Eine Reihe Winterreifen steht im Schnee
© Tschovikov / ACE

Wie weit geht die "Winterreifenpflicht" in Deutschland?

Nach der Einführung der "situativen Winterreifenpflicht" im Dezember 2010 sind viele Autofahrer verunsichert. Hat sich bei der Winterreifenpflicht etwas geändert? Darf ich ab einem bestimmten Termin definitiv nicht mehr mit Sommerreifen fahren? Mit welchen behördlichen oder polizeilichen Maßnahmen muss ich unter Umständen rechnen, wenn meine Bereifung beanstandet wird?

Unverändert handelt es sich um eine Verhaltens- nicht um eine Ausrüstungsvorschrift. Sie bezieht sich nicht auf einen bestimmten Zeitraum. Wie jeder Kraftfahrer vor Fahrtantritt seine (gesundheitliche) Fähigkeit zum sicheren Führen eines Kfz prüfen muss, so muss er sich auch darüber klar werden, ob er für widrige Straßenverhältnisse durch die gebotene Bereifung ausreichend vorgesorgt hat. Im einen wie im anderen Fall hat die Fahrt zu unterbleiben, wenn die Fahrsicherheit nicht gewährleistet ist.

Es versteht sich von selbst, dass auch bei einem Unfall oder im Kaskoschadenfall Vermögensnachteile drohen, wenn die Bereifung den gesetzlichen Erfordernissen nicht entsprochen hat. Stichworte: Allein- oder Mitverschulden; grobe Fahrlässigkeit.

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Winterreifenpflicht in Deutschland: Fragen und Antworten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur richtigen Bereifung im Winter finden sich hier.

Mache ich mich strafbar?

Seit 4.12.2010 gilt nun auch in Deutschland die "Winterreifenpflicht". Mache ich mich strafbar, wenn ich jetzt mit Sommerreifen unterwegs bin?

Nicht automatisch. Der neue § 2 Abs. 3a StVO ist eine Verhaltensvorschrift, schreibt also keine bestimmte Ausrüstung für einen bestimmten Zeitraum vor. Man darf bei widrigen Straßenverhältnissen – das Gesetz nennt Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte – eben nicht fahren, wenn die dafür vorgeschriebene Bereifung fehlt. Deshalb kann beispielsweise auf eine Winterbereifung problemlos verzichten, wer sein Auto notfalls auch stehen lassen kann. Sollte es allerdings zur Kollision mit Personenschäden kommen, weil keine geeignete Bereifung aufgezogen war, kommt der Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung in Betracht.

Wann kann ich konkret fahren und wann nicht?

Wie kann ich nun im konkreten Fall einschätzen, ob ich mit meiner Bereifung fahren darf oder nicht? Der Paragraph ist doch sehr unbestimmt und verweist dazuhin auf EU-Richtlinien und Anlagen zur StVZO, die niemand im Handschuhfach parat hat.

Der Gesetzgeber schreibt hier eine sogenannte „situative Winterreifenpflicht“ vor. Dabei müssen stets vor Fahrtantritt die Witterungsverhältnisse geprüft werden. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf nur gefahren werden, wenn die Reifen eine M&S-Kennzeichnung tragen. Hier spielt auch das Reiseziel eine Rolle, da bei längeren Fahrten auch die Route sowie das Ziel berücksichtigt werden muss. Insbesondere bei Fahrten durch Gebirge muss der Fahrer damit rechnen, dass das Wetter umschlagen kann.

Welche Fahrzeuge sind betroffen?

Für welche Fahrzeuge gilt die Winterreifenpflicht?

Nach der Gesetzesformulierung gilt die Winterreifenpflicht für alle „Kraftfahrzeuge“, also auch für motorisierte Zweiräder. Dagegen werden Kraftfahrzeuganhänger nicht erwähnt, so dass sie nicht unter diese Bestimmung fallen. Gleichwohl ist vor allem bei Wohnwagen auf eine wintergerechte Bereifung, auf die diesbezüglichen Vorgaben der Hersteller und auf eine korrekte Beladung zu achten. Andernfalls verstößt man zumindest gegen das allgemeine Gefährdungsverbot und riskiert den Versicherungsschutz. Denn die beste Bereifung des Zugfahrzeugs kann sich als nutzlos erweisen, wenn sich der sommerbereifte Anhänger „selbständig“ macht.

Welche Fahrzeuge sind nicht betroffen?

Welche Kraftfahrzeuge sind von der Winterreifenpflicht ausgenommen?

