Dauertest:

VW Touran – Der Familienvan

27.06.2018

Rund 40.000 Kilometer war der VW Touran im Dienst von ACE LENKRAD unterwegs. Vor allem auf Langstrecken war er ein geschätzter Begleiter.

Es ist schon beinahe ein Ritual, wenn ein neuer Dauertest-Wagen zum ersten Mal auf dem Parkplatz des ACE in Stuttgart steht: Zuerst wird der Neue von allen Seiten ganz genau in Augenschein genommen, bevor alle – in diesem Fall fünf – Türen geöffnet und der Innenraum gründlich inspiziert wird. Anschließend werden diese ersten Eindrücke im Testwagentagebuch notiert. Beim VW Touran, der uns insgesamt über zehn Monate begleitete, lautet der erste Eintrag: „Die Farbe ist toll! VW zeigt mit dem ‚Caribbean Blue Metallic‘, dass auch große Autos mit leuchtenden Farben gut aussehen und nicht immer grau, schwarz oder weiß sein müssen.“ Zudem hat es einen unschlagbaren Vorteil, wenn die Wagenfarbe nicht alltäglich ist: Den Touran fanden wir auf jedem noch so großen Parkplatz auf Anhieb wieder.

Beim VW Touran überzeugt das Platzangebot

Auch die inneren Werte des Wolfsburgers waren uns auf Anhieb sympathisch. Vor allem das Platzangebot überzeugte. Einen Preis für das innovativste Design wird VW zwar auch mit dem Touran nicht gewinnen – aber, seien wir mal ehrlich: Für einen Alltagsbegleiter sind doch ganz andere Faktoren entscheidend. So muss ein Familienvan in allererster Linie praktisch und alltagstauglich sein. Und genau unter dieser Prämisse haben wir den Touran über 40.000 Kilometer geprüft.

In den ersten Tagen waren wir vor allem im Stadtverkehr unterwegs, wo wir auch die ersten Überraschungen erlebten. Der Touran ist stadttauglich! Trotz seiner viereinhalb Meter Länge lässt er sich auch in engere Lücken gut rangieren – die Aufgabe wurde uns durch die optional erhältliche empfehlenswerte Rückfahrkamera (295 Euro, nicht für die günstigste Ausstattungslinie Trendline) erleichtert. Auf den Parklenkassistenten mit Einparkhilfe (215 Euro) griffen wir dagegen selten zurück – wer sich mit dem Einparken schwertut, für den kann dieser Assistent aber eine Hilfe sein.

Günstigste Ausstattungsvariante Trendline

Unseren Dauertest-Touran hatte VW großzügig mit technischen Helferlein bestückt. Was aber auch dazu führte, dass zum Grundpreis von 33.750 Euro (beste Ausstattungsvariante Highline) nochmals 12.451 Euro obendrauf kamen. Ein stolzer Preis für ein Familienauto – gleichwohl, es ginge auch günstiger. In der Ausstattung Trendline mit einem 110-PS-Benziner und manueller Schaltung steht der Touran mit 24.300 Euro in der Preisliste. Wer sich für diese Variante entscheidet, wird auch nicht allzu sehr von der Aufpreisliste in Versuchung geführt – viele Extras sind für die Trendline nicht erhältlich, trotzdem erhält man einen passabel ausgestatteten Familienvan!

Extras beim VW Touran überzeugen

Aber natürlich wäre es gelogen zu sagen, wir hätten die Annehmlichkeiten nicht zu schätzen gewusst! Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG (ab 1950 Euro Aufpreis, nicht für alle Ausstattungs- und Motorvarianten) überzeugte selbst den hartnäckigsten Verfechter der guten alten Handschaltung spätestens beim ersten „stop and go“. Auch das „Easy Open“-Paket hatte uns schnell überzeugt. Im Testwagentagebuch heißt es: „Vollbepackt im strömenden Regen gibt es wohl nichts Schlimmeres, als erst die Koffer abzustellen und dann in der Handtasche nach dem Schlüssel zu kramen. Beim Touran genügt ein gezielter Tritt unter den Wagen und der Kofferraum öffnet sich wie von Zauberhand. Auch beim Öffnen der Fahrertür und beim Starten kann der Schlüssel in der Tasche bleiben – Super.“

Handbremse wäre wünschenswert

Doch nicht immer konnte uns die Elektronik hundertprozentig überzeugen. So wünschten wir uns nicht nur einmal eine altmodische Handbremse herbei. Die „Auto hold“-Funktion ließ uns nämlich immer mal wieder im Stich und der Touran rollte trotz eingelegtem Rückwärtsgang erst mal etwas nach vorne. Beim zweiten oder dritten kräftigen Tritt auf die Bremse funktionierte das System wieder vorschriftsmäßig. Nicht gerade angenehm, wenn man am Hang in einer engen Parklücke steht. Ob es ein generelles Problem ist oder nur unser Touran diesen Fips hatte, können wir nicht sagen. Unsere Werkstatt fand bei der 30.000er-Inspektion auf jeden Fall keinen Fehler.

