Vergleichstest:

Audi A3 Sportback und BMW 116i

01.02.2017

Der Einstieg in die Premium-Liga der Kompaktklasse kostet: Für die kleinste Motorisierung verlangen Audi oder BMW mindestens 24 000 Euro. Die Frage ist: Wie viel Premium steckt wirklich drin?

Kompakte Fünftürer gibt es viele – vom Brot-und-Butter-Auto bis zum Edel-Renner. Ganz oben auf der Liste der begehrenswerten Autos dieser Kategorie stehen der Audi A3 und der Einser von BMW. Beide gibt es schon in mehreren Generationen, beide wurden mit umfangreichen Modellpflegemaßnahmen ständig weiterentwickelt und der Zeit angepasst.


So finden sich unter den Hauben der Einstiegsmodelle heute – statt der früher üblichen Zweiliter-Vierzylinder – auch die modernen Downsizing-Motorenkonzepte.


Was nichts anderes bedeutet als: Möglichst wenig Hubraum und nur drei Zylinder, um die innere Reibung und somit den Verbrauch zu minimieren. Ein Turbolader sorgt je nach Wunsch und Geldbeutel für etwas mehr, oder eben auch nur für so eben ausreichende Leistung.

Deftige Preise und viele Extras

 

BMW setzt im 116i einen 1,5 Liter kleinen Dreizylinder ein, der in der kleinsten Ausbaustufe 109 PS leistet. Als Dreitürer ist der Einser damit ab 23 550 Euro zu haben, der optisch eigenständige Fünftürer kostet ab 24 300 Euro. Der quasi identische Motor kann im 118i auch 136 PS leisten, was 1100 Euro Aufpreis kostet. Erstaunlich: Bis zu 340 PS packt BMW in den Einser, was für die gute technische Basis spricht. Als einziger Hersteller setzen die Münchner in diesem Segment noch auf Heckantrieb. Bei der Ablösung im Jahr 2019 wird dieser eiserne Grundsatz jedoch gekippt und die bewährte Basis zugunsten einer Gleichteilestrategie mit dem Mini aufgegeben.


Bei Audi bedient man sich schon längst aus einem Baukasten-Regal. Der Dreizylinder mit lediglich 999 Kubikzentimetern ist natürlich auch in verschiedenen VW-, Seat- und Škoda-Modellen zu finden. Er leistet hier 116 PS und ist im Gegensatz zum BMW auch mit Siebengang-Automatikgetriebe lieferbar. Das kostet allerdings saftige 2000 Euro Aufpreis. Der einfachste A3 mit drei Türen ist für 23 300 Euro zu haben, der Fünftürer mit dem Zusatznamen Sportback verlangt nach einer Überweisung von mindestens 24 200 Euro. Die praktischen extra Zustiege im Fond müssen dem künftigen Besitzer somit 900 Euro wert sein. Damit ist bei Audi natürlich auch noch längst nicht Schluss: Ganz oben auf dem Treppchen stehen die Topathleten S3 und S3 Sportback mit 310 PS ab 41 000 Euro.


Der Glanz der Topmodelle färbt natürlich ab, zumal der optische Unterschied nicht so groß ist. Ein paar schmucke Räder und die Ausstattungslinie Sport und schon sehen auch die Kleinen fast aus wie die Großen.


Aber wie lebt es sich nun mit den Basismotorisierungen? Die Antwort ist nicht ganz eindeutig. Der BMW-Antrieb hat etwas Mühe, dem selbst definierten Anspruch der Marke „Freude am Fahren“ gerecht zu werden. Was dem Motor selbst nur bedingt angelastet werden kann. Die Laufkultur ist für einen konstruktionsbedingt eher ruppigen Dreizylinder sehr ansprechend, das Temperament wird allerdings durch die sehr lange Übersetzung des Sechsgang-Getriebes etwas ausgebremst. Auch das hohe Leergewicht von knapp 1,4 Tonnen wirkt lähmend und zeigt, dass das Grundkonzept des Einsers etwas in die Jahre gekommen ist. Obwohl die Motorelektronik sowohl beim Hoch- als auch beim Runterschalten die Drehzahl der Gangstufe anpasst, sind auch die Gangwechsel kein besonderer Quell der Freude. Dafür kann die äußerst sensible, von allen Antriebseinflüssen befreite Lenkung überzeugen. Durchdrehende Antriebsräder sind dank ausgewogener Gewichtsverteilung zumindest beim 116i kein Thema.

Fahrkomfort oder Sportlichkeit

 

Der A3 scharrt beim Anfahren schon wesentlich öfter ungeduldig mit den Hufen. Das liegt zum einen am Frontantrieb, zum anderen am spürbar temperamentvolleren Motor. Mit seinen Teil trägt dazu das blitzschnell agierende Siebengang-DSG-Getriebe im Testwagen bei, das zu jeder Geschwindigkeit die passende Gangstufe vorhält, zuweilen aber etwas übermotiviert wirkt.


