Dauertest:

Mazda3 – Der Zuverlässige

01.04.2016

Auf rund 50.000 Kilometern hat uns der Mazda3 mit dem 120-PS-Benzinmotor treu begleitet. Er war ein gern gesehener Begleiter in der Stadt, wurde aber auch immer wieder mit Freuden auf die Langstrecke mitgenommen. Dabei überzeugte er vor allem mit Komfort und einem großzügigen Platzangebot.

"Sehr schick", und von anderer Seite etwas ausführlicher: "Rundum gelungenes Design, ein echter Hingucker auf der Straße" – so lauteten die ersten Eintragungen in unserem Testwagenbuch, als wir den Mazda3 vor einem Jahr entgegennahmen. Und tatsächlich haben die Mazda-Designer hier einen ausnehmend gut aussehenden Vertreter der so oft als langweilig geschmähten Kompaktklasse auf die Räder gestellt.

Design und Ausstattung des Mazda3

 

Aber auch hier gilt das alte Sprichwort "Wo Licht ist, ist auch Schatten" – in diesem Fall ist es leider die Übersichtlichkeit, die etwas auf der Strecke bleibt. Sicht nach hinten beim Einparken? So gut wie nicht vorhanden, wohl dem, der eine Einparkhilfe (serienmäßig in Sports-Line, im Touring-Paket für 1000 Euro bei Center-Line, nicht erhältlich für Prime-Line) hat. Schulterblick beim Spurwechsel? In der Fahrschule mühsam antrainiert, im Mazda3 sinnlos. Wie gut, dass Mazda ebenfalls einen verlässlichen Spurwechselassistenten, der im Seitenspiegel anzeigt, wenn das Überholen gerade nicht ratsam ist, in das bereits erwähnte Touring-Paket gepackt hat. Ob das der Grund ist, warum so wenige der Mazda3-Fahrer unter den ACE LENKRAD-Lesern zur günstigsten Ausstattungsvariante griffen? Verdenken kann man es ihnen nicht. Zwar ist die Prime-Line gar nicht mal schlecht ausgestattet – die zusätzlichen Features und elektronischen Helferlein der Sports-Line, mit der unser Testwagen ausgestattet war, haben wir aber doch zu schätzen gelernt und können sie auch nur empfehlen. Ob mit Tempomat oder Limiter gefahren wurde, war Tester-Geschmacksache. Gut funktioniert haben beide und uns auf langen Strecken mit Geschwindigkeitsbegrenzung nicht nur beim gleichmäßigen Fahren und damit Spritsparen unterstützt, sondern bestimmt auch hin und wieder einen Strafzettel verhindert. Auch Notbrems- und Spurhalteassistent haben das ein oder andere Mal ihre Nützlichkeit bewiesen. Einzig der Fernlichtassistent hat uns noch nicht so ganz überzeugt – er reagiert mitunter ziemlich spät, sodass es doch eher angebracht ist, das Fernlicht manuell zu bedienen.


Zwar heißt die Ausstattungsvariante unseres Testwagens Sports-Line, die Sportlichkeit des Mazda3 zeigt sich aber eher im Blechkleid als unter der Motorhaube. Unser 120-PS-Benziner punktet zwar mit dem straffen Fahrwerk, der direkten Lenkung und der – sei die Straße noch so kurvig – satten Straßenlage. Doch wer wirklich einigermaßen sportlich fahren will, der muss fleißig schalten und die Gänge ziemlich ausfahren. Das geht auf den Spritverbrauch! Wer hier seinen Geldbeutel schonen will und früh hochschaltet, bekommt einen etwas trägen und brummigen Motor.

