Fahrbericht:

Fiat 124 Spider – Lust und Leidenschaft

26.07.2018

Fiat belebt das Dolce-Vita-Gefühl. Der kleine Roadster ist zwar kein richtiger Italiener – aber er sorgt für Fahrspaß und zeigt, dass Fiat noch immer Emotionen wecken kann.

Fiat hat wieder einen Roadster im Programm: Fast genau 50 Jahre nach der Weltpremiere des 124 Spider erweckt die Neuauflage die Legende wieder zum Leben. Der Zweisitzer nutzt zwar den Mazda MX-5 als Plattform, bringt aber genügend italienische Momente für die optische und technische Individualisierung ein.

Die Legende lebt

Der Roadster gefällt auf den ersten Blick. Sein wohlgeformtes und muskulös gezeichnetes Blechkleid entspricht den klassischen Normen eines offenen Zweisitzers. Statt japanischem Look gibt es Reminiszenzen an den erfolgreichen Fiat 124 Sport Spider aus dem Jahr 1966. So erinnern der sechseckige Kühlergrill mit Wabenstruktur, die beiden Auswölbungen auf der Motorhaube und die Rückleuchten ans historische Vorbild. Dank dieser gezielten Änderungen streckt sich der Fiat auf 4,06 Meter und übertrifft somit das japanische Original um 13 Zentimeter. Und es ist den italienischen Designern trefflich gelungen, optisch vom Technik-Genspender MX-5 – beide Modelle laufen gemeinsam in Hiroshima von Band – abzulenken.

Italienische Akzente außen und innen

Doch nicht nur beim Blech setzen die Italiener eigene Akzente. Zwar ist die Ähnlichkeit beim Interieur recht hoch, allerdings gibt es beim Spider mehr Lederbesatz am Armaturenbrett, ein wenig mehr Klavierlack statt einfachem Kunststoff, dickere Seitenscheiben sowie ein besser gedämmtes Stoffverdeck.

Mit offenem Verdeck müssen auch lange Menschen sich keine Gedanken über Kopffreiheit machen, ist die Stoffmütze jedoch geschlossen, sollten Fahrer über 1,85 Meter schon ganz schon tief in den Sitz rutschen, um Kontakt zwischen Scheitel und Dachhimmel zu vermeiden. Öffnen und Schließen erfolgt ganz traditionell per Hand. Und so schnell, dass kein elektrischer Antrieb es schneller machen könnte. Einfach Entriegeln, Stoffmütze nach hinten werfen und dann ein kurzer Druck, um sie in ihrer Vertiefung zu fixieren. Das Schließen des Verdecks geschieht fast genauso schnell. So lassen sich auch Sonnenscheinminuten effektiv nutzen.

Alles passt – wie angegossen

Viel Platz im Innenraum gibt es nicht – weder für Insassen noch für sonstige Utensilien. Die Sitze schmiegen sich eng an alle Konfektionsträger jenseits von Size Zero an, Spider-Insassen sollten also nicht zu umfangreich um die Hüfte sein. Auch helfen geschmeidige Gelenke und am besten noch ein Pilates-Kurs, um nicht auf die Sitze zu plumpsen. Auch der Platz für Ablagen ist rar – nach Staufächern in den Türen oder einem Handschuhfach sucht man vergeblich. Eine größere Handtasche muss bei Zweiernutzung ins Gepäckteil. Das fasst immerhin 140 Liter. Einkäufe aus dem Supermarkt verstaut man aber am besten lose darin, um sie erst zuhause in eine Transportbox umzuladen.

Der Motor hält, was er akustisch verspricht

Unter der langen Motorhaube kommt ein 1,4-Liter-Benziner mit 103 kW/140 PS zum Einsatz. Anders als die japanischen Kollegen setzen die Fiat-Ingenieure nicht auf Saugmotoren, sondern auf Turbounterstützung. Und der kleine Turbo stellt schon bei zartem Gaspedaldruck sein Temperament unter Beweis. Flankiert wird seine Lebhaftigkeit durch einen sonoren Sound, der bei der Lusso-Version einer serienmäßigen Doppel-Auspuffanlage entweicht. Dabei macht der Spider nicht auf dicke Hose, verspricht also akustisch nicht, was er motorisch nicht halten kann. Im Gegenteil: Der Turbo hat leichtes Spiel – buchstäblich, es müssen ja auch nur 1125 Kilogramm Leergewicht in Bewegung gebracht werden. Auch der Blick auf die Tanknadel treibt den Puls nicht in die Höhe. Den Normwert von 6,4 Litern Super pro 100 Kilometer überboten wir zwar, aber 7,5 Liter im Testschnitt gehen für ein solches Spaßmobil durchaus in Ordnung.

Durch Extras lässt sich der Spider individualisieren

Mindestens 24.990 Euro werden für den Fiat 124 Spider mit 103 kW/140 PS fällig. Im Preis enthalten sind unter anderem Klimaanlage, 16-Zoll-Felgen und Lederlenkrad. In der „Lusso“-Ausstattung (ab 26.990 Euro) gehören Ledersitze, Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer und 17-Zöller ab Werk dazu. Natürlich gibt es weitere Individualisierungsmöglichkeiten. Schick sieht der Spider zum Beispiel mit LED-Scheinwerfern aus (im Paket mit Kurvenlicht: 1500 Euro). Navigationssystem mit Rückfahrkamera (1000 Euro) oder ein Bose-Soundsystem (700 Euro) stehen ebenfalls zur Wahl. Und wer den rassigen Italiener in einem schicken Metallic-Farbton sein Eigen nennen will, muss 520 Euro investieren. Aber gutes Aussehen gehört beim Spider ja schließlich unbedingt dazu.

Fiat 124 Spider – Technische Daten

  • Zweitüriger, zweisitziger Roadster; Länge: 4,06 Meter, Breite: 1,74 Meter (1,93 Meter mit Außenspiegeln), Höhe: 1,23 Meter, Radstand: 2,31 Meter, Kofferraumvolumen: 140 Liter
  • 1,4-Liter-Turbo-Benzinmotor, 103 kW/140 PS, Sechsgang-Getriebe, Hinterradantrieb, maximales Drehmoment: 240 Nm bei 2250 U/min, 0–100 km/h: 7,5 s, Vmax: 217 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,4 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 148 g/km, Abgasnorm: Euro 6b, Effizienzklasse: E, Testverbrauch: 7,5 Liter
  • Preis: ab 24.990 Euro, mit Sechsgang-Automatik und „Lusso“-Ausstattung ab 28.890 Euro

Kurzcharakteristik

Warum: weil man genau die richtige Länge und Größe für dieses Fahrzeug hat

Warum nicht: weil man viel zu lang gewachsen ist

Was sonst: eng geschnittene Anzüge oder Kostüme