Fahrbericht:

Nissan X-Trail – Der Freizeit-Riese

04.03.2020

Nissan hat bei seinem Vorzeige-SUV Hand angelegt. Mit dem Facelift kommt der sanfte Riese zwar technisch ausgereifter um die Kurve, aber sein klarer Vorteil liegt im Inneren.

Ein herrlicher Ausblick und viel Platz für allerlei – bei dieser Zusammenfassung geht es nicht etwa um eine hübsche Wohnung mit Dachterrasse, sondern um Nissans meistverkauftes Modell: den Nissan X-Trail. Bei einer Länge von 5690 cm und einer Höhe von bis zu 1730 cm ist der Aus- und Überblick nur einer seiner Vorzüge. Wir haben den X-Trail N-Connecta 1.3 DIG-T DCT (160 PS) auf Herz und Nieren getestet und verraten vorab, dass der Große ein komfortables Raumwunder ist.

Optisch wurde am X-Trail nur wenig verändert

Seit Sommer 2017 ist das Facelift des X-Trail unterwegs. Dabei ging es den Japanern weniger um Äußerlichkeiten, denn am Design wurde nur wenig geglättet. Lediglich die üblichen Verdächtigen, wie der Kühlergrill oder die Nebelscheinwerfer, freuen sich über die kleine Verjüngungskur. So erhält der Grill breitere Chromspangen und die Nebelscheinwerfer leuchten nun in eckiger Form auf.

Nicht jede Ausstattungsoption lohnt sich

Auch bei der Sonderausstattung N-Connecta zeigt sich der SUV nicht oberflächlich. Denn abgesehen von den LED-Scheinwerfern und der elektrischen und sensorgesteuerten Heckklappe bietet bereits die Einstiegsversion Acenta alle äußeren Merkmale des X-Trail N-Connecta. Insgesamt wartet Nissan mit fünf Ausstattungslinien auf: Dem Serienumfang Visia, N-Way (1750 Euro), Acenta (3260 Euro), N-Connecta (6510 Euro) und die Top-Ausstattung Tekna, die das Sparschwein um 11.410 Euro erleichtert. Und da Tekna, zumindest von außen betrachtet, dem N-Connecta nur ein Glasschiebedach und die Lederausstattung voraus hat, kann hier kräftig abgewogen werden. Wer‘s nicht braucht, spart kräftig. Ein weiterer Vorteil der beliebten Ausstattungsform ist, dass das Komfort-Paket bereits mitinbegriffen ist, welches ansonsten mit 950 Euro zu verbuchen wäre. Das Paket enthält die LED-Scheinwerfer mit adaptivem Lichtsystem und ein beheizbares Lenkrad sowie beheizbare Vordersitze.

Viel Stauraum für Familie und Freizeit

Im Inneren geht’s bodenständig zu. Mit auffallend wenig Firlefanz an Lenkrad und Mittelkonsole und auf den ergonomischen Sitzen kann man auch ganz gemütlich längere Touren angehen. Wer sich in großen Räumen gut aufgehoben fühlt, wird sich gerne in einen X-Trail setzen. Platz ist im Inneren für den ganzen Anhang samt Gepäck, Kinderwagen oder sonstigen Krimskrams. Große Familien sollten den japanischen SUV nicht aus dem Blick verlieren, denn optional gibt’s beim X-Trail noch eine dritte Sitzreihe. Das geht natürlich auf Kosten des Kofferraumvolumens. Denn dann passen nur noch 135 Liter hinten rein. Klappt man die dritte Reihe aber um, können 1877 Liter zugeladen werden. Der Fünfsitzer steckt bei einer umgeklappten Rückbank 1996 Liter weg, ansonsten lassen sich 565 Liter ohne Weiteres verstauen. Als Bonbon gibt es zusätzlich das Flexi-Bord-System – ein flexibler Zwischenboden im Kofferraum, den man absenken kann, um mehr Ladehöhe herauszuschlagen. Für die Sicherheit der Kleinen bietet der X-Trail Isofix-Kindersitzbefestigungspunkte und Top-Tether-Halterungen auf der Rückbank.