Scheinwerfer nicht manuell einstellbar

Einen anderen – sogar ziemlich unangenehmen Fehler – bescherte uns die VW-Werkstatt dafür. Schon bei der ersten Nachtfahrt, als der Touran noch ganz frisch vom Band war, fiel uns auf, dass die Nachtsicht doch sehr zu wünschen übrig ließ. Alle Versuche, die (bei Highline) serienmäßigen LED-Scheinwerfer manuell einzustellen, schlugen fehl. In einer kleinen Werkstatt, bei der wir auf unserer Fahrt vorbeikamen, wurde dem Problem auf ganz altmodische Weise zu Leibe gerückt. Nach der Kontrolle mit dem Spiegelsystem schlug der Werkstattmeister die Hände über dem Kopf zusammen – an der Scheinwerfer-Einstellung stimmte gar nichts. Nach fünf Minuten war das Problem behoben – bis zum erwähnten Inspektionsbesuch in der Werkstatt. Danach war die Sicht wieder schlecht, für das Korrigieren der Scheinwerfer-Einstellung wurden uns auch noch 13 Euro berechnet. Trick 17 ermöglichte es uns übrigens, trotz der zu niedrig eingestellten Scheinwerfer nachts sicher unterwegs zu sein: Wir stellten auf Fernlicht um. Die Fernlichtregulierung, die eine Blendung des Gegenverkehrs vermeidet, funktionierte nämlich fehlerfrei.

Übersichtliches und funktionales Cockpit

Unterschiedliche Ansichten gab es in der ACE LENKRAD-Redaktion über den Arbeitsplatz des Fahrers. „Übersichtlich und funktional – was will man mehr“, wird im Testwagentagebuch das Cockpit beschrieben. An anderer Stelle heißt es aber, „manche Funktionen müssen über Untermenüs gesteuert werden, das lenkt den Fahrer ziemlich ab und auch die Bedienung des Touchscreens ist ziemlich fitzelig“. Aber alles ist logisch aufgebaut und gibt keine größeren Rätsel auf. Auch ausgesprochene Handbuch-Muffel kommen problemlos zurecht.

Ziemlich gut hat uns der große Touchscreen aber trotzdem gefallen. Die Empfindlichkeit ist genau richtig und das Display gut ablesbar. Auch die Integration von Android Auto funktioniert fehlerfrei. Einzig mit der Spracheingabe gab es Probleme. „Das Auto versteht mich nicht, das hatte ich bisher so noch nicht“, lautet ein Tagebucheintrag. Andere Tester konnten das so aber nicht bestätigen.

Viel Komfort auf allen Plätzen

Ungeteilte Zustimmung dagegen für den Sitzkomfort. Sowohl auf den beiden vorderen Sitzen wie im Fond können selbst Erwachsene mit Gardemaß ganz entspannt reisen – auch auf der Langstrecke, Kopf- und Beinfreiheit sind top! Hinten allerdings nur auf den äußeren Sitzen, der mittlere ist mehr oder weniger ein Notsitz für schmale Passagiere. Die Investition von 255 Euro für beheizbare Vorder- und äußere Rücksitze ist eine lohnenswerte Investition, unverständlich, dass VW für den Touran keine Lenkradheizung im Angebot hat.

Der Touran ist ein Familienauto, geeignet für Familien mit ein oder zwei Kindern. Die Kindersitzmontage mit Isofix ist ein Kinderspiel, da „im Fond ausreichend Platz ist und der Touran als Van natürlich eine komfortable Höhe zum ‚Arbeiten‘ bietet“ – so steht es im Tagebuch. Geschätzt haben die jüngsten Passagiere auch Annehmlichkeiten wie die Sonnenschutzrollos an den hinteren Fenstern (im Family-Paket ab 195 Euro).

