Dauertest:

VW Tiguan 2.0 TSI 4Motion - Zugpferd und Kraxler

27.03.2019

42.000 Kilometer lang war der kompakte SUV aus dem Hause Volkswagen ein zuverlässiger mobiler Begleiter. Der Allradler sammelte Pluspunkte bei Komfort, Raumangebot und Variabilität.

Tiguan – der Name ist ja nett. Aber verkörpert das Auto wirklich eine Kreuzung aus starker Raubkatze und schuppiger Echse? Nein, denn der typische VW-Kunde magʼs weniger exotisch. Ein klares Design, das etwas Kante zeigen darf, und solide Technik unterm Blech. Das ist es, was er wünscht – und bekommt: Diese Kombination garantiert den Erfolg, denn seit seinem Start im Jahr 2007 ist der Offroader schon fünf Millionen Mal vom Band gerollt. Seit Januar 2016 ist die zweite Generation auf den Straßen.

Ein VW Tiguan 2.0 TSI 4Motion ist seit zehn Monaten als Testwagen in unserem Fuhrpark. Bei dieser Modellvariante passt das Bild von Tiger (Kraft) und Leguan (Kletterer), denn mit 180 PS (2019er Version: 190 PS) und dem Drehmoment von 320 Newtonmetern ist der Zweiliter-Benziner kein Schwächling. Aber auch kein Kostverächter, der Tiger im Tank ist durstig. Zehn bis elf Liter Super auf 100 km schluckt er schon mal bei zügigen Autobahnfahrten.

Das Allradsystem bietet kraftvolles und sicheres Fahren auf jedem Terrain

Der Allradantrieb fordert beim Verbrauch eben Tribut. Dafür sammelt er bereits im Alltag und nicht erst abseits der Straße Pluspunkte. Eine Lamellenkupplung zwischen Kardanwelle und Hinterachsdifferenzial reagiert blitzschnell auf aktuelle Traktionsverhältnisse: Bei trockener, ebener Fahrbahn liegt die Antriebskraft vorwiegend auf den Vorderrädern. Der SUV weist damit die gutmütigen Fahreigenschaften eines Fronttrieblers auf und neigt in engen Kurven erst spät zum Untersteuern. Bei Schlupf regelt die Kupplung – wenn notwendig – bis zu 100 Prozent Antrieb auf die Hinterachse. Beim Anfahren, insbesondere an Steigungen, spürt der Mensch am Lenkrad den Zug beider Achsen. Zudem kann er an einem Drehschalter das Allradsystem an den Untergrund anpassen – für Grip auf Asphalt, Gelände oder Schnee. Bei verschneiten und vereisten Asphaltpisten bringt die Konfiguration „SNOW“ ein spürbares Plus an Sicherheit, das haben wir in diesem kalten Winter erlebt: Wo andere Fahrzeuge ins Schlingern geraten sind, blieb unser Tiguan auf Kurs.

Das Kraftpaket kann 2,5 Tonnen ziehen und erweist sich als pflegeleichter Dauertester

Für Besitzer von Wohnwagen und sonstigen Anhängern ist die zusätzliche Investition in den Allrad zu empfehlen! Gerade wenn es hin und wieder ins Gelände geht. Selbst auf holprigem Untergrund harmonieren der Zweiliter-Benzinmotor und die Siebengang-Doppelkupplungsbox (DSG) ideal mit butterweichen Gangwechseln. Das schätzt vermutlich sogar das Pferd im Hänger. Dazu kommt: Der Tiguan ist für Lasten von 2,5 Tonnen am Haken freigegeben – ein stolzer Wert für einen kompakten SUV. Mit Trailer-Assist (935 Euro Aufpreis) ist Rangieren kinderleicht. Die Anhängerkupplung ist dezent in der Heckschürze getarnt und ist bei Bedarf herauszuklappen. Das vermeidet lästige Schäden beim Rückwärtsrangieren!

Pannenfrei und schadlos kam unser Tiguan über die Runden. Nur ein Werkstattbesuch war nach 30.000 Kilometern für Ölwechsel und Wartung fällig. Kosten: 369 Euro. Ausgetauscht wurde im Rahmen eines Rückrufes dabei das Elektronikmodul der Ambientebeleuchtung am Dachhimmel, von diesem Rückruf waren Modelle mit Panoramadach betroffen.

