26.08.2020

Erste Hilfe – Ersthelfer sind wahre Helden

Anhalten, durchatmen und einfach machen. Wer zuerst an einen Unfallort kommt, muss schnell handeln, denn jede Sekunde zählt. Erste Hilfe kann Leben retten – die wichtigsten Handgriffe sollten sitzen.

Eine Landstraße führt aus einem Waldstück heraus. Hinter der nächsten Kurve: ein Auto im Graben, zerborstenes Metall. Eine Hand umklammert fest das Lenkrad. Ein Horrorszenario, das einem kalte Schauer über den Rücken jagt. Aber es bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Jetzt zählt nur eins: Erste Hilfe.

Regelmäßiges Auffrischen der Kenntnisse ist wichtig

„Das läuft für die meisten dann wie im Film ab“, weiß Stefan Hager. Der Chefausbilder für Erste Hilfe bei den baden-württembergischen Johannitern weiß genau, wie Menschen in Extremsituationen funktionieren: „Sie realisieren oft erst hinterher, was passiert ist und dass sie geholfen haben.“ Meistens erinnern sich Ersthelfer auch nicht mehr genau daran, was sie alles getan haben. „Das ist eine Art Schutzmechanismus der eigenen Psyche“, erklärt der Rettungsprofi. Und das ist im Ernstfall auch notwendig. Menschen greifen dann automatisch auf Gelerntes zurück. Doch das liegt oft lange zurück: Erste Hilfe verbinden Verkehrsteilnehmer oft mit einem Präsenzkurs, den sie einst für den Führerscheinerwerb absolvieren mussten. Die lebensrettenden Sofortmaßnahmen sind in diesen Köpfen dann meist schon verblasst – dabei sind sie so essenziell wichtig.

Schritt für Schritt zum Ersthelfer

Lebensrettende Sofortmaßnahmen zu vermitteln, das ist der Job von Sina Schnotz. Sie absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Johannitern in Stuttgart und bereitet Autofahrerinnen, Autofahrer sowie Zweiradfans auf die harte Unfallrealität vor. Dabei geht die Sanitäterin chronologisch vor. Schritt für Schritt. Das prägt sich besser ein: „Vor dem Versorgen eines Unfallopfers den Mund-Nasen-Schutz aufsetzen, Handschuhe anziehen, das Erste-Hilfe-Set und Mobiltelefon nicht vergessen“, rät die Ausbilderin. „Das Unfallopfer zuerst ansprechen, dann den Kopf überstrecken, die Atmung checken.“

Stabile Seitenlage und Herz-Lungen-Wiederbelebung

Ist der Verletzte bewusstlos, atmet aber noch, muss der Ersthelfende ihn in die stabile Seitenlage bringen. „Schwangere möglichst auf die linke Seite drehen, damit die Hohlvene, auf die sonst der Fötus drückt, nicht belastet wird und die Blutzufuhr zum Herzen gefährdet“, rät die Sanitäterin. Ist der Verletzte bewusstlos und atmet nicht mehr, muss der Ersthelfer ihn auf einen festen Untergrund legen. Spätestens jetzt sollte der Helfende den Notruf 112 absetzen. Dann sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Sina Schnotz erklärt: „Die Brust frei machen, bei Frauen gehört der BH weg. Dann eine Hand mit dem Ballen auf die Mitte der Brust legen, die andere drauf. Hände durchstrecken.“ Etwa zwei Mal pro Sekunde, insgesamt 30 Mal drücken, dann zwei kurze Beatmungsstöße in den Mund und alles wieder von vorn – raten die Johanniter.

Herzdruckmassage sichert die Sauerstoffversorgung

Das wird im Wechsel so oft wiederholt, bis die Atmung wieder einsetzt oder der Rettungsdienst eintrifft. Wer Angst vor Infektionen hat, muss die Mund-zu-Mund-Beatmung nicht durchführen. Das Drücken aber schon. Nach einem Herzstillstand ist noch für Minuten Sauerstoff im Blut. Durch die Herzdruckmassage wird der verbleibende Sauerstoff zu den lebenswichtigen Organen transportiert. So kann verhindert werden, dass dauerhafte Schäden – insbesondere am Gehirn – entstehen.

Bei Schock: Beine hochlegen

Bei einem Schock müssen Ersthelfer den Verletzten in die Schocklage bringen, damit das Blut aus den Beinen wieder die Organe versorgen kann. Die Empfehlung der Sanitäterin ist äußerst pragmatisch: „Am besten auf den Rücken legen und die Füße hoch, etwa auf die Knie des Ersthelfers.“

Blutungen stillen mit Druckverband

Um große Blutungen zu stillen, hilft ein Druckverband. Der Verletzte sollte dazu am besten auf dem Rücken liegen oder an einer Wand anlehnen. „Zuerst die Wundauflage, die Kompresse, auf die offene Stelle legen, dann ein ungeöffnetes Verbandspäckchen fest auf die Wunde drücken“, erklärt die Johanniterin und ergänzt: „Es tut aber auch ein anderer Gegenstand, der hilft, die Wunde per Druck zu schließen.“

Einfach für den Verletzten da sein

Sind alle notwendigen Sofortmaßnahmen durchgeführt, ist es ratsam, das Unfallopfer in die Rettungsdecke zu packen, um es warm zu halten. Die goldene Seite nach außen. Dann beim Verletzten bleiben, mit ihm reden, ihn beruhigen. „Einfach als Mensch für ihn da sein“, erklärt Sina Schnotz. Der Ersthelfende sollte so lange für den Verletzten da sein und sich um ihn kümmern, bis der Rettungsdienst übernimmt.

Ersthelfer sind rechtlich auf der sicheren Seite

Die rechtliche Situation für die Erste Hilfe ist eindeutig: Wer an einen Unfallort kommt, ist verpflichtet zu helfen. Wer das ignoriert oder sogar weiterfährt, macht sich strafbar. Ebenso strafbar machen sich Gaffer. Auf der anderen Seite kann den Ersthelfern rechtlich eigentlich nichts passieren, sie sind auf der sicheren Seite. Ein starkes Argument, das vielen Unsicheren die Angst nehmen könnte. Johanniter-Chefausbilder Stefan Hager macht Mut: „Einfach helfen. Meist ist man auch nicht alleine am Unfallort, dann einfach zusammen helfen.“

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