Fahrbericht:

Audi A4 Allroad 2.0 TDI – Viel Luft nach unten

01.12.2016

Quattro-Allradantrieb, erhöhte Bodenfreiheit, 190 muntere Diesel Pferdchen und ein Testwagenpreis der an 70.000 Euro Marke kratzt – das sind die Eckdaten des Audi A 4 2.0 TDI Allroad.

Die Welt der höhergelegten, mit Plastikbeplankungen auf rustikal getrimmten Kombis ist eine seltsame; Während alle Welt um Effizienz bemüht scheint, mit der feinen Feile an der Aerodynamik arbeitet, oder aber um der Optik willen schon ab Werk heftig tieferlegt, scheint es noch eine kleine Klientel zu geben die es anders mag. Und auch nicht gleich zum SUV-Mainstream  greifen mag.


Volvo hat diese Szene mit den XC Modellen schon frühzeitig für sich entdeckt, auch Audi war mit den Allroad-Varianten von Anfang an dabei. Wobei nach wie vor nicht klar ist, für wen diese Autos eigentlich gebaut sind. Für Förster vielleicht? In den mit feinstem Velours sorgsam ausgekleideten Laderaum eines Audi wird kaum jemand eine tote Sau werfen. Auch nicht mit Schweißwanne. Das gleiche gilt für Angler: Fischgeruch im Innenraum? Dort wo sich eine Heerschar von Ingenieuren über das richtige Klicken bei der Betätigung eines Schalters den Kopf zerbrochen hat? Wohl kaum.

Trailer-Assist-Programm für leichteres Anhänger fahren

 

Es bleiben vielleicht noch Bootsbesitzer, denen  Allradantrieb und insgesamt 34 Millimeter mehr Bodenfreiheit (einschließlich der etwas größeren Reifen) sowie ein paar zusätzliche Minuten Böschungswinkel beim zu Wasser lassen vielleicht grade recht sein könnten. Hier würde auch das Trailer-Assist-Programm Sinn machen, das ein Rückwärtsfahren mit Anhänger zum Kinderspiel macht. Doch das kann inzwischen auch ein vergleichsweise schnöder Passat Kombi. Den es im Übrigen inzwischen auch mit Plastik-Beplankung und Allradantrieb gibt.

Allroad kostet 2000 Euro zusätzlich

 

Es ist wird also irgendwie eng für den Audi allroad. Zumal ja auch der normale Avant mit Quattro-Antrieb zu haben ist. Wer ist bereit 2000 Euro extra auszugeben? Soviel kostet der Zusatz allroad gegenüber einem normalen Audi A4 Avant quattro. Dafür gibt es neben den erwähnten Kunststoff an den Radhäusern und dem Unterfahrschutz  auch noch entsprechende Plaketten und eine höhere Dachreling. Verwehrt bleiben dem allroad dafür diverse Design-Pakete, die hauptsächlich den Innenraum betreffen. Wobei genau dies eine der Stärken von Audi ist: Blitzsaubere Verarbeitung bis in den letzten Winkel, haptische Genüsse wohin die Hand auch fällt und das Gefühl technisch absolut auf der Höhe der Zeit zu sein.

Motorisierung und Fahrverhalten des Audi

 

Antriebseitig  bildet der 2,0 Liter-150 PS-Dieselmit Sechsgang-Schaltgetriebe die Basis, darüber rangieren die Leistungsstufen 163 und 190 PS, sowie der 3,0 Liter-Diesel mit 218 oder 272 PS. Als Benziner lässt Audi nur den TFSI mit 252 PS vom Stapel.  Der Testwagen, angetrieben vom 190 PS Diesel und auf Trab gehalten vom  7-Gang-Direktschaltgetriebe, lässt bereits erahnen auf welch hohem Niveau sich die Ingolstädter Autobauer inzwischen bewegen.  Die Laufkultur ist hervorragend für einen Diesel, mehr als ein entferntes Knurren ist nicht zu hören. Die Zugkraft ist mehr als ausreichend, der Tritt auf das Gas führt zu spontaner Beschleunigung. Einzig die Start-Stopp-Automatik schüttelt den Antriebstrang jedes Mal beim Aufwecken kräftig durch.

Ausstattung beim A 4 quattro allroad

 

Noch dazu ist der Testwagen einmal mehr üppigst ausstaffiert. Besonders imposant wirkt das Ganze dann bei Nacht: Die Auswahl der passenden Ambiente-Beleuchtung mit Lichtleitern in den Türverkleidungen  mag ja noch als Spielerei durchgehen, doch spätestens wenn das optionale  Matrix-LED-Licht pünktlich am Ortsausgangsschild die Spiegel verstellt und die Umgebung in helles, aber nicht blendendes Licht hüllt, geht doch ein kleines, begeistertes  Raunen durch den Innenraum. Fast wie bei einem Sylvester-Feuerwerk – die große Show bei Nacht kostet allerdings die Kleinigkeit von 1900 Euro.


Abgesehen von gelegentlichen kleinen Rucklern des DSG-Getriebes, die auch Audi offensichtlich nicht ganz wegbekommt, gleitet der Audi mit extrem hoher Präzision in der Lenkung und unerschütterlichem Geradeauslauf dahin. Der Federungskomfort ist ebenfalls auf hohem Niveau, ohne das die Fuhre wankt oder wippt. Auffällig ist das Fehlen jeglicher, störender Nebengeräusche aus dem Untergrund. Es poltert nie, es knarzt nirgends – es herrscht einfach Ruhe. Ein regelmäßiger Blick auf den Tacho ist sehr zu empfehlen, denn der Audi ist meist schneller unterwegs als das subjektive Empfinden ahnen lässt.

Fazit

Ob man mit diesem Edel-Kombi mit angedeutetem Unterfahrschutz tatsächlich im Dreck wühlt oder nicht bleibt jedem selbst überlassen. Die wahre Stärke des Audi A4 ist der zügige Transport der Insassen von A nach B, wobei diese fast komplett von der Außenwelt abgeschirmt werden. Das kann der pure Genuss sein – oder auch fatal. Das Ablenkungspotential des Multimedia-Systems ist nämlich riesig. Eines ist der Audi A4 allroad quattro auf jeden Fall nicht: Billig.