Fahrbericht:

Škoda Karoq – Der Yeti-Erbe

28.05.2018

Škoda hat den etwas schrulligen Yeti in den Ruhestand geschickt und versucht sein Glück nun mit dem optisch viel unauffälligeren Karoq. Kann der kleine Bruder des Kodiaq überzeugen?

Vor fast zehn Jahren hat uns Škoda überrascht: Mit dem Yeti hatten die Tschechen ein so auffälliges Kompakt-SUV auf die Räder gestellt, dass sich zunächst jeder nach ihm umgedreht hat. Umso überraschender dann vor einem Jahr die Premiere des Škoda Karoq: Zwar soll er den Yeti beerben, doch mit dessen Schrulligkeit hat er nichts mehr gemein – zumindest optisch. Die Škoda-Designer haben ihn völlig unaufgeregt, ja sogar unauffällig gestaltet. Wer die Unterschiede zu seinem Bruder Kodiaq finden möchte, muss deshalb genau hinschauen. Und das, obwohl der Kodiaq 30 Zentimeter länger ist.

Unauffälliger SUV, der vieles richtig macht

Doch das optische Understatement passt perfekt zum kleinen SUV. Denn nicht nur optisch ist der Karoq unauffällig: Auch die Motoren geben sich kultiviert und vernünftig. Vier Antriebe gibt es aktuell: zwei Diesel mit 1,6 beziehungsweise 2,0 Liter Hubraum (115/150 PS) und zwei Benziner mit 1,0 sowie 1,5 Liter Hubraum (ebenfalls 115/150 PS). Sowohl Diesel als auch Benziner erfüllen aktuell die Grenzwerte der Schadstoff-Klasse Euro 6b. Mit dem neuen Modelljahr ab Sommer dann auch Euro 6d-TEMP. Wir sind den 1,5-l-TSI-Vierzylinder gefahren. Er erfüllt als Einziger bereits Euro 6c und verfügt über ein aktives Zylindermanagement. Das heißt: Sobald der Fahrer nicht beschleunigt, sondern segelt oder bremst, schaltet der knapp 4,40 Meter lange Tscheche die Zylinder zwei und drei aus. Das funktioniert so gut, dass es dem Fahrer kaum auffällt. Knapp einen halben Liter auf 100 Kilometer soll der Karoq mit diesem Trick sparen, zumindest im offiziellen Zyklus. Insgesamt liegt der Verbrauch im ACE-Test bei 7,7 Litern, weniger als 7 Liter schaffen wir nicht. Die 150 PS beschleunigen den Škoda bei Bedarf mehr als ausreichend, auch der Fahrkomfort ist sehr gut. Wie viel das Zylindermanagement einspart, konnten wir allerdings nicht herausfinden, denn abschalten lässt es sich nicht.

Viele Assistenzsysteme hat der Karoq serienmäßig an Bord

Die meisten Assistenzsysteme kann der Fahrer dagegen nach Lust und Laune deaktivieren. Serienmäßig hat der Karoq einige an Bord: Unter anderem die automatische Distanzregelung, eine Berganfahrhilfe, den Spurhalte-Assistenten und eine Verkehrszeichenerkennung. Auch der Notfallassistent zählt zum Serienstandard. Er greift ein, wenn der Fahrer beispielsweise ohnmächtig wird. Der Front Assist mit City-Notbremsfunktion dient dagegen dem Fußgängerschutz. In unserem Test war er etwas nervös, griff zweimal im Stop-and-go-Verkehr auf der Autobahn ein. Dort nervte auch der etwas zu sensible Parkwarner: Wer sich in einer Baustelle den Beton-Leitplanken nähert, weil er eine Rettungsgasse bilden will, wird selbst bei ausreichend Abstand mit lautem Piepsen gewarnt. Dauerhaft abstellen möchte man den Parkassistenten aber nicht, denn auch wenn der Karoq überraschend übersichtlich ist: Mit Spiegeln ist das SUV über zwei Meter breit. Da wird es eng im Parkhaus. Gegen Aufpreis parkt er allerdings in Längs- und Querrichtung selbstständig ein. Und auch autonom ist er schon: Bis zu 20 Sekunden lenkt der Karoq vollkommen selbstständig, bremst und beschleunigt entsprechend dem Vordermann. Das hilft, wenn die Kinder auf der Rücksitzbank streiten oder der Blick kurz auf das Infotainment schweift.

Gestensteuerung im Karoq kein wichtiges Extra

Stichwort Infotainment: Das Infotainment-System mit 9,2 Zoll großem, kristallklarem Display überzeugt. Die Gestensteuerung ist dagegen eher Nice-to-have als eine wirklich sinnvolle Funktion. Eine der wichtigsten Gesten, nämlich das Lauter- oder Leiserdrehen mit einer Handbewegung, kennt das System nicht. Sonst hat sich Škoda dagegen auf allerlei praktische Funktionen konzentriert: Im Tankdeckel steckt ein Eiskratzer, unter dem Beifahrersitz befindet sich ein Regenschirm, die Kofferraumabdeckung ist nie im Weg, weil sie mit der Kofferraumklappe nach oben schwenkt, und die Rücksitze lassen sich gegen Aufpreis einzeln herausnehmen oder verschieben. All das ist im Alltag praktisch und zeigt: Statt in optische Reize hat Škoda in den Nutzwert investiert. Und wenn doch jemand den Yeti vermisst: Mit dem Škoda Vision X haben die Tschechen noch einen Pfeil im Köcher. Könnte durchaus sein, dass der für 2019 geplante Crossover der legitime Nachfolger des Yeti wird.

Technische Daten Škoda Karoq (pdf)