Verschont werden derzeit noch Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft, soweit für sie bauartbedingt keine M+S-Reifen verfügbar sind. Dasselbe gilt für Einsatzfahrzeuge, die gem. § 35 StVO Abs.1 Sonderrechte in Anspruch nehmen können, insbesondere Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz. Auch für Wohnwagen und Anhänger gibt es keine Verpflichtung zu Winterreifen, der ACE empfiehlt aber eine geeignete Bereifung aus Sicherheitsgründen.

Was bedeutet M2, M3, N2, N3?

Was bedeuten die Angaben zu den Fahrzeugklassen (M2, M3, N2, N3) in der neuen StVO-Bestimmung?

Sie nehmen Bezug auf die EG-Fahrzeugklassen, wie sie in die StVZO übernommen wurden. Im Klartext handelt es sich um Kraftfahrzeuge zur Personen- und Güterbeförderung, also vorwiegend Kraftomnibusse und Lkw über 3,5 t. Für Fahrzeuge dieser Klassen reichen M+S-Reifen an den Antriebsachsen aus.

Klasse M2: Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz und einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 5 Tonnen. Klasse M3: Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz und einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 5 Tonnen. Klasse N2: Fahrzeuge zur Güterbeförderung mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen bis zu 12 Tonnen. Klasse N3: Fahrzeuge zur Güterbeförderung mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 12 Tonnen.

Welche Reifen sind geeignet?

Wieso steht im Gesetz nicht klar und deutlich, welche Reifen gefahren werden dürfen oder nicht? Was verbirgt sich konkret hinter der umständlichen Verweisung auf Richtlinien im Amtsblatt der EU?

Autofahrer sollten sich davon überzeugen, dass auf den Reifenflanken die Buchstabenkombination „M+S“ (auch „M&S“ oder „M-S“) vorhanden ist. Nur mit dieser Bezeichnung können sie sich sicher sein, die Vorgaben des Gesetzgebers einzuhalten. Im Idealfall ist die Buchstabenkombination in Verbindung mit dem Bergpitogramm mit Schneeflocke vorzufinden.Auch wenn die gesetzliche Vorgabe von 1,6 mm in den meisten Fällen eingehalten wird, sollte ein tauglicher Winterreifen mindestens 4 mm Profiltiefe aufweisen, um seine vollen Eigenschaften bei winterlichen Verhältnissen ausschöpfen zu können. Seit November 2012 wird jeder Neureifen mit einem Label versehen, dem EU Reifenlabel.

Riskiere ich meinen Führerschein?

Was droht mir, wenn mich die Polizei im tiefsten Winter mit Sommerreifen erwischt? Ist dann mein Führerschein in Gefahr?

Grundsätzlich wird der Tatbestand mit 60 Euro und einem Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg geahndet und kann bei Behinderung (80 Euro), Gefährdung (100 Euro) oder sogar Unfall (120 Euro) schnell ins Geld gehen. Hinzu kommen Bearbeitungsgebühren, sodass bei einem Verstoß schon ein halber Satz Reifen gekauft werden könnte. Ein Führerscheinentzug kommt nur in absoluten Ausnahmefällen (zum Beispiel bei wiederholten Verstößen) in Betracht, ist jedoch nicht gänzlich auszuschließen.

Was passiert bei einem Unfall?

Muss ich bei einem Unfall mit einer Mithaftung wegen falscher Bereifung rechnen?

Hier kann es zu Regress und Leistungskürzungen des Versicherers kommen, wenn die falsche Bereifung ursächlich für den Unfall war oder sich schadenserhöhend ausgewirkt hat.

Gilt das für Touristen und Transitfahrer?

Gilt die Winterreifenpflicht auch für ausländische Kraftfahrer, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten?

Die situative Winterreifenpflicht richtet sich an alle Straßenverkehrsteilnehmer, egal welcher Nationalität sie entstammen oder ob sie die Bundesrepublik lediglich als Transitland durchfahren. Da hier an das Verhalten des Fahrzeugführers angeknüpft wird, sind alle gleichermaßen betroffen.

Winterregelung für Quads?

Ich habe das Problem, dass es für unsere 2 Quads keine Winterreifen gibt, somit kommt das Gesetz einer Zwangsstilllegung gleich. Könnte ich in dieser Zeit, in der die Fahrzeuge nicht genutzt werden, eine Erstattung bekommen?

