Vergleichstest:

BMW i3 oder Mercedes B 250 e

01.06.2016

Der BMW i3 und der Mercedes B 250 e sind reine Elektroautos – jedoch von unterschiedlicher Machart. Was die beiden Stromer so alles können, klärt ein direkter Vergleich. Also Stecker raus und Leinen los.

Jetzt ist es amtlich: Die Bundesregierung bezuschusst den Kauf von Elektroautos mit 4000 Euro pro Fahrzeug. Kommt damit die Elektromobilität in Fahrt? Wir haben die Elektroflitzer BMW i3 und Mercedes B 250 e zum Stelldichein gebeten. Wo ihre Stärken und Schwächen liegen, müssen sie im direkten Vergleich unter Beweis stellen.

Einstiegspreise

 

Elektroautos fahren lokal emissionsfrei und sind – sofern sie mit Öko-Strom betankt werden – daher relativ sauber. Wäre da nicht der hohe Anschaffungspreis und die geringe Reichweite. Im Falle des BMW i3 gehen mindestens 34.950 Euro über den Ladentisch. Für die rein elektrische Mercedes B-Klasse verlangen die Schwaben sogar satte 39.151 Euro. Das sind 4200 Euro mehr. Zumindest sind sich beide Stromer in einem Punkt einig. Mit ihren Lithium-Ionen-Akkus sollen die beiden Kompaktvans jeweils bis zu 200 Kilometer weit kommen. Das reicht im Normalfall vollkommen aus für den täglichen Weg zur Arbeit oder den wöchentlichen Einkauf im Supermarkt. So weit die Theorie.

Karosserie

 

Fangen wir mit dem i3 an. Das erste rein elektrisch angetriebene Modell von BMW bekundet bereits von außen, ein ganz besonderes Fahrzeug zu sein. So zieren den Elektro-Bayern neben einer futuristischen Formensprache auch gegenläufig angeschlagene Türen. Aber nicht nur optisch wirkt der i3 im Vergleich zum B 250 e wie von einem anderen Stern. Der i3 steht auf einer eigens konstruierten Plattform und wiegt 1270 Kilogramm. Das ist erfreulich wenig für ein Elektrofahrzeug.


Der B 250 e ist mit gut 1,7 Tonnen um stolze 455 Kilo schwerer. Der Grund: Das Elektromodell basiert, genauso wie die reguläre B-Klasse mit konventionellem Verbrennungsmotor, auf einer herkömmlichen Stahlkarosserie. BMW setzt dagegen auf eine besonders leichte Außenhaut aus Kohlefaser sowie ein Chassis aus Aluminium. Dazwischen und weit unten im Wagenboden sitzt das Batterie-Speicherdepot des i3 mit einer Kapazität von 22 Kilowattstunden.

Motorisierung

 

Das Batterie-Pack beim Mercedes (unter der Rückbank) verfügt dagegen mit 28 kWh über einen höheren Energiegehalt. Und während bei BMW die Entwicklung des i3 im eigenen Hause stattfand, hat sich Mercedes bei der alternativen B-Klasse prominente Schützenhilfe mit ins Boot geholt: Der komplette Antriebsstrang beim B 250 e stammt aus der Kooperation mit dem US-Elektropionier Tesla. Bei der Leistung der Elektromotoren sind sich BMW und Mercedes nahezu einig. Der B250 e bringt es auf 132 kW/180 PS, der BMW wirft mit 125 kW/170 PS nur unwesentlich weniger in die Waagschale. Während jedoch der E-Motor bei der B-Klasse seine Kraft an die Vorderräder abgibt, sitzt die E-Maschine im i3 auf der Hinterachse und treibt diese auch an.


Da Elektromotoren im Vergleich zu Benzinern oder Dieseln schon ab den ersten Umdrehungen ihr maximales Drehmoment entfalten, geht es mit beiden Stromern flott voran. Wenn es sein muss, sogar so stürmisch, dass BMW und Mercedes bei einem Sprint den meisten konventionellen Fahrzeugen keck ihre LED-Rücklichter zeigen. Bei 150 km/h (BMW) und 160 km/h (Mercedes) ist hingegen Schluss. Dann schiebt die Elektronik zugunsten der Reichweite einen Riegel vor.