Der Tiguan begeistert große und kleine Testfahrer mit seiner Ausstattung

Inzwischen zeigt er über 42.000 Kilometer auf dem Zähler an. Und diese hohe Laufleistung legt Zeugnis ab – der Tiguan ist auch in unserem Kreise die Nummer eins. Warum? Weil er alle Anforderungen seiner Fahrer erfüllt. Er ist erste Wahl, wenn die Dienstreise eine längere Anfahrt erfordert und komfortables Reisen gewünscht ist. Er ist gefragt, wenn unser Fotograf mit großem Equipment samt Drohnen für Luftaufnahmen einen Raumgleiter benötigt. Und er ist der große Hit, wenn am Wochenende Kinder in der zweiten Reihe als Passagiere Platz nehmen. Die freuen sich über eigene USB-Anschlüsse, eine eigene Klimaregelung, Sitzheizung und Klapptische mit Becherhaltern. Und natürlich vor allem über die tolle Sicht aus ihrer erhöhten Sitzposition. Jonas (9 Monate), der jüngste Testfahrer, beendet sein Quengeln, wenn er den Nachthimmel aus dem Glaspanoramaschiebedach bestaunen kann. Das kostet allerdings stolze 1280 Euro Aufpreis.

Komfortable Sitze und praktische Fahrassistenten machen auch Langstreckenfahrten angenehm

Bequeme Vordersitze, ein ergonomisch gestaltetes Cockpit, perfekte Klimatisierung einschließlich Sitz- und Lenkradheizung sind die Tortenstücke, mit denen der Wolfsburger SUV bei Langstreckenfahrten im Sommer und bei frostigen Temperaturen die Passagiere in der ersten Sitzreihe verwöhnt. Fahrassistenten wie der abstandsbasierte Tempomat, die automatisch regelnden Matrix-LED-Scheinwerfer und die Navigation mit Verkehrsmeldungen in Echtzeit sind dazu die Sahnehäubchen. Bei Nachtfahrten überzeugt das Active Lighting mit dynamischem Fernlichtassistenten und Kurvenlicht mit sehr guter Fahrbahnausleuchtung. Dank dieser Helferlein steigt jeder Chauffeur auch nach langer Fahrt frisch und entspannt aus dem Fahrzeug.

Der neue Tiguan ist gewachsen

Wer ein stattliches Zugfahrzeug sucht oder reichlich Ladegut auf vier Rädern transportieren will, ist mit dem Wolfsburger Geländewagen gut bedient. Weil er im Vergleich zu seinem Vorgängermodell in Länge und Breite gewachsen ist und auch der Radstand um acht Zentimeter zulegte, herrscht ein großzügiges Raumangebot, das variabel zu nutzen ist, für Passagiere und Packstücke. Die Heckklappe schwingt elektrisch weit nach oben. Allerdings ist die Ladekante ziemlich hoch, Hubkraft vom Lademeister ist gefordert. Bei aufgestellter Rücksitzbank lässt sich ein Kinderwagen verstauen.

Der variable Innenraum bietet viel Platz für Passagiere und Gepäck

Sind Rückbank und Beifahrersitz umgeklappt, passt sogar das 2,50 Meter lange Regal vom SB-Möbelmarkt ins Auto. Und wer eine Kühlbox im Kofferraum arretiert, freut sich über die 220-V-Steckdose. Nur ein Fakt trübt die Ladefreude: Das Gepäcknetz hält dem sonstigen Anspruch auf perfekte Lösungen nicht stand. Die Sitzbank im Fond lässt sich um 18 Zentimeter verschieben. Das heißt: Sitzen Kinder im Fond, wächst der Raum fürs Gepäck um bis zu 100 Liter. Ein Sitzriese in der zweiten Reihe schiebt die Bank weiter nach hinten und bekommt die gewünschte Kniefreiheit. Unsere Insassen schätzten dieses flexible Konzept! Denn auch die Rückenlehne lässt sich justieren.

