Fahrbericht:

Audi A 4 - Helferlein an Bord

26.09.2017

Der Ingolstädter Bestseller fährt bereits teilautonom und setzt Maßstäbe bei den Fahrassistenzsystemen. Aber die umfangreichen Technikpakete haben auch ihren Preis.

Was ist mit teilautonomen Fahrzeugen bereits heute im realen Fahrbetrieb möglich? Diese Frage sollte unser neu im Fuhrpark angestellter Audi A4 Avant beantworten. Denn der Bestseller aus Ingolstadt ist mit einer Armada von Fahrassistenzsystemen bestückt wie kein anderes Modell in der Mittelklasse.

Die Technik übernimmt für einen kurzen Zeitraum das Kommando

Dank kamerabasiertem Fahrspurlesen, adaptivem Tempomaten und dem Datenaustausch von Navigation und Sensoren kann der Fahrer zeitweilig das Kommando an den Bordrechner abgeben. Der Autopilot bremst vor Ortschaften auf das vorgeschriebene Tempo herunter, selbst bei engen Kurvenradien oder Baustellen regelt die Elektronik eigenständig die Fahrgeschwindigkeit.

Ein Stauassistent hilft dem gestressten Fahrer bei lästigen Kolonnenfahrten im Stop&Go, sein Nervenkostüm zu schonen. Bis zu einem Tempo von 65 km/h regeln Elektronik und Assistenten alles in eigener Regie. Das Fahrzeug lenkt, stoppt und fährt auch selbstständig wieder an (nur in Verbindung mit dem Automatikgetriebe), hält das Tempo der Kolonne mit Sicherheitsabstand und orientiert sich dabei an Fahrbahnmarkierungen und den vorausfahrenden Fahrzeugen. Im Stau kann sich der Mensch am Lenkrad wirklich eine kleine Auszeit nehmen.

Assistenzpakete treiben den Preis des A4 nach oben

Den Grundpreis treiben solche Annehmlichkeiten allerdings in die Höhe: Das Assistenzpaket Stadt mit Einparkhilfe und weiteren Sicherheitsfeatures wie Umgebungskameras, die Spurwechsel kontrollieren und beim Aussteigen vor herannahenden Fahrzeugen warnen, kommt auf 1966 Euro. Weitere 1378 Euro sind für das Assistenzpaket Tour zu investieren, das beim Ausweichen von Hindernissen unterstützt, beim Linksabbiegen den Gegenverkehr im Blick hat und vor überhöhtem Tempo und zu geringem Abstand warnt und notfalls mit Notbremsung eingreift. Und als Autopilot zumindest zeitweise das Steuer übernimmt.

Matrix-Scheinwerfer, die bei aktiviertem Fernlicht den Gegenverkehr vor Blendung bewahren und optimale Sichtverhältnisse schaffen, fallen nochmals mit 1470 Euro zu Buche. Wehe dem, der dann noch Feinnappa-Sitze (1400 Euro), eine Design- (1900 Euro) oder Technologie-Auswahl (3000 Euro) im Paket ordert – der landet im obersten Segment der gehobenen Mittelklasse.

Der Audi ist in der Basisversion gut ausgestattet

Fairerweise ist zu erwähnen, dass der Käufer bereits zum Basispreis ein perfekt verarbeitetes und reichlich ausgestattetes Auto erhält. Der Kollisionswarner und die automatische Notbremse schaffen hohe Sicherheit; ist ein Crash nicht zu vermeiden, leitet das Pre-sense-System Schutzmaßnahmen für alle Insassen ein. Fahrer und Begleiter reisen in behaglicher Umgebung: hochwertige Sitze, ein ergonomisch tadelloses Cockpit und reichlich Beinfreiheit für die Passagiere auf den Vordersitzen. Der Kofferraum des Avant bietet bei voller Bestuhlung mit 505 Litern nicht gerade üppiges Ladevolumen für einen Kombi in der Mittelklasse, aber mehr Platz als sein Vorgänger. Und er lässt sich um bis zu 1510 Liter erweitern. Kinderleicht: Mit einem Fingerdruck gleitet die dreigeteilte Rückbank nach vorne, die Heckklappe ist serienmäßig elektrisch zu entriegeln und zu verschließen – vom Fahrerplatz aus oder per Fernbedienung.

Der Zweiliter-TDI und das S-Tronic-Automatikgetriebe harmonieren

Entspanntes Fahren garantiert das Zusammenspiel des kraftvollen Zweiliter-TDI-Motors mit dem automatischen Siebengang-S-Tronic-Getriebe mit einer kraftstoffsparenden Freilauffunktion. Der Motor schnurrt selbst bei höheren Drehzahlen leise und nahezu vibrationsfrei, die Automatik wechselt ohne Verzögerungsmoment die Gänge. Audi setzt bei der Abgasreinigung auf die Kombination von Partikelfilter, gekühlter Abgasrückführung und einem SCR-Katalysator, der giftige Stickoxide in Stickstoffe transformiert. Das dafür notwendige Adblue kann im extragroßen 24-l- Tank (Aufpreis: 50 Euro) gebunkert werden, ein erstes Nachfüllen war bei unserem Test nach 17.000 Kilometern notwendig. Bei Abgas-Messungen im Fahrbetrieb des Emissions-Kontroll-Instituts der Deutschen Umwelthilfe gehörte der A4 zu den emissionsärmsten Modellen.

Fazit: Teilautonomes Fahren entspannt vor allem im Stop&Go, aber die dafür notwendigen Ausstattungspakete heben den Preis nach oben. Kein Wunder, dass der A4 inzwischen mehr als 80 Prozent gewerbliche Zulassungen verbucht – ein Auto für Freiberufler und Vertreter. Aber: Als Gebrauchter zum halben Preis ist der Ingolstädter auch für Privatfahrer eine reizvolle Alternative.

Technische Daten

Hubraum cm3

1968

Zylinder/Schadstoffklasse

4/Euro 6

Leistung kW(PS)/min-1

110(150)/3250

max. Drehm. Nm/min-1

320/1500

max. Geschwindigkeit km/h

213

0 bis 100 km/h s

9,0

Karosserie

Kombi

Länge/Breite/Höhe mm

4725/1842/1434

Radstand mm

2820

Spurweite vorne/hinten mm

1572/1555

Leergewicht/Zuladung kg

1600/545

Anhängelast ung./gebr. kg

750/1900

Dachlast/Stützlast kg

90/80

Kofferraum (VDA) l

808-1510

Reifendimension

205/60 R 16

Tankinhalt/Reichweite l/km

40/975

Verbrauch

Verbrauch EG-Mix l/100 km

4,1 D

ACE-Testverbr. Min l/100 km

6,2 D

Kohlendioxid-Ausstoß g/km

106

Preise/Unterhalt

Preis ab Werk Euro

35.550

Testwagenpreis

60.740

Typklassen HK/VK/TK?

16/23/23