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Einfach zurücklehnen und sich durch die Gegend kutschieren lassen. Das Beifahrerdasein kann so entspannt sein. Doch auch auf dem Beifahrersitz gibt es einiges zu beachten. Denn wer mitfährt, kann entweder unterstützen oder ungewollt ablenken und damit die Verkehrssicherheit gefährden.
Füße aufs Armaturenbrett, ohne Gurt mitfahren, eine Blitzer-App bedienen oder plötzlich ins Lenkrad greifen: Wir zeigen, welche zehn No-Gos für Beifahrerinnen und Beifahrer Sie kennen sollten und wie Sie während der Autofahrt aktiv zu mehr Sicherheit beitragen können.
Auf langen Autofahrten möchte man es sich gerne bequem machen. Die Füße hochzulegen, ist dabei allerdings keine gute Idee. Denn sobald die Beine auf dem Armaturenbrett liegen, kann der Beifahrerairbag bei einem Unfall zur Gefahr werden.
Löst der Airbag aus, werden die Beine mit großer Wucht nach oben geschleudert. Die Knie können dabei in Richtung Kopf und Oberkörper gedrückt werden. Gleichzeitig liegt der Sicherheitsgurt in dieser Sitzposition nicht mehr optimal am Körper an, sodass der Gurtstraffer seine Schutzwirkung nicht entfalten kann.
Auch eine stark nach hinten geneigte Rückenlehne birgt Risiken. Bei einem Frontalaufprall kann der Körper unter dem Sicherheitsgurt hindurchrutschen. Bei einem Heckaufprall besteht zudem die Gefahr, dass der Kopf am Fahrzeugdach anschlägt.
So fahren Sie sicher: Bleiben Sie während der Fahrt aufrecht sitzen und stellen Sie die Füße in den Fußraum. Nur dann können Sicherheitsgurt, Gurtstraffer und Airbags optimal zusammenwirken.
„Ich sitze ja nur auf dem Beifahrersitz“ – dieser Gedanke ist keine gute Ausrede, um auf den Sicherheitsgurt zu verzichten. Die Gurtpflicht gilt grundsätzlich für alle Insassen.
Der Gurt sollte deshalb bereits vor dem Losfahren angelegt werden. Moderne Fahrzeuge erinnern häufig mit einem Warnton daran, wenn jemand nicht angeschnallt ist. Erwachsene sind grundsätzlich selbst dafür verantwortlich, den Sicherheitsgurt anzulegen. Wer es nicht tut, muss mit einem Verwarngeld von 30 Euro rechnen.
Bei Kindern trägt dagegen die fahrzeugführende Person die Verantwortung dafür, dass sie entsprechend gesichert sind.
So fahren Sie sicher: Anschnallen gehört zum Einsteigen wie das Schließen der Tür. Auch auf kurzen Strecken sollte niemand ohne Gurt mitfahren.
Das Smartphone liegt beim Beifahrer, nicht beim Fahrer. Dann kann die Blitzer-App doch problemlos laufen, oder? Nein. Auch Beifahrerinnen und Beifahrer dürfen während der Fahrt keine Blitzer-App nutzen, um vor Geschwindigkeitsmessungen zu warnen.
Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat klargestellt, dass das Verbot nicht davon abhängt, wer das Smartphone bedient. Wird die Warnfunktion während der Fahrt von einer mitfahrenden Person genutzt und von der fahrenden Person zumindest geduldet, kann dies ebenfalls einen Verstoß darstellen.
Die App selbst darf auf dem Smartphone installiert sein. Auch vor Fahrtbeginn kann sie genutzt werden. Während der Fahrt muss die Warnfunktion jedoch ausgeschaltet bleiben.
Gut zu wissen: Bei einem Verstoß drohen der fahrzeugführenden Person 75 Euro Bußgeld und ein Punkt im Fahreignungsregister.
Der Abstand zum Fahrbahnrand erscheint zu gering, die Kurve wird aus Ihrer Sicht zu schnell genommen oder plötzlich zieht ein anderes Fahrzeug herüber: In solchen Situationen kann der Impuls entstehen, selbst ins Lenkrad zu greifen. Genau das sollten Beifahrerinnen und Beifahrer jedoch vermeiden.
Ein unerwarteter Eingriff kann die fahrende Person erschrecken und das Fahrzeug aus der Spur bringen. Aus einer vermeintlich kleinen Unsicherheit kann so schnell eine gefährliche Situation entstehen. Kommt es zu einem Unfall, können zudem rechtliche Folgen drohen.
Anders kann die Situation bei einem akuten Notfall aussehen. Wird die fahrende Person beispielsweise bewusstlos und besteht dadurch unmittelbar eine Gefahr, können Sie eingreifen.
So reagieren Sie richtig: Ist die Person am Steuer handlungsfähig, greifen Sie nicht selbst in die Fahrzeugführung ein. Weisen Sie stattdessen ruhig und eindeutig auf eine konkrete Gefahr hin.
Sie wissen, dass die Person am Steuer Alkohol getrunken hat? Dann sollten Sie nicht einsteigen.
Alkohol kann Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung beeinträchtigen. Für Beifahrerinnen und Beifahrer geht es deshalb zunächst um die eigene Sicherheit. Nach einem Unfall kann die Entscheidung zur Mitfahrt allerdings auch rechtlich relevant werden. Unter bestimmten Umständen können Mitfahrende zur Verantwortung gezogen werden, wenn ihnen die Fahruntüchtigkeit des Fahrenden bekannt war.
