Fahrbericht:

Volvo XC60 T6 – Die schwedische Alternative

18.05.2018

Mit dem XC60 will Volvo den Erfolg des größeren XC90 in die SUV-Mittelklasse übertragen. Das gelingt den Schweden fast perfekt, Optik, Qualität und Komfort sind prima. Nur der Motor lässt Wünsche offen – und dann wäre da noch der Preis.

Eine Klasse kleiner klappt‘s auch: Volvo hat sein Luxus-SUV XC90 geschrumpft – wobei dem XC60 die um 26 Zentimeter reduzierte Länge und die um drei Zentimeter geringere Breite (1,90 Meter) ziemlich gut zu Gesicht stehen.

Aber bitte nicht falsch verstehen: Der XC60 ist immer noch ein mächtiges und auch sehr auffälliges Auto. Aber er wirkt eleganter als der große Bruder, erschlägt den Betrachter nicht durch schiere Präsenz. Die Linienführung bar jeder modischen Vorgabe ist so gewählt, dass das SUV auch in einigen Jahren noch frisch wirken dürfte. Wobei uns ganz persönlich das Heck mit seinem unterhalb der Rückleuchten abfallenden Deckel nicht so überzeugt hat.

Klares Design, edle Materialien, Platz im Überfluss

Auch im Innenraum orientiert sich der XC60 am 90er. Klares Design, edle Materialen, bequeme Sitze und viele Ablagen machen den Alltag an Bord angenehm. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung, aber nach einigen Tagen ist auch das kein wirkliches Problem mehr. Platz ist ebenfalls im Überfluss vorhanden, allerdings müssen sich Fondpassagiere ihren Luxussitz erst durch den dank eines zu engen Türausschnitts relativ unbequemen Einstieg erarbeiten.

Zwar hat Volvo vier von fünf SUV der alten XC60-Generation mit einem Diesel verkauft, aber in Zukunft setzen die Schweden stärker auf den Ottomotor. Um dessen größeren Alltagsdurst einzubremsen dann gerne auch elektrifiziert: Die Schweden bieten den XC60 auch als Plug-In-Hybrid an (Grundpreis mit Basis-Ausstattung Momentum: ab 67.000 Euro). Dessen Modell-Kürzel „T8“ sollte jedoch keine falschen Erwartungen wecken, der Benzinmotor ist nicht etwa ein Achtzylinder, noch nicht einmal einer mit sechs Töpfen. Wie (mittlerweile) immer bei den Schweden arbeitet unter der Haube ein profaner Vierzylinder, der hier allerdings mit Turbo- und Kompressor-Unterstützung auf 320 PS kommt. Dazu gesellt sich der Elektromotor mit weiteren 87 PS, womit wir addiert bei der Systemleistung von 407 PS (300 kW) wären. Die Batterie soll eine rein elektrische Reichweite von 45 Kilometern ermöglichen.

Viel Kraft – und viel Kraftstoff

Bei unserem Testwagen konnte von elektrischer Unterstützung jedoch keine Rede sein. Hinter dem Kürzel „T6“ verbirgt sich der größte reine Ottomotor. Wie alle Volvo-Motoren schöpft er seine Leistung aus vier Zylindern und 2,0 Litern Hubraum, in diesem Fall satte 310 PS. Auch Drehmoment (400 Nm) ist mehr als genug vorhanden, zumal dank des serienmäßigen Allradantriebs die Kraft auch souverän auf die Straße gebracht wird. Trotzdem muss man konstatieren, dass bei solchen Leistungswerten ein Sechszylinder sicher ein attraktiveres Angebot wäre. Zumal das Aggregat unter Last recht schluckfreudig wird: So kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von über zehn Litern – rund 30 Prozent mehr als angegeben (7,8 l/100 km).

Und dies, obwohl wir unseren Volvo die meiste Zeit ausgesprochen entspannt bewegt haben. Denn genau dazu lädt das SUV sein. Die Grundabstimmung ist sehr komfortabel, die Achtgang-Automatik schaltet sanft und die serienmäßige Luftfederung bügelt den Asphalt gefühlt so glatt, als gäbe es in Deutschland gar kein Problem mit Straßenschäden. Allerdings ist der XC60 im für den Alltag empfehlenswerten „Comfort“-Modus auch alles andere als ein Sportler, in schnell gefahrenen Kurven wird es eher schaukelig, so dass man den Fuß schnell wieder freiwillig vom Gas nimmt.

Komfort und Leistung haben ihren Preis

Für sportliche Ambitionen gibt es den „Dynamic“-Modus – und der Gegensatz könnte kaum größer sein. Der Antrieb reagiert dann schon fast übernervös auf Gasbefehle, der Antritt ist giftig und die Lenkung straffer. Spaß hat uns das nur ganz kurz gemacht, schnell haben wir den Schalter wieder auf die für das große Schweden-SUV viel passendere Comfort-Einstellung gedreht. Solide, mit einer umfassenden Sicherheits- und Assistenzflotte an Bord, komfortabel und bequem: der XC60 erfüllt in dieser Hinsicht alle Erwartungen. Und hebt sich auf seine ganz eigene Art von den Wettbewerbern aus Stuttgart, Ingolstadt und München ab. Wer allerdings meint, mit einer Entscheidung gegen das deutsche Premium-Trio auch Geld sparen zu können, wird enttäuscht. Auf den Grundpreis von 60.250 Euro kamen bei unserem Testwagen derart viele Extras, dass der Listenpreis erstaunliche 80.040 Euro ausweist. Schluck. Wem das verständlicherweise zu viel ist, dem stehen natürlich auch andere Motorisierungen zur Verfügung, zum Beispiel der kleinere Diesel mit 190 PS, der mit Sechsgang-Schaltgetriebe und in der Basisausstattung „Momentum“ für 46.250 Euro zu haben ist.

Kurzcharakteristik

  • Warum: komfortabel, nobel, sicher
  • Warum nicht: hochgezüchteter Motor, hoher Praxisverbrauch, teuer
  • Was sonst: Mercedes GLC, BMW X3, Audi Q5, Jaguar F-Pace

Technische Daten Volvo XC60 T6

  • Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mittelklasse, Länge: 4,69 Meter, Breite: 1,90 Meter (2,12 Meter inkl. Außenspiegel), Höhe: 1,66 Meter, Radstand: 2,87 Meter, Kofferraumvolumen: 505–1432 Liter
  • 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 228 kW/310 PS bei 5700 U/min, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 2200–5100 U/min, Allradantrieb, Achtgang-Automatikgetriebe, 0–100 km/h: 5,9 s, Vmax: 230 km/h, Normverbrauch: 7,8 Liter je 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 177 g/km, Abgasnorm: Euro 6b, Effizienzklasse: C, Testverbrauch: 10,2 Liter
  • Preis: 60.250 Euro (Ausstattung: Inscription), Testwagenpreis: 80.940 Euro