Eine Erstattung irgendwelcher Kosten/Steuern ist von Gesetzes wegen bedauerlicherweise nicht vorgesehen. Aus unserer Sicht hätte ein gerichtliches Vorgehen auch keine Aussicht auf Erfolg, da hier die Sicherheit im Straßenverkehr im Vordergrund steht und die Individualinteressen dahinter zurücktreten müssen.

Winterreifen bei Kauf oder Miete?

Wie sieht es beim Kauf oder bei der Anmietung von Autos mit der Winterreifenpflicht aus?

In der Regel wird beim Kauf oder der Miete das Fahrzeug mit Sommer- oder Ganzjahresbereifung übergeben. Der Wunsch nach Winterreifen muss vorher explizit im Kaufvertrag aufgeführt werden. Insbesondere bei Mietwägen kann der Wochenendausflug in die Berge dann schnell sehr teuer werden. Hier sollte unbedingt vorab vereinbart werden, dass das Fahrzeug mit Winterreifen übergeben wird. Dies kostet in der Regel Aufpreis, ist jedoch eine gute Investition in die Sicherheit.

Winterreifen für Motorräder?

Frage: Ich bin Halter eines Motorrads, mit dem ich auch der "Winterreifenpflicht" unterliege. Leider wird für dieses Motorrad auf dem Markt keine spezielle Winterbereifung angeboten, sodass ich derzeit rechtlich nicht in der Lage bin, mein Fahrzeug bei winterlichen Verhältnissen im Straßenverkehr zu nutzen, obwohl nach meiner Auffassung die Reifen bestens für den Winterbetrieb geeignet waren und sind.

Habe ich nun die Möglichkeit, eine Steuerbefreiung für den Zeitraum zu erhalten, in dem ich ohne mein Verschulden an der Nutzung des Motorrads gehindert bin?
Stefan T., München

Antwort: Eine interessante Idee, die sicherlich viele Biker gerne aufgreifen würden. Leider wird sie dem zuständigen Beamten bei Ihrem Finanzamt nur ein müdes Lächeln entlocken. Er wird Ihnen ohne juristische Umschweife ins Gesicht sagen, dass es allein Ihre Angelegenheit ist, was Sie mit Ihrem Motorrad machen oder nicht machen und dass das Risiko, einer veränderten Rechtslage bei den Verhaltensvorschriften der StVO nicht Rechnung tragen zu können, typischerweise bei Ihnen als dem Fahrzeughalter liegt.

Im Kern ist das auch richtig: Die Kfz-Steuerpflicht knüpft an das Halten von Kraftfahrzeugen an, nicht an den Umfang der Nutzung. Wer also, aus welchen Gründen auch immer, sein Fahrzeug ungewollt stehen lassen muss, bleibt als Halter gleichwohl steuerpflichtig.

Man kann auch nicht sagen, dass sich die Rechtslage wesentlich geändert hat. Die "Winterreifenpflicht" konkretisiert im Grunde nur das allgemeine Gefährdungsverbot des § 1 Abs.2 StVO für den Fall winterlicher Straßenverhältnisse. Es wurde keine allgemeine Ausrüstungspflicht eingeführt. Die nie ganz auszuschließende Benachteiligung Einzelner hat der Gesetzgeber im übergeordneten Interesse der Verkehrssicherheit in Kauf genommen.

Der Gedanke, über eine Vergünstigung bei der Kfz-Steuer einen Ausgleich zu schaffen, war für die Macher in der Bundesregierung offenbar nicht zwingend. Vermutlich sind die Motorradfahrer dort in der Minderheit oder lassen ihr Gerät im Winter sowieso in der Garage.

"Winterreifenverbot" in Italien

Das „Winterreifenverbot“ in Italien hat viele Urlauber in helle Aufregung versetzt. Ursache ist ein Rundschreiben des italienischen Transportministeriums (Prot. Nr. 1049 vom 17. Januar 2014).

Nach diesem Rundschreiben muss auch bei Ganzjahres- und Winterreifen (erkenntlich durch das Kürzel „M&S“, „M+S“ oder „M-S“ auf der Reifenflanke) in der Zeit zwischen 15. Mai und 15. Oktober der Geschwindigkeitsindex auf dem Reifen zwingend mit dem Geschwindigkeitsindex in den Papieren übereinstimmen oder darüber liegen; ganzjährig der Geschwindigkeitsindex bei Ganzjahres- und Winterreifen mindestens „Q“ betragen.