Komfort und Sicherheit wird beim X-Trail großgeschrieben

Beim Fahren erweist sich unser Testwagen als komfortables Langstreckenfahrzeug. Weniger Spaß macht das Doppelkupplungsgetriebe. Beim Gangwechsel steigt der Drehzahlmesser auf bis zu 3500 U/min, was sich natürlich auch auf den Sound auswirkt. Und das nicht zum Besten – bei diesen Drehzahlen lärmt der Motor, und noch schlimmer: Der Verbrauch des SUV steigt während der Testfahrt kurzzeitig auf bis zu 19 l/100 km, bedingt durch das späte Schalten. Der eigentliche kombinierte Kraftstoffverbrauch liegt dabei bei 6,3 bis 6,8 l/100 km. Hat man beim beim kurzzeitigen Beschleunigen so viel Sprit verblasen, hilft auch die kleine Anzeige im Cockpit wenig, die dem Fahrer stolz zeigt, wieviel CO2 man wieder beim Fahren gespart hat. Sie dient als Trostpflaster. Besser hilft da schon der Eco-Modus. Der Schalter für sparsames Fahren versteckt sich auf Kniehöhe und nicht wie sonst üblich an der Mittelkonsole. Gänge wechseln dann spätestens bei 2500 U/min und es herrscht Ruhe.

Schon in der Basisversion sind viele Assistenzsysteme Serie

In Sachen Sicherheit schöpft der X-Trail ordentlich aus dem Vollen. Serienmäßig gibt es bereits ab der Einstiegsversion Acenta den autonomen Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung, den Spurhalteassistenten oder eine intelligente Spurkontrolle, die eingreift, sobald das Auto von der Spur abkommt. Auch mit einer Verkehrszeichenerkennung, Tempomat und dem Bergfahr-Assistenten fährt der X-Trail vor. Zum Einparken bietet Nissan Hilfestellung, was angesichts der Größe auch von Vorteil ist. Ausgestattet mit Kameras vorne und hinten und einem Around-View-Monitor mit 360°-Rundumsicht, lässt sich dieser Riese gut in enge Lücken manövrieren. Mit dem Kauf des Technikpakets Safety Shield für 1000 Euro, in der Version Tekna bereits inbegriffen, gibt es den Park- und Totwinkelassistenten obendrauf, ebenso einen Querverkehrassistenten, der vor Fahrzeugen oder Personen warnt.

Über einen Touchscreen hat der Fahrer Zugriff auf sein Smartphone

Unser Audiosystem im N-Connecta hörte sich kratzig, unklar und ein wenig dumpf an. Wer dagegen Wert auf Akustik legt, sollte sich das Ausstattungspaket Tekna genauer anschauen, denn hier ist ein Bose Premium-Audiosystem verbaut. Nissan bietet mit seiner App Connect das volle Programm des Smartphones auf dem entspiegelten 7“-Touchscreen – Facebook, Spotify und Co. können ohne Probleme benutzt werden. Was Nissan nicht bietet, ist ein WLAN-Hotspot.

Preislich bewegt sich der X-Trail nicht abseits der Konkurrenz. Bereits mit 29.450 Euro für das Visia-Einstiegsmodell ist man dabei. Für den Benziner legt der Käufer noch eine Schippe drauf, mit 31.760 Euro. Unser Testwagen mit der Perleffektlackierung Caspian Blue kommt auf 35.350 Euro.

Ein Hybrid-SUV lässt noch auf sich warten

Bei den Motorvarianten gibt es wenig Auswahl: Der 1,7-Liter-Diesel kann mit Front- oder Allradantrieb, 6-Gang-Schaltgetriebe oder Xtronic-Automatikgetriebe bestellt werden. Den getesteten Benziner gibt es nur als 1.3-Liter mit Doppelkupplungsgetriebe und Frontantrieb. Künftig möchte Nissan seinen Kassenschlager auch als Hybrid-Fahrzeug anbieten. Wann allerdings ein Hybrid auf den Markt kommen soll, ist bislang unklar.