmt zu.
  • 1,6 ‰: Starker Rauschzustand mit Bewusstseinseintrübungen. Geordnete und koordinierte Reaktionen des Menschen sind nicht mehr möglich. Der Betrunkene erlebt Geh- und Sehstörungen, auch sein Erinnerungs­vermögen ist eingeschränkt.
  • 2,5 ‰: Das Bewusstsein ist getrübt, Lähmungserscheinungen treten auf,  der Betrunkene sieht doppelt, sein Erinnerungsvermögen ist nahezu ausgeschaltet (Filmriss).
  • 3,5 ‰: Bedrohliche Zustände können auftreten; es besteht die Gefahr einer Lähmung des Atmungs­zen­trums, die zu Koma oder Tod führen kann.
  • 4-5 ‰: Diese Blutalkoholwerte sind – je nach Konstitution und Alkoholgewöhnung – im tödlichen Bereich.

Unser Mundart-Appell an närrische Autofahrer

Bitte bleiben Sie wenigstens im Straßenverkehr absolut nüchtern. Diesen Appell haben wir jetzt erstmals in landestypischer Mundart verbreitet. Wir hoffen: Darauf reagieren Jecken besser.

Diese mit bayerischem Charme versehene Mahnung schnappte der ACE auf dem Marienplatz in München auf:

Gsuffa, Spotzl, fahrst ma net!

In der Karnevalshochburg Köln hört sich der gleiche Spruch schon wie eine kleine Büttenrede an:

Dun fiere und dich amüsiere, äwer öt Auto bliev stonn!

Weit weg von Konfettiregen und Maskerade liegt Südbrookmerland in Ostfriesland, wo es entsprechend platt heißt:

Büst du duun laat Auto stahn.

Im breitesten sächsisch und leicht schlüpfrig dichten sich die lebenslustigen Leipziger ihren Reim. Im Straßenverkehr sei der Schnaps zwar tabu...

Da brauch mer enne klare Berne, doch im Verkehr drheeme kann´er hilfreich sein, da trink´mer´n gerne!

Mit einem leicht drohenden Unterton formulieren die Freiburger im Breisgau. Öpfel kommt aus dem alemannischen und meint hier, mit vollem Kopf, eine Umschreibung für Volltrunkenheit.

Du, mit vollem Öpfel fa´rsch mir nit.

Originell und mit einer präzisen Beschreibung der Folgen von Alkoholmissbrauch im Straßenverkehr tönt es dagegen aus dem Munde eines Mainzer Karnevalisten.

Ohne Fiererschei (Fahrerlaubnis) isses ganze Joahr Aschermittwoch.

Karneval, Fasching oder Fasnacht?

  • Karneval stammt aus dem Mittelalter und leitet sich aus dem "carnelevale" ab und bedeutet: "bezüglich der Fastenzeit bevorstehende Fleischwegnahme". Gefeiert wird Karneval im Rheinischen.
  • Fasching leitet sich aus dem Wort "Vaschanc" ab. Das Wort bezeichnet den Ausschank eines Fastendrunks. Fasching wird vor allem in Österreich, Franken, Bayern, Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Hamburg, in Teilen von Hessen, Schwaben und Niedersachsen gefeiert.
  • Fasnacht feiert man in Baden, Franken, Hessen, Mainz, Mittelrhein, Pfalz und Rheinhessen. Außerdem auch in Lichtenstein, Luxemburg. Der Name bezeichnete vermutlich die Nacht vor dem Fasten, also nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit, später dann auch die Woche davor.

Narrenrufe

Die wohl bekanntesten sind Helau und Alaaf. Narrenrufe unterscheiden sich auch je nach Region. In Köln rufen die Jecken Alaaf und in Mainz sowie Düsseldorf Helau. Aber auch Narri – Narro (Mittlerer Schwarzwald, Bodensee, Schwäbische Alb), Ahoi (Norddeutschland und Teile Bayerns) und Hei-Jo (Berlin) sind bekannt. Natürlich gibt es noch unzählige weitere Narrenrufe.

Berliner mit Konfetti
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Sitzungen und Umzüge

  • Je nach Region unterscheiden sich die Karnevalssitzungen und Umzüge.
  • Jeder Verein möchte einen eigenen Akzent setzen und sich von den anderen abheben. Büttenreden, Ordensverleihungen sowie Gesang und Tanz prägen die Sitzungen.
  • Der Karnevalsumzug, so wie wir ihn heute kennen, wurde wahrscheinlich 1823 erfunden.
  • In der Regel nehmen die örtlichen Karnevalsvereine am Umzug teil.