Fahrbericht:

BMW 218d Gran Tourer – Der Nachzügler

01.10.2016

Lange zögerte BMW damit, einen Van auf den Markt zu bringen. Warum eigentlich? Der BMW 218d Gran Tourer überzeugt mit agilem Fahrverhalten und seinem variablen Raumkonzept.

Die Münchner haben ihre Lektion gelernt. Bislang mied BMW die Gattung der Großraumlimousinen wie ein Veganer die Fleischwurst. Aber: Wer konkurrenzfähig bleiben will, muss in allen Segmenten Präsenz zeigen. Und Tabus brechen: Der 218 Gran Tourer (und sein kleiner Bruder Activ Tourer) sind nicht nur die ersten Vans von BMW, es sind darüber hinaus die ersten Modelle des Herstellers mit Frontantrieb. Ein Sakrileg, das BMW-Puristen bis ins Mark erschütterte. Aber wenigstens die Niere am Kühlergrill ist geblieben …


Und so tummelt sich der Van, der in Regensburg gebaut wird, mit bislang ungewohnten Wettbewerbern wie Ford Grand C-Max, Opel Zafira Tourer oder Renault Grand Scénic. Einen Schönheitspreis gewinnt auch das Blechkostüm made in Bavaria nicht. Recht unspektakulär rollt der Gran Tourer daher und reiht sich unauffällig in die Vans der Kompaktklasse ein.

Großzügiger Serienumfang

 

Entscheidend bei Familienkarossen sind ohnehin die inneren Werte. Hier setzt der Premiumhersteller die Messlatte hoch. So ist der Münchner mit einer Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen zu bestücken. Im Serienumfang enthalten sind eine dynamische Stabilitäts- und Traktionskontrolle (DSC), die Kurvenbremshilfe (CBC), ein Bremsassistent (DBC) und ein Anfahrassistent. Darüber hinaus verfügt jeder Gran Tourer ohne Aufpreis über einen Regensensor mit automatischer Fahrlichtsteuerung sowie die Auffahrwarnung mit City-Anbremsfunktion. Damit schiebt sich der Bajuware in Sachen Sicherheit weit nach vorne im Feld der Wettbewerber.

Genug Platz für alle Insassen

 

Doch worauf kommt es bei einem Van eigentlich an? Er soll viel Platz unterm Dachhimmel für Mensch und Gepäck bieten und das möglichst variabel. Auch diese Vorgaben erfüllt der Gran Tourer lässig. Zwar ist der schönste Platz in einem BMW immer vorne links, aber auch Beifahrer und Fondpassagiere sitzen exzellent. Hinterbänkler in der zweiten Reihe genießen aus leicht erhöhter Position eine tolle Aussicht – dank großer Seitenfenster. Sie können ihre Rückenlehne in vier Stufen arretieren und zudem den Sitz um bis zu dreizehn Zentimeter verschieben. Selbst für groß Gewachsene sind die Raumverhältnisse üppig, es gibt reichlich Platz für Kopf und Knie.

Gute Ablagemöglichkeiten und zwei zusätzliche Sitze

 

Ablagen und Staufächer sind ausreichend vorhanden, in der Mittelkonsole, im Fond und im Kofferraum sind 12-Volt-Steckdosen nützliche Accessoires. Kindersitze lassen sich an allen Polstern mit dem Isofix-System verankern. Und wem größerer Kindersegen beschert worden ist, oder wer auch Oma und Opa mit auf die Reise nehmen will, kann gegen Aufpreis (790 Euro) zwei weitere Sitze ordern.


Die schlummern, wenn sie nicht gefragt sind, im Kofferraumboden und sind kinderleicht hochzuklappen. Der Zugang über die nach vorne verschiebbaren Rücksitze ist für Erwachsene etwas mühsam, doch in den allermeisten Fällen sind es ohnehin Kinder, die diese Engstelle mit leichter Drehung locker bewältigen. Die zwei zusätzlichen Sitze verringern das Volumen im Gepäckabteil. Selbst wenn sie versenkt sind, fehlen 80 Liter im Vergleich zum serienmäßigen Fünfsitzer (645 Liter). Mancher Kombi bietet mehr Stauraum.

Ladevolumen

 

Erst bei umgeklappter Rückbank schlucken die dann entstandenen 1820 Liter alles, was eine Familie so mit sich führt – vom sperrigen Kinderwagen bis zum Fahrrad. Es entsteht ein knapp 1,80 Meter großer Ladeboden, der nicht ganz eben verläuft. Dann fehlt jedoch der Platz für Mitfahrer. Ein weiteres Manko zeigt sich beim Beladen: Die Heckklappe schwingt nicht weit genug auf, Passagiere mit Gardemaß könnten dies schmerzhaft zu spüren bekommen.


Obwohl das Raumkonzept im Vordergrund steht, bleibt beim 218d der Fahrspaß nicht auf der Strecke. Unser Testwagen ist mit dem Zweiliter-Dieselmotor bestückt, der mit einem satten Drehmoment von 330 Nm und 150 PS keine Schwächen offenbart. Bis auf das gelegentliche und BMW-untypische Durchdrehen der Vorderreifen – aber das Thema hatten wir schon...

Fahrverhalten

 

Die Lenkung ist direkt und präzise, die Achtgang-Automatik (Aufpreis: 2100 Euro) ist vom Feinsten; sanft und ohne zu verzögern wechseln die Gänge. Das Getriebe harmoniert im Sport-Fahrmodus gut mit der Start-Stopp-Funktion. Im Sprit sparenden Eco-Modus allerdings wirkt das Zusammenspiel träge. Das Fahrwerk erfreut vor allem dynamische Fahrer, schon in der Komforteinstellung ist es straff, allerdings bekommen Insassen Bodenwellen gut zu spüren.

Preise und Ausstattung

 

Premium-Klasse spiegelt sich auch in der Preisliste. Wobei das Basismodell passabel ausgestattet ist – Leichtmetallräder, Lederlenkrad, Klimaanlage, Freisprecheinrichtung, USB-Anschluss, Notrufservice, Auffahrwarner, Farbbildschirm und einiges mehr sind bereits Serie. Unser Modell Advantage (ab 33.900 Euro) bietet darüber hinaus zusätzlich Klimaautomatik, Tempomat, Parkpiepser und Multifunktionslenkrad.


Wer sich für 2490 Euro Aufpreis die Navigation Plus leistet, erhält als Zugabe ein Head-up-Display, das nach dem Start des Motors elektrisch aus dem Armaturenbereich hochfährt. Bei der langen Liste mit Extras muss sich der Käufer einbremsen, um keine böse Überraschung nach der Addition zu erleben.