Der Spritverbrauch

 

Den Spritverbrauch für unseren Testwagen gibt Mazda mit 5,1 Litern Super auf hundert Kilometer an – einen Wert, den wir nicht annährend erreichten. Unser Durchschnittsverbrauch liegt bei 7,3 Litern was – verglichen mit anderen Fahrzeugen in dieser Kategorie – in Ordnung ist. Aber mehr eben auch nicht. Unser Minimalverbrauch, herausgefahren zum größten Teil auf französischen Autobahnen mit einer konstanten Geschwindigkeit von 120 km/h, liegt bei 6,1 Litern, der Maximalverbrauch dagegen bei satten elf Litern. Laut Testwagentagebuch fand diese Fahrt auf einer ziemlich leeren deutschen Autobahn ohne Tempolimit statt. Doch solche Fahrten sind, nicht nur wegen der normalerweise etwas volleren Autobahnen, eher die Ausnahme. Der Mazda3 wird nämlich bei höheren Geschwindigkeiten, jenseits der 140 km/h, ziemlich laut, was wohl am etwas dünnen Blechkleid liegt. Etwas nervig waren die
häufigen Tankstopps, nach 400 bis 500 Kilometern musste eine Zapfsäule angesteuert werden. Grund dafür: die Reichweitenanzeige ist schon bei null Kilometern angekommen, wenn noch über zehn Liter im Tank sind. Eine ausreichende Reserve ist ja schön und gut, aber hier hat es Mazda unserer Meinung nach etwas übertrieben.

Kosten für die Versicherung

 

Im Herbst des vergangenen Jahres erlebten die Mazda3-Fahrer eine unangenehme Überraschung, als der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die neuen Typklassen veröffentlichte. Bei der Vollkaskoversicherung, die bei einem Neuwagen die meisten Fahrer abgeschlossen haben, ging es gleich um fünf Klassen von der Typklasse 20 auf 25 nach oben. Das bedeutet, statt 1619 Euro wie in 2015 wurden in diesem Jahr 2358 Euro fällig. Dr. Christian Siemens vom GDV sagte dazu auf Nachfrage von ACE LENKRAD, dass für den Mazda3 hier erstmals der reale Schadenaufwand berücksichtigt wurde, davor galt die sogenannte Ersteinstufung, der ein Crashtest zugrunde liegt. Und wie es scheint, haben Mazda3-Fahrer – oder zumindest die, die einen 120-PS-Benziner fahren – eine überdurchschnittlich hohe Schadenhäufigkeit. „Eine genaue Analyse zeigt, dass die Kollisionen Kfz/Kfz, aber auch Alleinunfälle und Parkplatzschäden maßgeblich zu den höheren Werten beigetragen haben. Außerdem sind hohe Ausgaben für Diebstähle und Wildschäden angefallen“, so Siemens.


Auch wir mit unserem Testwagen haben somit zu dem Beitragssprung beigetragen. Denn eines späten Abends fing auf einmal die Warnleuchte für Kühlwasser an zu blinken. Zwar ging sie kurz danach wieder aus, aber nur, um wiederum ein paar Minuten später in Signalrot dauerzuleuchten. Was war passiert? Ein Marder hatte Gefallen an unserem Mazda3 gefunden und es sich nicht nur im Motorraum gemütlich gemacht, sondern auch viele kleine Löcher in den Kühlwasserschlauch genagt. Und was auch immer unsere Werkstatt neben dem Schlauchaustausch zur Marderabwehr unternommen hat – es hat funktioniert und der Marder ist nie wieder aufgetaucht.

Wendig und bequeme Sitze

 

Auf dem Tourenplan des Mazda3 standen viele Stadtfahrten. Hier konnte er uns mit seiner Wendigkeit (auch beim Rangieren in engen Parklücken, an dieser Stelle noch einmal ein Dank an die Parksensoren), dem tadellos funktionierenden Start-Stopp-System sowie der im Winter schnell wärmenden Heizung überzeugen. In der Disziplin Langstrecke ging es für den Japaner quer durch Europa. Der äußerste Westen Frankreichs wurde ebenso angefahren wie die östliche Grenze Polens, auch Italien und Bulgarien standen auf dem Reiseplan. Auf den längeren Strecken lernten wir vor allem die Sitze im Mazda3 zu schätzen. Auch nach über tausend Kilometern klagten Fahrer und Beifahrer nicht über Rückenschmerzen.  Das große Gepäck für zwei Personen konnte im Fünftürer ohne Probleme verstaut werden.