Spracherkennung und Head-up-Display können die Qualitätsansprüche nicht ganz erfüllen

Was unterm Blech steckt: zuverlässige Technik, ausgereifte Fahrassistenzsysteme und moderne Konnektivität. Nichts davon können sich Wolfsburger Ingenieure als exklusive Entwicklung auf ihre Fahnen schreiben. Aber alles ist ziemlich perfekt konfiguriert. Über das große Display (Active-Info mit 31 cm Diagonale) lassen sich viele Informationen abrufen und Einstellungen (Bordcomputer, Fahrwerkeinstellungen, Multimedia, Navigation etc.) vornehmen – es dauert allerdings etwas Zeit, bis sich der Nutzer zurechtfindet. Kritische Anmerkungen zielten auf das Spracherkennungssystem: „Tippe jetzt das Reiseziel wieder in die Tastatur. Die Dame will mich nicht verstehen“, so ein Eintrag im Bordbuch. Auch das Head-up-Display (565 Euro Aufpreis) bekam sein Fett ab: „Man wünscht sich für den Preis mehr als nur eine versenkbare Plexiglasscheibe.“

Der Tiguan ist ideal für Familien und Camper

Fazit: Die zweite Auflage des Tiguan ist ein ausgereiftes Familienfahrzeug. Vor allem für Camper mit Haus am Haken ist unsere Motorvariante ideal. Das Interieur ist funktional und wirkt nach intensiver Beanspruchung noch neuwertig. Die Assistenzsysteme erfüllen höchste Sicherheitsansprüche, summieren sich allerdings beim Kaufpreis. Da läppert sich schnell was zusammen.

Technische Daten VW Tiguan 2.0 TSI 4Motion (pdf)

 

Der VW Tiguan im Leserurteil

Diese Schulnoten gaben die Leser

Ausstattung

1,7

Fahrverhalten

1,5

Geräusch

2,1

Komfort

1,7

Kundendienst

2,3

MOTOR

1,7

UNTERHALT

2,3

VERARBEITUNG

1,8

VERBRAUCH

2,5

ZUVERLÄSSIGKEIT

1,6

Das Fazit vieler Leser: „Perfekt, hier passt alles“

Mehr als 2,2 Millionen Testkilometer sammelten alle Tiguan-Fahrer gemeinsam, die an unserer Umfrage teilgenommen haben. Obwohl die Laufleistung in Summe beachtlich ist, berichtete keiner unserer privaten Tester über einen kapitalen Ausfall seines Volkswagens. Die Noten, mit denen sie ihren Familien-SUV bewertet haben, sprechen für sich.

Natürlich herrscht nicht nur eitel Freude. Günter Scharf aus Sülzfeld bemängelt die Materialien im Innenraum. Die Qualität sei weniger hochwertig als beim Vorgänger. Friedrich Priem aus Kamp-Lintfort berichtet, dass nach wenigen Kilometern das Steuerteil einen Defekt anzeigte. W. Raupach ärgert sich über die häufigen Fehlermeldungen auf dem Display des Bordcomputers. Sein Kommentar: „Ein schönes Auto, leider montags gebaut.“

Das Gros der Einsender hebt den Daumen hoch. „Ein wunderschönes Auto, das keine Wünsche offenlässt“, lobt Helmut König aus Großkrotzenburg. Und Bernd Zwick aus Edermünde setzt noch einen drauf: „Perfekt, hier passt alles!“. Rund 75 Prozent unserer Befragten kauften ihren Tiguan als Neuwagen, acht von zehn VW-Käufern wählten die gehobenen Ausstattungen Comfort- und Highline. Knapp 65 Prozent bevorzugten eine Allradversion, und in identischer Größenordnung fiel die Wahl auf DSG-Automatik mit sechs oder sieben Gängen. Die meisten Tiguan-Tester nutzen den Kletterkünstler als Zugfahrzeug, denn drei von vier Eigentümern wählten eine Anhängerkupplung als zusätzliches Extra. Das beliebteste Modell unserer Leser ist übrigens der TSI mit 150 PS, dicht gefolgt vom Dieselmodell TDI mit 150 PS. Unser 180 PS starker Benziner folgt auf dem dritten Platz.

Im Schnitt ließen die Kunden 38.710 Euro für ihren Tiguan beim Händler liegen. Viel Geld: Und trotzdem würden über 90 Prozent sich bei der Wahl des nächsten Neuen wieder für den Tiguan entscheiden.