Ob und welche Konsequenzen entstehen, hängt immer vom jeweiligen Einzelfall ab.
So handeln Sie richtig: Steigen Sie nicht zu einer offensichtlich fahruntüchtigen Person ins Auto. Versuchen Sie stattdessen, eine sichere Alternative zu organisieren, etwa ein Taxi, öffentliche Verkehrsmittel oder eine nüchterne Person am Steuer.
Die Fahrt ist vorbei, die Tür wird geöffnet und plötzlich kommt von hinten ein Fahrrad oder E-Scooter. Für die betroffene Person kann ein solcher Moment schwerwiegende Folgen haben. Beim sogenannten Dooring kollidieren Rad- oder E-Scooter-Fahrende mit einer geöffneten Fahrzeugtür. Besonders an Straßen mit Radverkehr sollten Beifahrerinnen und Beifahrer deshalb aufmerksam sein.
Ein einfacher Trick kann helfen: der holländische Griff. Öffnen Sie die Tür mit der Hand, die weiter vom Türgriff entfernt ist. Dadurch dreht sich der Oberkörper automatisch nach hinten und der Blick richtet sich eher auf den rückwärtigen Verkehr.
So steigen Sie sicher aus: Schauen Sie vor dem Öffnen der Tür über die Schulter und vergewissern Sie sich, dass kein Rad- oder E-Scooter-Verkehr kommt. Erst dann die Tür öffnen.
Eine Panne oder ein Unfall ist immer eine Ausnahmesituation. Besonders gefährlich wird es, wenn Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit an der Unfall- oder Pannenstelle vorbeifahren. Wer das Auto verlassen muss, sollte deshalb gut sichtbar sein.
Eine Warnweste erhöht die Sichtbarkeit deutlich. In Deutschland muss in jedem Pkw mindestens eine Warnweste mitgeführt werden. Eine allgemeine gesetzliche Pflicht für Pkw-Insassen, beim Verlassen des Fahrzeugs eine Warnweste zu tragen, gibt es allerdings nicht.
So sind Sie vorbereitet: Wir empfehlen für alle Insassen eine eigene Warnweste mitzuführen. Verstauen Sie die Warnwesten nicht im Kofferraum. Sie sollten im Ernstfall vom Sitzplatz aus erreichbar sein, damit sie noch im Fahrzeug angezogen werden können.
„Wir sind doch gleich da“ ist keine gute Antwort auf deutliche Müdigkeit am Steuer. Gerade Beifahrerinnen und Beifahrer können oft erkennen, wenn die Konzentration nachlässt.
Häufiges Gähnen, schwere Augenlider, nachlassende Aufmerksamkeit oder auffällige Fahrfehler sind Warnzeichen. Sie sollten ernst genommen werden. Denn ein kurzer Moment des Sekundenschlafs reicht aus, um die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren.
So helfen Sie richtig: Sprechen Sie Müdigkeit offen an und schlagen Sie eine Pause vor. Wenn Sie selbst fahrtüchtig sind und die erforderliche Fahrerlaubnis besitzen, kann gegebenenfalls auch ein Fahrerwechsel sinnvoll sein.
Wo ist die nächste Tankstelle? Gibt es eine Ladestation auf der Strecke? Und welche Ausfahrt müssen wir eigentlich nehmen? Solche Fragen können die Aufmerksamkeit der fahrenden Person unnötig beanspruchen.
Beifahrerinnen und Beifahrer können hier eine wichtige Unterstützung sein. Sie können beispielsweise die Navigation bedienen, nach einer Tank- oder Ladestation suchen, einen Parkplatz finden oder die Musik einstellen.
So unterstützen Sie den Fahrer: Übernehmen Sie Aufgaben, die nicht zwingend während der Fahrt von der Person am Steuer erledigt werden müssen. So bleibt die Aufmerksamkeit dort, wo sie hingehört: auf der Straße.
Gespräche gehören zu einer gemeinsamen Autofahrt dazu. Problematisch wird es, wenn daraus Stress oder Ablenkung entsteht. Hitzige Diskussionen, emotionale Nachrichten oder ständige Kommentare zum Fahrstil können die Konzentration beeinträchtigen. Auch hektische Zurufe können die Situation verschärfen. Ein spontanes „Pass auf!“ oder „Brems!“ kann die fahrende Person erschrecken, insbesondere dann, wenn überhaupt keine konkrete Gefahr besteht.
Anders sieht es aus, wenn tatsächlich etwas passiert: Dann sollten Beifahrerinnen und Beifahrer frühzeitig, eindeutig und möglichst ruhig auf die Gefahr hinweisen.
So sind Sie ein guter Beifahrer: Unterstützen Sie die Person am Steuer, statt zusätzlichen Stress zu erzeugen. Ein schwieriges Gespräch kann warten. Eine konkrete Gefahr nicht.
Wer auf dem Beifahrersitz aufmerksam bleibt, kann die fahrende Person im richtigen Moment unterstützen und unnötige Risiken vermeiden. Ob beim Anschnallen, Navigieren oder bei einer Panne: Mitdenken, Rücksicht nehmen und Ablenkungen vermeiden. So wird der Beifahrer zum echten Sicherheitsplus.
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