Fahrbericht:

Kia XCeed – Schick und sportlich

06.11.2019

Neben dem Öko-Pionier Niro und dem Allrad-SUV Sportage steht bald ein dritter Kompakt-Hochbeiner bei den Kia Händlern: der Crossover XCeed. Der setzt auf schickes Design und sportliche Fahrtalente.

Mit Sportage und Niro hat Kia bereits zwei Hochbeiner in der Kompaktklasse im Rennen, Ende September kam mit dem XCeed ein dritter dazu. Dass der jüngste Spross der Ceed-Familie den anderen die Käufer wegschnappt, befürchtet Kia nicht: Der Niro sei ganz klar als Öko-Alternative positioniert, der Sportage dagegen ein richtiges SUV, so der Deutschland-Chef Steffen Cost. Und der mindestens 21.390 Euro teure XCeed? Der nennt sich Crossover, setzt auf schickes Design und sportliche Fahrdynamik und fährt aus Respekt gegenüber dem auch mit Allrad erhältlichen Sportage immer nur mit Frontantrieb vor.

Eher wenig „Luft nach oben“ für die Passagiere

Mit 4,40 Meter Länge rutscht der XCeed ziemlich genau in die handbreite Lücke zwischen Niro und Sportage, dafür aber duckt er sich mit nur 1,49 Meter Höhe deutlich tiefer in den Wind. Das merkt man auch innen: Große Menschen kommen, nicht zuletzt wegen der merklich höheren Sitzposition als im Standard-Ceed, dem Dach vorne wie hinten recht nahe; erst recht, wenn man das Schiebedach geordert hat. Zusammen mit den schmalen Fenstern, die leider auch die Sicht nach hinten einschränken, geht es im XCeed weniger luftig zu als in ein einem echten SUV.

Viel Platz in Reihe eins und im Kofferraum

Das heißt aber nicht, dass es zu eng ist: Zumindest auf dem gut konturierten Gestühl in Reihe eins findet jeder eine bequeme Sitzposition für lange Reisen, die Rückbank eignet sich klassenüblich eher für kurze Strecken. Praktisch: Mit 426 bis 1378 Litern schluckt der XCeed-Kofferraum mehr Gepäck als der 8,5 Zentimeter kürzere Standard-Ceed – und auch mehr als die meisten seiner Mitbewerber. Zu denen zählen unter anderem Honda HR-V, Nissan Qashqai oder Mercedes GLA.

Außen mutiges Design, innen solide Ausstattung

Beim Schneidern des Blechkleids zeigen sich die Kia-Designer inzwischen mutiger: Von vorne überzeugt der selbstbewusste Tigernose-Kühlergrill, in der Seitenansicht gefallen die lange Motorhaube und das nach hinten versetzte Greenhouse. Dazu kommt ein muskulöses Heck, das dem XCeed reichlich Kraft verleiht. Lieber kein Risiko wollten dagegen, wieder einmal, die Inneneinrichter eingehen. Das Cockpit ist Kia-typisch übersichtlich, mit guten Materialien ausgeschlagen und tadellos verarbeitet – aber eher schlicht als aufregend.

Das digitale Kombiinstrument und der Infotainment-Touchscreen können nicht ganz überzeugen

Daran ändert auch das erstmals bei Kia erhältliche, volldigitale 12,3-Zoll-Kombiinstrument nichts, das mit feiner Optik punktet und gut ablesbar ist, allerdings – abgesehen vom Sport-Modus – keine individuellen Anzeigeoptionen bietet. Ebenfalls neu in der Ceed-Familie: Das Navigations-Infotainment-System bekommt auf Wunsch einen 10,25 Zoll großen Touchscreen. Die dazugehörigen Sensor-Tasten unter dem Bildschirm sehen schick aus, reagieren aber leider nicht sofort auf jeden Fingerdruck.

Motor und Fahrwerk bestätigen den sportlichen Eindruck

Spontan auf Bewegungen des rechten Fußes antwortet dagegen der von uns gefahrene, ab 22.390 Euro erhältliche 1,4-Liter-Benziner – und zwar mit gleichmäßiger Kraftentfaltung und ordentlichem Durchzug. Der äußerst leise Turbo-Vierzylinder markiert mit 103 kW/140 PS – wie im normalen Ceed – die goldene Mitte im Benzinerangebot und wuchtet mit seinen 242 Newtonmeter Drehmoment den 1,4 Tonnen schweren XCeed in knapp unter zehn Sekunden auf Tempo 100. Selbst in bergigem Geläuf hinterlässt das Triebwerk einen souveränen Eindruck, ohne dass man das leichtgängige Sechsgang-Getriebe überstrapazieren müsste; alternativ bietet Kia einen komfortabel abgestimmten, siebenstufigen Doppelkuppler an. Den dynamischen Anschein, den der XCeed optisch erweckt, erfüllt auch das Fahrwerk: Der Kia liegt satt auf der Straße und lässt sich gerne auch flotter um die Kurve bitten, ohne dabei stark zur Seite zu schwanken.

