Fahrbericht:

BMW i3 – Die Fahrmaschine

25.04.2017

Echt radikal, was BMW da auf die extra schmalen, aber im Durchmesser großen Räder gestellt hat: Heckantrieb, geringes Gewicht um die 1,3 Tonnen, umgerechnet bis zu 170 PS Leistung und eine Beschleunigung, die nichts ahnende Mitfahrer zu überraschten Lauten veranlasst. Und jetzt endlich auch mit mehr Reichweite.

In rund sieben Sekunden geht es auf Tempo 100, da muss sich so mancher Sportwagen kräftig anstrengen. Das liegt nicht nur am satten Antritt des E-Motors, sondern auch am vergleichsweise sehr geringen Gewicht von unter 1,3 Tonnen. Die Karosseriestruktur ist zu weiten Teilen aus dem sehr leichten und ultrastabilen kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Das ist nicht billig und leider auch nicht leicht zu reparieren. 95 Prozent aller Schäden sollen allerdings mit bekannten Technologien instandzusetzen sein. Jedoch nicht in jedem Betrieb um die Ecke.

Fahrspaß mit Grenzen

Die Höchstgeschwindigkeit ist vernünftigerweise auf 150 km/h begrenzt. Vor allem um die Batterie vor schädlicher Dauer-Hochlast zu schützen. Der Geradeauslauf auf der Autobahn ist nicht optimal. Obwohl der Akku im Boden sitzt und damit für einen tiefen Schwerpunkt sorgt, teilt der BMW i3 das Schicksal vieler Heckmotor-Autos: Böiger Seitenwind drückt die Frontpartie gerne etwas zur Seite, der recht hohe Aufbau und die schmalen Reifen tun ihr übriges dazu. Den i3 an windigen Tagen mit der nervösen Lenkung auf Kurs zu halten, erfordert doch einige Konzentration.

Mittel gegen die Reichweitenangst

Das Hauptmanko des gerade einmal vier Meter langen BMW war bisher seine bescheidene Real-Reichweite von nur wenig mehr als 100 Kilometern im Winter. Im Sommer waren bisher gut und gerne 150 Kilometer drin - bevor die Reichweitenangst einsetzt und die Suche nach der rettenden Steckdose beginnt. Dabei ist das große Navi eine gute Hilfe. In Form einer Wolke werden die noch erreichbaren Ziele auf der Landkarte dargestellt. Inklusive der etwas weiteren Reichweite im Eco pro Modus. Dabei wird die Klimatisierung minimiert und auch die Höchstgeschwindigkeit und das Beschleunigungsvermögen stark eingeschränkt.

Bis zu 200 Kilometer Reichweite sind drin

Die größere Batterie, die seit Ende 2016 gegen 1200 Euro Aufpreis erhältlich ist, entspannt die Situation deutlich. Faktisch verlängert sich die Reichweite um bis zu 100 Prozent, sofern man die Autobahn meidet oder sich dort entsprechend zusammenreißt und vielleicht auch mal hinter einem LkW einreiht. Zudem lässt sich der I3 nun wesentlich schneller laden. Im Schnelllademodus können pro 24 Minuten rund 100 Kilometer nachgeladen werden. Nicht rekordverdächtig, aber für den üblichen Alltag völlig in Ordnung. Ein Langstreckenauto will und kann der kompakte i3 auch gar nicht sein.

Ein Elektroauto muss nicht immer nur vernünftig sein

Viel mehr Spaß macht allerdings der direkte und vielleicht auch kürzere Weg über die Landstraße. Die sehr direkte, Go-Kart-ähnliche Lenkung und die stramme Federung sorgen hier für Fahrspaß. Denn wer sagt eigentlich, dass Elektromobilität immer nur vernünftig sein muss? Auch die Geschichte mit den Schmetterlingstüren (die hinteren, halben Türen sind hinten angeschlagen) kann man als unpraktisch kritisieren. Oder aber froh sein, dass BMW den i3 nicht einfach nur als Zweitürer gebaut hat. Die Kinder haben jedenfalls kein Problem mit dieser originellen Lösung sondern freuen sich über den bequemen Durchgang zu den Kindersitzen, Erwachsene fühlen sich im Fond weniger wohl, fahren in dem Viersitzer hinten aber ohnehin nur ganz selten mit.

Besitzer der ersten i3 dürften jetzt traurig sein

Sehr gut ist auch, dass der 94 AH I3 an der Wallbox dank neuem Lader nun endlich spürbar schneller lädt als an der Haushaltssteckdose. Unfair dagegen: Das weiterhin erhältliche kleine Modell lässt sich zwar nicht mit dem Lader, aber dem großen Akku nachrüsten, das soll allerdings um die 8000 Euro kosten. Da der Aufpreis der größeren Batterie ab Werk mit 1200 Euro so gering ist, dürfte der Wertverlust der ersten Serie mit dem kleinen Akku drastisch ansteigen. Die frühen BMW i-Kunden, die viel Erfahrungswerte beigetragen haben, dürften darüber nicht sehr glücklich sein.

Technische Daten

BMW i3 (94 Ah) Kompaktwagen fünftürig, vier Sitzplätze; Karosserie: Länge/Breite/Höhe 3999/1775/1578, Leergewicht 1270 kg; Kofferraum: 260 bis 1100 Liter (VDA)

Antrieb: Leistung: 125 kW(170 PS); Drehmoment 250 Nm; Fahrleistungen: Beschleunigung: 7,2 s, Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h Reichweite (ECE): 300 km, Batteriekapazität 27,2 kWh, Preis: ab 36.150 Euro