28.01.2021

Mercedes-Benz B 200 Sports Tourer – Routinier mit Anspruch

Schnittiger, sportlicher und komfortabler, die B-Klasse hat sich über die Jahre entwickelt und fühlt sich inzwischen viel jünger an. Seit 2019 ist die dritte Generation des Minivans erfolgreich auf dem Markt: Zeit für den ACE-Dauertest unter Alltagsbedingungen.

Die B-Klasse? Das ist doch nur etwas für die ganz alten Generationen – lauten gängige Klischees. Tatsache ist, dass Mercedes-Benz die vergangenen Jahre nicht nur am Image des Minivans gefeilt hat, sondern auch Designer und Ingenieure hier tatsächlich Hand angelegt, viel zur Verjüngung beigetragen und scheinbar auch viel richtig gemacht haben – das signalisieren zumindest die offiziellen Zahlen: Selbst im Corona-Jahr 2020 erzielte die B-Klasse (Preise beginnen bei 28.495 Euro) mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen im Bereich der Minivans. Während sich das große automobile Interesse hauptsächlich am Thema SUV entlanghangelt, stellt das Minivan-Segment eine durchaus ernstzunehmende und auch attraktive Alternative dar.

Das praktische Familienauto gibt's auch mit sportlichem Outfit

Die Gründe liegen auf der Hand: hohe Sitzposition, gute Rundumsicht, meist großzügiger Platz vorne und im Fond, mehr Flexibilität bei der Innenraumnutzung durch ein gut durchdachtes Ladesystem mit vielen Ablagen. Unser Dauertester Mercedes-Benz B200 Sports Tourer 4Matic ist ein Paradebeispiel dafür. Der familientaugliche Kofferraum lässt sich bei Bedarf durch simples Umlegen der Rücksitzbänke zu einem Laderaum mit mehr als dem dreifachen Volumen und ebener Ladefläche erweitern. Details wie gut erreichbare 12-Volt-Steckdose und Seitenablagen runden das Bild ab.

Die AMG-Line (2.950 Euro) unter anderem mit 18-Zoll Alufelgen im 5-Doppelspeichen-Design, Frontschürze, Seitenschweller, Sportlenkrad und Sportsitzen mit Sitztiefenverstellung, schaffen während der Fahrt und bei den Pausen ein zusätzliches sportliches Wohlfühlgefühl.

Fahrassistenzsysteme und Technik-Paket lassen kaum Wünsche offen

Was die Ausstattung betrifft, ist der B200 eine wahre Perle und kommt nahezu in Vollausstattung daher. Vor allem die ausgereiften Fahrsicherheitsassistenten (1.540 Euro im Paket) mit aktivem Spurhalte- und Brems-Assistenten und weiteren Funktionen aus der der S-Klasse, wie aktivem Abstands-Assistenten, vermitteln einem ein unterwegs ein Gefühl von Sicherheit. Der Abstands-Assistent sorgt auch bei Fahrten mit dem Tempomat automatisch für ausreichend Abstand zum Vorausfahrenden.

Das Technik-Paket (3.468,40 Euro) glänzt mit Multibeam-LED-Scheinwerfern, die sich Pfeilschnell der aktuellen Verkehrssituation anpassen, einem Fahrwerk mit adaptiver Verstelldämpfung und einer Bremsanlage mit großen, gelochten Bremsscheiben, vorne, für mehr Bremswirkung sowie dem komfortablen Keyless-Go-System. Eine empfehlenswerte Investition für Vielfahrer ist auf jeden Fall die 4-Wege-Lordosenstütze (Aufpreis 210 Euro), die einem bei längeren Strecken und vor allem auch im nervigen Stop-and-go-Verkehr, deutlich Druck aus dem Lendenwirbelbereich nimmt.

"Hey Mercedes" tut (fast) alles für den Fahrer

Besonders spannend, auch während der Fahrt, das durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützte Multimediasystem MBUX (Aufpreis: 2.985 Euro) mit virtueller Augmented-Reality-Funktion. Die blendet etwa grafische Verkehrshinweise, Hausnummern und Straßennamen auf der Kameraansicht des Navis ein und erleichtert so die Orientierung. Zu bedienen über das langgezogene Widescreen-Cockpit mit digitaler Instrumententafel und 10,25 Zoll großem, hochauflösendem Touchscreen-Display oder durch Sprachsteuerung, nimmt es dem Fahrer auch andere Arbeiten ab. Durch „Hey Mercedes“ aktiviert, lassen sich per Spracheingabe Angaben zum Wetter oder Verkehrssituation abrufen, Telefonate führen, eine Pizza an den Zielort bestellen, das Ambiente-Licht oder auch Klimaanlage und Heizung steuern.

Die Motorenpalette bietet Benziner, Diesel und eine Hybridvariante

Leistungsmäßig bewegt sich der mit Benzin befeuerte B200 4Matic mit 120 kW (163 PS) im guten Leistungs-Mittelfeld der angebotenen Motorenpalette für die B-Klasse. Insgesamt stehen elf Verbrenner-Varianten, inklusive Automatikversionen zur Auswahl, deren Leistung zwischen 80 kW (109 PS) und 165 kW (224 PS) liegt. Sechs davon sind Benziner. Alle Motoren erfüllen die Emissionsklasse EURO 6D-ISC-FCM. Eine Hybridvariante mit 160 KW (218 PS) Systemleistung komplettiert das Motorenprogramm.

Die technischen Daten haben wir in einer Tabelle (pdf) für Sie zusammengefasst.

Nicht ganz so sportlich wie der Name verheißt, aber komfortabel

Wir haben uns auch im Hinblick der heiß diskutierten Plug-In-Debatten bewusst für den beliebten agilen Benziner mit 4-Zylindern und sanft und zügig schaltender Achtgang-Automatik (8G-DCT) entschieden. Der fühlt sich von Anfang recht souverän an, die Automatik arbeitet im Normalbetrieb sauber in allen vier Fahrmodi (Sport, Comfort, Individual und Eco). Beim flotten Gasantritt schnellt allerdings der Drehzahlzeiger hoch in den Leerlauf. Selbst im Sportmodus sind die Drehzahlverläufe disharmonisch und auch die Lenkung reagiert nicht so, wie wir es von einem SportsTourer erwartet hätten. Bei schnelleren Autobahnfahrten mit konstantem Tempo gleitet man hingegen wie auf einer Sänfte über den Asphalt. Am ausgewogensten fährt sich die B-Klasse bei unseren Testwagen bisher im Eco-Modus. Bodenwellen absorbiert das Fahrwerk ordentlich und gibt die Schwingungen nur sehr sanft weiter. Was uns auch bei den ersten Testfahrten aufgefallen ist: dass Fußgängerüberwege als solche zwar erkannt werden können, funktioniert nicht immer.

Ein erstes Fazit

Die-B-Klasse ist sehr komfortabel, wendig, angenehm zu fahren, wenn es nicht zu sportlich zugeht. Aber immer noch etwas behäbig, besonders was die Reaktion der Lenkung betrifft. Inwieweit sich unser Mercedes-Testwagen tatsächlich als generationenübergreifender Allrounder entpuppt, also wie familien-, stadt- und langstreckentauglich die B-Klasse tatsächlich ist und wie sehr sie den Erwartungen an den Namenszusatz Sports Tourer gerecht wird, gilt es nun im laufenden Jahr im Testbetrieb herauszufinden – zugegeben, in Zeiten von Corona eine echte Herausforderung. Im Dezember gibt es die Jahresbilanz.