Fahrverhalten

 

Überraschend: Der Öko-BMW fährt sich trotz seiner schmalen Leichtlaufreifen (155/70 R19) sehr handlich und agil. Auf einem ähnlich guten Niveau liegt ebenso der Mercedes. Zwar spricht die BMW-Lenkung etwas direkter an, dafür erfordert die windempfindlichere i3-Karosserie auf der Autobahn mehr Lenkkorrekturen. Wer es allerdings zu oft und zu zügig angeht, reduziert gewaltig den Aktionsradius. Dann kann man der Akku-Füllstandanzeige zusehen, wie sie fortdauernd schwindet.


Mit Autobahntempo 130 km/h sind Reichweiten von bestenfalls 100 Kilometern drin. Wen wundert’s, schließlich sind beide eher für Pendler und zum Cruisen in den Großstadtmetropolen gedacht. Da funktioniert das auch mit der Lade-Infrastruktur am besten. Außerhalb von Ballungsgebieten wird es schwieriger, es sei denn, man benutzt eine herkömmliche 230-Volt-Steckdose. Aber an ihr dauert so ein Ladevorgang gut acht Stunden. Und so viel Zeit nimmt sich wohl kaum jemand auf seiner Reise.

Wählbarer Fahrmodus

 

Also ziehen wir die geruhsame Gangart vor. Sowohl im Mercedes als auch im BMW kann der Fahrer unter drei Fahrmodi wählen. Im besonders effizienten ECO PRO +-Programm kommt der i3 200 Kilometer weit. Allerdings ist dann die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 90 gedrosselt und viele elektrische Verbraucher wie die Klimaanlage sind abgeschaltet. So ist dieser Fahrmodus also eher eine Notlösung, um die nächste Stromquelle oder das anvisierte Ziel noch zu erreichen.


Im Eco-Pro-Modus knausert der i3 ebenso, nur weniger energisch. Deshalb ist das Komfortprogramm in den meisten Fällen die tauglichere Lösung. Es arbeitet ohne Einschränkungen, mit ihm schafft der BMW immerhin noch 160 Kilometer. Ein ähnliches Bild liefert der Mercedes ab, der seine 200 km Maximaldistanz nur mit optionalem Range-Plus-Paket für 893 Euro meistert. Wird die Range-Plus-Taste für eine Verlängerung der Reichweite gedrückt, erweitert sich beim nächsten Ladevorgang das Betriebsfenster der Batterie von theoretischen 170 auf 200 km. Wer allerdings die Range-Plus-Taste allzu oft aktiviert, verkürzt damit auf Dauer die Lebenszeit der Batterien.

Reichweite und Verbrauch

 

So ergeben sich im Praxistest ganz andere Reichweiten. Denn trotz vollgeladener Akkus absolvieren beide im Regelfall Strecken von rund 120 Kilometern. Anschließend müssen der BMW und der schwerere Mercedes zum Nachtanken wieder an den Stecker. Wohlgemerkt, bei normaler Fahrt und bei wohlig-warmen Außentemperaturen. Unter winterlichen Bedingungen sinkt die erzielbare Reichweite sogar noch weiter nach unten. Denn Akkus mögen generell keine Kälte und eingeschaltete Verbraucher wie Klimaanlage, Heizung oder Licht zehren dann zudem am Energiegehalt der Speicherdepots.


Die B-Klasse konsumiert im Schnitt mit 16,6kWh auf 100 Kilometern mehr Strom im Vergleich zum BMW, der 12,9 kWh verbraucht. Als Gegenleistung ist dafür der B 250 e an einer Wallbox in 2,4 Stunden wieder aufgeladen. Der i3 benötigt hierfür die doppelte Zeit. An einer herkömmlichen Haushaltssteckdose ändern sich hingegen die Vorzeichen. Dann ist der BMW nach acht Stunden wieder voll und damit um 60 Minuten flotter wieder aufgeladen. Zugegeben, an einem 230-Volt-Anschluss dauert das Aufladen bei beiden schon extrem lange.