Kleine Tücken beim Navigationssystem

 

Die Herausforderung auf unbekannten Strecken lauerte im Navigationssystem. So brauchte es beim Start mitunter sehr lange, um das Auto zu lokalisieren und mit der Routenführung zu beginnen. Unangenehmer wurde es, wenn das Navi mitten in der Routenführung auf einmal die Strecke verlor und uns entweder neben der Autobahn oder auf einer ganz anderen Strecke abseits jeder Straße in der Stadt verortete. In der Bretagne, kurz vor Mitternacht, erhielten wir einmal die Mitteilung, dass unser Auto über gar kein Navi verfüge, es aber beim Mazda-Händler als Original-Zubehör verfügbar sei. Hier half nur noch ein komplettes Reset, der Beifahrer war daraufhin eine gute halbe Stunde damit beschäftigt, wieder alle Einstellungen anzupassen. Aber dieses Problem hat sich laut Mazda inzwischen erledigt, wer noch Probleme hat, erhält beim Händler ein Update.

Qualität in der Innenraumausstattung

 

Nach einem Jahr standen knapp 50.000 Kilometer auf dem Tacho – aber angesehen hat man die Laufleistung unserem Mazda3 nicht. Der Innenraum ist nach wie vor tadellos, von Abnutzung weit und breit keine Spur. Die Sitze sind straff wie am ersten Tag, die Polsterung sieht neuwertig aus. Auch am Cockpit sind keine Abnutzungserscheinungen auszumachen. Lediglich unsere Winterreifen waren ziemlich abgefahren und halten keine Saison mehr durch. Auch der DAT-Prüfer fand wenig zu bemängeln und bescheinigte unserem Testwagen einen Restwert von 16.350 Euro – der Wertverlust hält sich also in Grenzen.

Preise der Mazda3 Modelle

 

Allerdings kostet unser Testwagen mit dem 120-PS-Benziner, der höchsten Ausstattung Sports-Line und dem ein oder anderen Zusatz-Extra auch über 27.000 Euro. Dabei hat Mazda seit Testbeginn die Preise leicht erhöht – aber auch die Ausstattungen angepasst. Das Touring-Paket etwa kostet statt 900 nun 1000 Euro, hat aber zusätzlich einen Digitalradio-Tuner dabei.


Wer nicht so viel investieren will, bekommt für  17.600 Euro den Benziner mit 100 PS und Basisausstattung. Ausreichend ist diese Variante für Kurzstreckenfahrer (die Lordosenstütze trägt auf der Langstrecke viel dazu bei, dass der Fahrer rückenschmerzenfrei bleibt), die weniger Wert auf Assistenzsysteme legen und einfach ein gutes Auto zu einem guten Preis wollen. Denn bei der Sicherheitsausstattung macht Mazda keine Kompromisse – schon die Prime-Line ist mit sämtlichen Airbags für den Fall der Fälle ausgerüstet. Außerdem mit an Bord: Klimaanlage, Start-Stopp-System, Berganfahrassistent. Auch bei der Versicherung fahren Mazda3-Fahrer mit 100 PS deutlich günstiger in der Typklasse 22. Die gesamte Aufpreisliste ist erfreulich kurz, so bleibt die oft unangenehme Überraschung aus, wenn das wunschkonfigurierte Fahrzeug am Ende doppelt so viel kostet.

Fazit

Die Kompaktklasse hat einen Geheimtipp – und der kommt aus Japan. Gelungenes Design und umfassende Ausstattung. Dass unsere Leser den Mazda3 – mit Ausreißern bei Verbrauch und Unterhalt (Versicherung!) – so gut benoten und jederzeit wieder kaufen würden, liegt wohl vor allem daran, dass er alle Erwartungen erfüllt. Kurz, wie ACE LENKRAD-Leser Ralf Kastl aus Schopfheim sagt: "Ein Brot- und Butterauto im positiven Sinn."

 

Der Mazda 3 im Leserurteil
Das Fazit der Leserzuschriften: "Schickes und zuverlässiges Fahrzeug"


Das sagt Mazda zu ...
... den Problemen mit dem Navigationssystem und weiteren Kritikpunkten der ACE LENKRAD-Leser am Mazda3.