Eines vorweg: Wie das Bindestrich-Thema scheint auch das „Winterreifen-Verbot“ ein Sturm im Wasserglas zu sein. Denn eine Recherche hat zu Tage gefördert, dass im freien Handel kaum Ganzjahres- oder Winterreifen erhältlich sind, die nicht mindestens den Geschwindigkeitsindex „Q“ erfüllen. Trotzdem müssen Urlauber – vor allem in der Übergangszeit – auf Nummer sicher gehen, dass Ihre Reifen den Geschwindigkeitsindex in den Papieren erfüllen.

Nach unseren Recherchen sind insbesondere zwei Fahrzeug-Typen von der Verordnung betroffen:

  • Geländewagen mit Offroad-Reifen: Bei diesen Fahrzeugen werden oftmals grobstollige Reifen mit „M&S“-Kennzeichung verbaut, die nur einen niedrigen Geschwindigkeitsindex aufweisen.
  • Sportwagen und schnelle Limousinen: Für diese Fahrzeuge gibt es häufig keine Ganzjahres- oder Winterreifen, die den Geschwindigkeitsindex der Fahrzeugpapiere erfüllen.


Info-Grafik: So prüfen Sie, ob Ihre Reifen zulässig sind.

Quelle: Rundschreiben des italienischen Transportministeriums (Prot. Nr. 1049 vom 17. Januar 2014) und Autonome Provinz Bozen Südtirol. Stand: Juli 2014

Ganzjahres- oder Winterreifen?

Wie erkenne ich, ob es sich um einen Ganzjahres- oder Winterreifen handelt?

Rein rechtlich handelt es sich um einen Ganzjahres- oder Winterreifen, wenn auf der Reifenflanke irgendwo „M&S“, „M+S“ oder „M-S“ eingeprägt ist.

Neue Regelung mit dem Alpine-Symbol: Reifen mit dem M+S-Symbol können Sie weiterhin nutzen. Es gibt eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2024 für M+S-Reifen, die vor dem 1. Januar 2018 hergestellt wurden. Ab dem 1. Januar 2018 hergestellte Winterreifen müssen das Alpine-Symbol tragen. Erst ab Oktober 2024 dürfen Reifen, die ausschließlich das M+S-Symbol tragen, nicht mehr gefahren werden. Übrigens: Viele Winterreifen, die bisher verkauft wurden, tragen zusätzlich das Alpine-Symbol und erfüllen die neuen Anforderungen bereits.

Geschwindigkeitsindex auf dem Reifen

Wo finde ich den Geschwindigkeitsindex auf dem Reifen?

Der Geschwindigkeitsindex findet sich auf der Reifenflanke. Es handelt sich um den letzten Buchstaben der Reifenbezeichnung (z.B. 205/55 R 16 91W; W=270km/h).

Geschwindigkeitsindex in den Fahrzeugpapieren

Wo finde ich den Geschwindigkeitsindex in den Fahrzeugpapieren?

Im neuen Fahrzeugschein finden Sie den Geschwindigkeitsindex als letzter Buchstabe in den Zeilen 15.1, 15.2 und 15.3. Im alten Fahrzeugschein als letzter Buchstabe in den Zeilen 20-23.

Verschiedene Geschwindigkeitsindices

Was kann ich machen, wenn der Geschwindigkeitsindex auf den Reifen nicht mit den Papieren übereinstimmt?

Liegt der Geschwindigkeitsindex auf den Ganzjahres- oder Winterreifen über dem Geschwindigkeitsindex in den Papieren, können Sie bedenkenlos nach Italien fahren. Liegt der Geschwindigkeitsindex darunter, sollten Sie die Reifen gegen entsprechende mit dem richtigen Index tauschen.

Empfehlung des ACE in der Übergangszeit

Was empfiehlt der ACE in der Übergangszeit?

Die italienische Regelung ist sehr unpraktisch, denn bei der Überquerung der Alpen kann es aus Sicht der Verkehrssicherheit durchaus angeraten sein, bereits Winterreifen zu montieren. Aus diesem Grund sollten Sie im Vorfeld in Erwägung ziehen, den Urlaub um ein paar Tage zu verschieben.

So prüfen Sie, ob Ihre Reifen zulässig sind

Prüfen Sie anhand der Beschriftung Ihrer Reifen und Ihres Fahrzeugscheins, ob diese zulässig sind. Unsere Info-Grafik zeigt Ihnen, wie Sie vorgehen müssen.

Wintterreifenverbot in Italien (PDF)