Ab 2020 soll ein Plug-in-Hybrid die Motorenpalette ergänzen

Wer die Ceed-Motorenpalette kennt, weiß welche Antriebe noch für den XCeed verfügbar sind: Den Einstieg markiert hier allerdings der Dreizylinder-Turbo mit 88 kW/120 PS, auf den 1.4er-Sauger verzichtet Kia. Nach oben setzt der 1.6 T-GDI (ab 28.290 Euro) mit satten 150 kW/204 PS ein sportliches Zeichen, dieselseitig stehen zwei 1.6er mit 85kW/115 PS oder 100 kW/136 PS zur Wahl (ab 23.790 Euro). Auch die beiden Top-Aggregate sind mit Automatik erhältlich. Die Verbräuche gibt Kia mit rund sechs bis sieben Litern für die Benziner an, die beiden Selbstzünder sollen gut vier Liter verdrücken – allerdings nach NEFZ-Lesart; die realitätsnäheren WLTP-Werte liegen dementsprechend höher. Wer sparsamer unterwegs sein will, braucht noch etwas Geduld: Der angekündigte Plug-in-Hybrid mit rund 60 Kilometern Reichweite kommt nicht vor Anfang 2020 und auch die 48-Volt-Mildhybrid-Unterstützung für die Diesel lässt bis dahin noch auf sich warten.

Kia XCeed Touring – Technische Daten:

  • Fünftüriger, fünfsitziger Crossover der Kompaktklasse, Länge: 4,40 Meter, Breite: 1,83 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k. A.), Höhe: 1,48 Meter, Radstand: 2,65 Meter, Kofferraumvolumen: 426-1378 Liter
  • 1.0 T-GDI: 1,0-Liter-Turbo-Dreizylinder-Benziner; 88 kW/120 PS, maximales Drehmoment: 172 Nm bei 1500-4000 U/min, Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe, 0-100 km/h: 11,3 s, Vmax: 186 km/h, Verbrauch (NEFZ): 5,7-5,4 l/100 km, CO2-Ausstoß (NEFZ): 130-124 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Effizienzklasse: B, Preis: ab 21.390 Euro
  • 1.4 T-GDI: 1,4-Liter-Turbo-Benziner; 103 kW/140 PS, maximales Drehmoment: 242 Nm bei 1500-3200 U/min, Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe (Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe), 0-100 km/h: 9,4 s (9,5 s), Vmax: 200 km/h (200 km/h), Verbrauch (NEFZ): 6,2-6,0 l/100 km (5,9-5,7 l/100 km), CO2-Ausstoß (NEFZ): 142-137 g/km (135-130 g/km), Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Effizienzklasse: C-B (B), Preis: ab 22.390 Euro (26.490 Euro)
  • 1.6 T-GDI: 1,6-Liter-Turbo-Benziner; 150 kW/204 PS, maximales Drehmoment: 265 Nm bei 1500-4500 U/min, Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe (Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe), 0-100 km/h: 7,7 s (7,5 s), Vmax: 220 km/h, Verbrauch (NEFZ): 6,9-6,7 l/100 km (6,5-6,2 l/100 km), CO2-Ausstoß (NEFZ): 158-153 g/km (148-143 g/km), Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Effizienzklasse: D-C (C), Preis: ab 28.290 Euro (30.290 Euro)
  • 1.6 CRDI 115: 1,6-Liter-Turbo-Diesel; 85 kW/115 PS, maximales Drehmoment: 280 Nm bei 1500-2750 U/min, Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe, 0-100 km/h: 11,4 s, Vmax: 190 km/h, Verbrauch (NEFZ): 4,3-4,1 l/100 km, CO2-Ausstoß (NEFZ): 114-109 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Effizienzklasse: A-A+, Preis: ab 23.790 Euro
  • 1.6 CRDI 136: 1,6-Liter-Turbo-Diesel; 100 kW/136 PS, maximales Drehmoment: 280 Nm bei 1500-3000 U/min (320 Nm bei 2000-2250 U/min), Frontantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe (Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe), 0-100 km/h: 10,6 s (10,1 s), Vmax: 196 km/h (198 km/h), Verbrauch (NEFZ): 4,4-4,3 l/100 km (4,6-4,4 l/100 km), CO2-Ausstoß (NEFZ): 117-112 g/km (122-117 g/km), Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Effizienzklasse: A, Preis: ab 26.790 Euro (28.390 Euro)

Kia XCeed – Kurzcharakteristik:

  • Warum: schickes Design, gute Fahrdynamik, tadellose Verarbeitung und Materialauswahl
  • Warum nicht: nicht besonders luftig, schlechte Rundumsicht, Hybride erst nächstes Jahr
  • Was sonst: Honda HR-V, Mercedes GLA, Nissan Juke
  • Wann: seit dem 21. September 2019