Fahrbericht:

Suzuki Ignis – Kopfnicker und Parkhausräuber

23.11.2018

Der Suzuki Ignis ist ein spannender Micro-SUV. Denn er macht vieles richtig, nur über eine Eigenart können wir nicht hinwegsehen.

Seit Januar 2017 gibt es nach zehn Jahren Pause den Suzuki Ignis wieder. Früher ein Polo-Konkurrent, tritt der kleine Japaner jetzt in der Kleinstwagen-Klasse an. Und mischt das Segment ordentlich auf, denn er ist ein echter Hingucker. Mit bulliger Front und ausgestellten Radhäusern zieht er die Blicke auf sich, ohne jedoch aggressiv oder einschüchternd zu wirken. Das ist den Designern wirklich gut gelungen. Nur das Heck, ist – sagen wir mal – „fraglich gestaltet“: Die angeschrägte Rückansicht ist zumindest gewöhnungsbedürftig und sieht abgesehen von ein wenig Plastik-Dekor auch nicht sonderlich nach Offroad-Abenteuer aus. Obwohl das mit 18 Zentimetern Bodenfreiheit durchaus möglich wäre. Zumindest wenn man die Allrad-Variante wählt. Wir sind allerdings den frontgetriebenen Ignis mit Automatik-Getriebe gefahren. Er kostet mindestens 17.340 Euro, bietet dann allerdings auch schon die Ausstattung Comfort+, bei der unter anderem Klimaautomatik, Tempomat, Sitzheizung vorn, Lederlenkrad, das große Audiosystem und viele weitere Extras mit an Bord sind. Grundsätzlich fängt der Preis nämlich schon bei 12.740 Euro an.

Testwagen mit Automatik

Unser Testwagen bot neben dem 1,2 Liter-Motor (eine andere Motorisierung gibt es nicht) nur vier Sitzplätze, denn ab der Comfort-Line gibt es im Fond statt der Rückbank serienmäßig zwei verschiebbare Einzelsitze. Die erweitern bei Bedarf den Platz im 260 Liter großen Kofferraum. Umgeklappt gehen bis zu 1.100 Liter rein. Packt man lieber Passagiere auf die Rückbank, sollte man darauf achten, dass die nicht allzu groß sind. Es ist zwar erstaunlich, wieviel Beinfreiheit bei nur 2,44 Meter Radstand möglich ist, doch nach oben wird es schnell eng. Auch der Fahrer sollte mit seinen Körpermaßen nicht sonderlich aus der Reihe tanzen, ein in der Länge verstellbares Lenkrad bietet Suzuki nämlich nicht an. Und wo wir schon dabei sind: Auch den Seitenhalt der Sitze haben die Ingenieure scheinbar vergessen. Die optisch großen Sitzwangen sind aus weichem Schaumstoff und bieten Halt nur als Alibi. Aber: Wer aufs Kurvenräubern aus ist, wird bei Suzuki wohl eher zum Swift denn zum Ignis greifen und für das Räubern im Parkhaus sind die Außenmaße viel entscheidender als der Seitenhalt. Trotzdem bietet das Gestühl bei gemütlicher Fahrt ausreichend Komfort.

Viel Plastik dominiert im Innenraum

Der übersichtliche, aber mit viel Hartplastik ausgekleidete Ignis-Innenraum lässt sich durch bunte Dekor-Teile und ein modernes und einfach zu bedienendes Touchscreen-Infotainment-System mit Navigation und Smartphone-Anbindung aufwerten. Auch ein schlüsselloses Zugangssystem, eine Rückfahrkamera und ein rudimentäres Fahrerassistenzpaket sind im Angebot: Zwei Kameras observieren dann vom Rückspiegel aus die Straße und ermöglichen Spurverlassenswarner, Müdigkeitsüberwachung und Notbremsassistent.

Ignis nur mi 1,2-Liter-Benziner

Damit der Ignis überhaupt fährt, braucht’s natürlich einen Motor. Das hat Suzuki wörtlich genommen, und bietet einen Motor an – Alternativen vermisst man allerdings auch nicht. Der 1,2 Liter große Vierzylinder-Sauger entwickelt 90 PS, seine 120 Newtonmeter Drehmoment (bei 4.400 Umdrehungen) packt er – oder sagen wir lieber – „parkt er“ in einem 5-Gang-Automatik-Getriebe, das schwer an die erste Generation des Smart erinnert. Zwischen jedem Gangwechsel gibt es eine Gedenksekunde, wer etwas forscher anfährt lässt bei nasser Berganfahrt erst die Reifen durchdrehen bevor beim Wechsel von Fahrstufe eins in Fahrstufe zwei der Gurt den Fahrer am Sitz halten muss. Ja, so deutlich ist der Tempoverlust beim automatischen Gangwechsel wirklich. Das sich der Ignis trotz des nicht übermäßig starken Triebwerks ausreichend flott anfühlt, liegt, neben der guten Abstimmung des Getriebes, vor allem an seinem geringen Gewicht: Gerade mal 885 Kilogramm müssen in der Basis-Version bewegt werden. Die sind zwar erst nach rund 12 Sekunden auf Tempo 100 gebracht, doch bei normaler Stadtgeschwindigkeit wuselt das Micro-SUV jedoch flink mit; die Segel streicht er bei autobahntauglichen 170 km/h.

Kleiner Verbrauch dank niedrigem Gewicht

Etwas mehr Masse würde zwar dem Federungs-Komfort entgegenkommen, denn so hoppelt der Ignis hart und trocken über Unebenheiten und reicht die nahezu unfiltriert an die Insassen weiter; der für den knackigen 9,40-Meter-Wendekreis kurze Radstand tut hier sein Übriges. Doch wirkt sich das niedrige Gewicht andererseits positiv auf den Verbrauch aus: 5,6 Liter brauchten wir im Schnitt. Eine vier vor dem Komma sollte aber durchaus drin sein. Wer noch weniger verbrauchen möchte, kann den Mild Hybrid wählen: Der integrierte Startergenerator bezieht seinen Strom aus einer separaten Lithium-Ionen-Batterie und unterstützt den Verbrenner beim Anfahren und Beschleunigen; außerdem gewinnt er Bremsenergie zurück. Das bringt im Normzyklus eine Ersparnis von 0,3 Litern je 100 Kilometer. Kostenpunkt: Mindestens 17.040 Euro.

Fazit: der Ignis ist ein ausgefallener Kleinstwagen der vor allem durch seine Kompaktheit in der Stadt und auf jedem Parkplatz begeistert. Die Automatik ist allerdings eine echte Enttäuschung. Der happige Aufpreis lässt sich besser in ein paar Extras investieren.