Fahrbericht:

Mazda MX-5 RF – Bin dann mal weg

28.06.2017

Stahldach statt Stoffmütze – was manchem MX 5 Fan wie ein Frevel vorkommen mag, tut dem Spaß in Wahrheit gar keinen Abbruch. Man ist sogar geneigt zu sagen: Ganz im Gegenteil!

Eigentlich ist der Mazda MX-5 RF kein gutes Auto. Eigentlich. Der Innenraum ist klein, der Kofferraum noch kleiner (127 Liter). Der Saugmotor hat gefühlte zwölf Newtonmeter und das Dach lässt sich quasi nur im Stand öffnen. Andererseits ist der MX-5 RF mit das Spaßigste, was man für unter 30.000 Euro kaufen kann. Warum? Nun, das hat mehrere Gründe.

Metall-Klappdach und senkrechte Heckscheibe verleihen eine völlig eigenständige Optik.

Zum einen: die Optik! Morgens aus dem Haus zu kommen und auf einen kompakten Cabrio-Coupé-Sportler mit der Seitenlinie eines geschrumpften Aston Martin zu schauen, versüßt definitiv den Tag. Das Targa-Dach ist nicht nur eine erstarrte Version des klassischen Verdecks, es ist eine völlig neue Karosserie-Variante, die das frische und kantige Mazda-Design auf eine höhere Stufe hebt. Zwar steht der MX-5 etwas hochbeinig auf seinen feingliedrigen 17-Zoll-Felgen, die Gesamt-Optik ist aber extrem stimmig.

Drehfreudiger, klassischer Saugmotor

Zum anderen: das Fahrgefühl! Ja, der MX-5 ist mit 160 PS und 200 Newtonmetern aus einem Zweiliter-Sauger für heutige Verhältnisse nicht übertrieben üppig motorisiert. Hat man sich erst einmal im sehr hübschen Cockpit eingerichtet (was über 1,85 Meter Körpergröße ziemlich schwerfällt) und den kleinen, anfangs noch kernig fauchenden Vierzylinder mit dem Startknopf aus dem Tiefschlaf geweckt, begegnet man zwangsläufig einem essenziellen Bestandteil des Fahrspaß-Rezeptes: der wundervoll knackigen Sechsgang-Schaltung. Der kurze Schalthebel lässt sich präzise und direkt durch die Gassen führen und ist ein wichtiges Instrument, möchte man dem Saugmotor die volle Leistung abringen, die erst bei 6.000 Umdrehungen anliegt. Auffällig ist außerdem das starke Verzögern des Fahrzeugs, wenn der Fahrer vom Gas geht. Schuld ist hier das Bremsenergie-Rückgewinnungs-System, das die nötige Stromzufuhr für die Start-Stopp-Automatik sichert – quasi ein Dynamo am Antriebsstrang. Aber auch an diese Eigenheit gewöhnt man sich schnell. Zusammen mit dem sehr geringen Leergewicht von nur 1.045 Kilogramm wirkt der RF sehr lebendig.

Gut ausbalanciertes Fahrwerk

Das Fahrwerk wirkt von Beginn an recht schaukelig, erweist sich aber als sicher und verleiht dem RF ein hohes Gripniveau mit einer unglaublichen Neutralität, die ab und an ins leichte Untersteuern abrutschen kann. Für einen gepflegten Powerslide fehlt dem Mazda einfach die Leistung. Mit ausgeschaltetem ESP lässt sich der Japaner nur in ganz engen Kehren zu einem kleinen Tänzchen bitten.

Geringes Gewicht sorgt auch für geringen Durst

Dann die Überraschung: Der MX-5 macht nicht nur bei beherzter Fahrweise sehr viel Spaß, sondern auch beim Bummeln. Denn das Leichtbaukonzept macht auch an der Tankstelle Freude. Die Werksangabe von 6,9 Liter auf 100 Kilometer lässt sich jedenfalls im Unterschied zu anderen Autos auch wirklich erreichen. Lediglich die je nach Geschwindigkeit mehr oder weniger lauten Windgeräusche trüben den Genuss etwas – egal, ob das Dach offen oder geschlossen ist. Der Vollständigkeit halber sei außerdem erwähnt, dass der MX-5 ein sehr hübsches Cockpit hat (der Erzrivale Toyota GT86 hat hier nicht den Hauch einer Chance), dass sich vollkommen intuitiv bedienen lässt. Seien es die Knöpfe für den Tempomat oder die großen Drehregler für die Klimaautomatik – fummelige Schalter oder ungenaue Touchscreen-Wischerei gibt es im RF nicht. Auch das trägt maßgeblich dazu bei, sich in dem kleinen Sportler sehr wohl zu fühlen. Das Infotainment-System wird über einen Drehregler im BMW-iDrive-Stil bedient – wenig innovativ aber dafür sehr effektiv. Durch die wenigen Menüpunkte hat man sich schnell durchgearbeitet und dabei nichts Neues entdeckt. Das Navi tut was es soll, überrascht aber ab und an mit einer etwas unorthodoxen Routenwahl.

Genauso puristisch wie mit Stoffverdeck

Lediglich die je nach Geschwindigkeit mehr oder weniger lauten Windgeräusche trüben den Genuss etwas – egal, ob das Dach offen oder geschlossen ist. Das Metall-Faltdach macht ihn nicht weniger puristisch, sondern lässt das puristische Fahren auch bei schlechtem Wetter oder sogar im Winter problemlos zu. Und für einen Einstandspreis von 29.890 gibt es ohnehin keinen zweiten so sportlichen Coupé-Cabrio-Mix. MF/GB

Technische Daten:

Roadster mit Metall-Faltdach, Länge: 3,92 Meter, Breite: 1,47 Meter, Höhe: 1,24 Meter, Radstand: 2,31 Meter

2,0-l-Reihen-Vierzylinder-Otto-Saugmotor, 118 kW/160 PS, maximales Drehmoment: 200 Nm bei 4.600 U/min, manuelles Sechsgang-Getriebe, Vmax: 215 km/h, 0–100 km/h: 7,4 s, Durchschnittsverbrauch: 6,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 161 g/km, Grundpreis ab 29.890 Euro