BMW i3 mit Reichweiten-Verlängerer

 

Doch hält der Bayer noch ein paar Trümpfe in der Hinterhand: So lässt sich der i3 mit einem Range Extender (Reichweiten-Verlängerer) ordern. Dieser besteht aus einem Zweizylinder-Benziner, der den BMW-Fahrer unabhängiger von den Ladestationen macht und die Reichweite auf insgesamt 300 bis 340 Kilometer hochschraubt.Als eine weitere Alternative, die einem die Reichweitenangst nehmen soll, sind neuerdings kräftigere Akkus im Angebot. Mit den stärkeren Batteriezellen wächst der Energiegehalt des Speicherdepots um rund ein Drittel von 60 (22 kWh) auf 94 Amperestunden (33 kWh). Damit soll der i3 nun bis zu 300 Kilometer weit kommen und der Aufpreis fällt mit 1200 Euro recht moderat aus. Bereits bestehende i3-Fahrer können ebenfalls das kräftigere Akkupack nachrüsten lassen. Allerdings fällt der Austausch hier mit prognostizierten Kosten von 7000 Euro sehr teuer aus und man darf sich fragen, welcher frühe i3-Kunde dieses Angebot zur Nachrüstung letztendlich nutzen wird. Dagegen ist der Mehrpreis von 4500 Euro für den Range Extender inklusive eines neun Liter fassenden Benzintanks geradezu günstig. Positiv dagegen: Immerhin bietet BMW mit seinen Optionen mehrere Möglichkeiten, um bei zugeparkten oder besetzten Stromtankstellen oder mit leer gesaugten Akkus über den Range Extender einfach weiterfahren zu können Innen ist der BMW anders und genauso futuristisch wie von außen.

Innenausstattung und Kofferraum

 

So kommen an der Armaturentafel und den Türverkleidungen Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen zum Einsatz. Die Applikationen aus Pflanzenfasern wirken recht einfach und treffen nicht jeden Geschmack. Anstelle von klassischen Rundinstrumenten thronen vor dem Fahrer im i3 zwei große Digitalmonitore für Geschwindigkeit oder etwa die Navigation. Letztere listet auch die nächstgelegenen Stromtankstellen auf. Und der Bordcomputer informiert nicht nur über den Ladezustand der Batterien, sondern berechnet verlässlich die verbleibende Restreichweite. Sollte diese nicht mehr bis zum Ziel reichen, erhält der Fahrer auf dem Display nützliche Tipps zum Energieeinsparen. All diese Funktionen bietet Mercedes ebenfalls an, doch trägt der B 250 e analoge Rundinstrumente in seinem Cockpit. Auch die vielen aufgeschäumten Kunststoffe hinterlassen einen höherwertigen Qualitätseindruck beim Schwaben.


Dass der optisch extrovertierte BMW andersartig ist, wird ihm an anderer Stelle jedoch zum Nachteil. So lassen sich die gegenläufig angeschlagenen hinteren Türen in engen Parkbuchten nicht vollständig öffnen und der Zustieg in die enger geschnittene zweite Reihe erfordert Gelenkigkeit. Befinden sich zudem der Fahrer oder Beifahrer schon im Auto, müssen sie aussteigen, um überhaupt Gäste in den Fond aufnehmen zu können – vorher gehen die hinteren Pforten nicht auf. Auch der Kofferraum fällt mit 260 bis 1100 Litern klein aus (Mercedes: 501–1456 Liter) und die Zuladung ist mit 350 Kilogramm gering. Der B 250 e nimmt 445 Kilo mit und kann dank umlegbarer Beifahrerlehne selbst sperriges Ladegut mitnehmen.

Fazit

Die Elektrotechnik funktioniert sowohl bei BMW und Mercedes zuverlässig und reibungslos. Die unter realen Bedingungen erzielbaren Reichweiten sind dagegen bei beiden Kompaktvans deutlich zu gering. Größere Strecken müssen daher genauestens geplant werden und das Stromzapfen kostet wesentlich mehr Zeit als das Auftanken bei einem herkömmlichen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.


Weiterführende Informationen

Die technischen Daten der beiden Stromer auf einen Blick (PDF)

Alles Wissenswerte rund um die Elektromobilität