Während im BMW mit seinem ellenlangen sechsten Gang häufig schon bei leichten Autobahnsteigungen ein oder zwei Gänge zurückgeschaltet werden muss, reicht beim Audi einfaches Gasgeben aus. Gäbe es den BMW auch mit Automatik, würde der subjektive Eindruck sicher etwas lebendiger ausfallen.
Weil die kleinen Motoren relativ stark gefordert sind, fällt auch der Verbrauch nicht so gering aus wie erhofft. Es ist zwar möglich, unter sieben Liter zu bleiben, doch dazu muss die Fahrt schon sehr ruhig und ohne große Beschleunigungsvorgänge verlaufen.


Die Fahrwerke sind den Motoren dabei stets voraus. Der A3 steht mit seiner aufwendigen Achskonstruktion dem BMW in Sachen Lenkpräzision und Kurvenverhalten in nichts nach. Auch er liegt satt und sicher auf der Straße, nur beim Federn macht sich eine leichte Kopflastigkeit bemerkbar. Der ausgewogene Einser schluckt Unebenheiten harmonischer weg als der Sportback und federt vorne und hinten gleichmäßiger.


Insgesamt zeigen aber sowohl das Fahrverhalten als auch das fast vollständige Fehlen von Poltern oder sonstigen störenden Nebengeräuschen den großen Erfahrungsschatz dieser beiden Firmen gerade im Premium-Bereich.

Innenraum mit sauberer Verarbeitung


Dieser Eindruck setzt sich auch im Innenraum fort. Während beim Einser im Laufe der Jahre mehr am äußeren Erscheinungsbild und an der Technik als an der Innenraumgestaltung gearbeitet wurde, zeigt sich der A3 seit dem letzen Facelift deutlich modernisiert. Die Regler der optionalen Klimaautomatik sitzen nun etwas höher , das ebenfalls gegen Aufpreis erhältliche Display des MMI-Navigations-Systems fährt an genau der richtigen Stelle elektrisch aus dem Armaturenträger. Ob Lüftungsdüsen oder Drehregler – alles lässt sich leicht und präzise justieren. Einzig eine eindeutige Kontrollleuchte für das angeschaltete Licht und etwas kratzfestere Kunststoffe an den Türen stehen hier noch auf der Wunschliste.


Das gilt auch für den BMW, bei dem außerhalb des direkten Blickwinkels ebenfalls ein etwas günstigerer Kunststoff verbaut wird. Die Anzeige im großen Display lässt sich in zwei Bereiche teilen, zum Beispiel links die Navigationskarte und rechts die abgespielten Musiktitel. Diese können per Zusatz-Abo auch direkt online bezogen werden. Ohnehin ist BMW, was die Online-Verbindung angeht, ganz weit vorne dabei. Connected Drive Services nennt sich das Angebot, das aus verschiedenen Bestandteilen wie Echtzeit-Informationen über den Verkehrsfluss, Informationen zur Route oder auch dem persönlichen Berater auf Knopfdruck besteht. Selbst ein Blick in das Zuhause ist mit der Smart Home App der Telekom möglich. Schön, dass BMW diese Möglichkeiten nicht nur auf die großen Fahrzeuge beschränkt.

Bedienung mit Oberklasse-Anspruch

 

Die Navigation in den Menüs gelingt mit etwas Übung relativ leicht, sowohl Audi als auch BMW setzen auf einen Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole, wie er noch vor wenigen Jahren nur in Luxusautos zu finden war. Serienmäßig ist das in den Grundmodellen natürlich nicht, die Aufpreislisten sind bei beiden Herstellern ellenlang und verführerisch. Am meisten Sinn machen natürlich die auf hohem Niveau agierenden Assistenzsysteme. Ein Highlight im Wortsinne sind beim Audi die LED-Scheinwerfer samt dynamischen Blinkleuchten am Heck. Das Blinksignal läuft hier von innen nach außen durch. Mit vielen begehrenswerten Extras beladen, landen die sparsam motorisierten Einstiegsmodelle unter dem Strich bei rund 40 000 Euro, also dort, wo auch die stark motorisierten Topmodelle zu haben sind.

Fazit

Im Grunde reicht die Basismotorisierung aus, wobei der Dreizylinder im Audi wesentlich lebendiger ist als das hubraumstärkere Pendant im BMW. Der eigentlich sportlich positionierte Einser wirkt damit doch etwas untermotorisiert. Wie Premium sich die beiden tatsächlich anfühlen, entscheidet sich nicht zuletzt durch die Anzahl der Häkchen bei den Sonderausstattungen.