Ebenfalls begeistert waren wir von den Lademöglichkeiten des Touran. Selbst sperrige Gepäckstücke – wie etwa ein Gefrierschrank oder ein Sofa – ließen sich problemlos transportieren. Nur machten wir beim Einladen mehr als einmal eine etwas schmerzhafte Begegnung mit dem spitzen Eck des Rücklichts, das in die Ladeöffnung ragt. Unverständlich finden wir, dass VW keine Verankerung für ein Gepäcknetz im Dach angebracht hat, so lässt sich die Ladehöhe leider nur sehr beschränkt nutzen.

Der 150 PS-Motor kann sparsam sein

Bei 40.000 Kilometern in zehn Monaten ist natürlich ein ordentlicher Anteil Langstrecke dabei. In dieser Disziplin bekommt der Wolfsburger von allen Seiten nur Lob in den höchsten Tönen. Rückenschmerzen traten selbst auf den längsten Touren nicht auf und der 150-PS-Benzinmotor versah seinen Dienst mit Laufruhe und trotzdem gutem Durchzug – wir fuhren eine Motorvariante, die sehr gut zum Touran passt. Die kolportierten 5,6 Liter Super erreichten wir natürlich nicht, im Schnitt benötigten wir 7,8 Liter auf hundert Kilometern – aber, wie gesagt, bei überdurchschnittlich hohem Autobahnanteil. Dass der Touran auch deutlich sparsamer bewegt werden kann, erlebten wir unter anderem auf französischen Autobahnen. Bei gleichmäßig moderaten Geschwindigkeiten begnügte sich der VW mit gut sechs Litern.

Fazit: Der Touran führt die Zulassungsstatistik bei den Kompaktvans an und wir verstehen warum. Für Familien, die Wert auf Platz, Variabilität und Komfort legen, ist der VW ein idealer Begleiter.

Technische Daten VW Touran (pdf)

 

Der VW Touran im Leserurteil

Diese Schulnoten gaben die Leser

Ausstattung

1,8

Fahrverhalten

1,6

Geräusch

2,2

Komfort

1,8

Kundendienst

1,9

MOTOR

1,6

UNTERHALT

2,3

VERARBEITUNG

1,6

VERBRAUCH

2,5

ZUVERLÄSSIGKEIT

1,5

Das Fazit vieler Leser: "Der beste VW, den ich je hatte"

Die VW Touran-Fahrer unter den ACE LENKRAD-Lesern haben sich zu einem großen Teil für den 150-PS-Benziner, den auch wir fuhren, entschieden. Knapp 80 Prozent hatten ihren Touran neu gekauft und dafür im Schnitt 34.263 Euro ausgegeben, die Gebrauchtwagenkäufer bezahlten durchschnittlich 30.528 Euro. Gemeinsam haben die Touran-Fahrer, die sich an der Umfrage beteiligten, knapp 740.000 Kilometer zurückgelegt – da kommt einiges an Erfahrungen zusammen. Probleme gab es unter anderem mit dem Infotainment-System (Totalausfall), dem Elektromotor der Heckklappe (wurde ausgetauscht) und einmal wegen Resonanzgeräuschen unter der zweiten Sitzreihe bei 1500 U/min. Dieses letzte Problem konnte der Kundendienst allerdings nicht beseitigen. Trotzdem sind die Meinungen zum Touran zum größten Teil begeistert bis überschwänglich. „Ein absolut ruhiges, geräumiges, komfortables und praktisches Reiseauto“, schreibt Michael Schweigert aus Ahrensfelde. Sein Touran verfügt auch über eine dritte Sitzreihe, da er oft mit Kindern und Enkelkindern unterwegs ist. „Dafür ist das Auto wie geschaffen“, schreibt er. Karl-Heinz Rumler aus Magdeburg schreibt kurz und knapp: „der beste VW, den ich je hatte“, und Torsten Ulrich aus Berlin lobt, dass VW es geschafft hat, „alle Ecken und Kanten des Vorgängermodells, die beim täglichen Gebrauch immer gestört haben“, zu beseitigen. Weitere Kommentare loben („Super Van zu einem moderaten Preis“), betonen den Nutzwert („Das Fahrzeug erfüllt meine Anforderungen als (...) Zugfahrzeug für mein Camping-Hobby zu 100 Prozent“) und den Spaßfaktor („macht Spaß zu fahren“). Kritisiert werden von einigen der relativ hohe Preis und der Verbrauch. Auch VW als Konzern wird in den Kommentaren immer wieder kritisch erwähnt. Trotzdem würden sich über 86 Prozent wieder einen Volkswagen kaufen.