Vergleichstest:

Ford Edge und Škoda Kodiaq

28.06.2017

Škoda wagt sich mit dem Kodiaq zum ersten Mal auf ein Terrain, auf dem Ford mit dem Edge schon längst zu Hause ist – zumindest in den USA, dem Mutterland des großen SUV.

Sind Sie zufällig ein „Quintastic“, ein „Millennial“ oder eine „modern Mam“? Dann haben wir vermutlich die idealen Autos für Sie gefunden. Laut einer Marketinguntersuchung von Ford wollen alle diese Käufergruppen nämlich gerne ein ausgewachsenes SUV fahren. Die 50– bis 60-jährigen Quintastics schätzen besonders die Möglichkeit, überall hinzukommen. Also haben die Testwagen Allradantrieb. Die 17– bis 34-jährigen Millennials mögen besonders das kraftvolle Erscheinungsbild und den Platz für Sport- und Freizeitgeräte. Bei 2000 Liter Kofferraumvolumen und zwei Tonnen Anhängelast kein Problem. Und die modernen Mütter? Die haben gern ein geräumiges und vor allem sicheres Auto. Kein Thema: Im Falle des Škoda Kodiaq stehen bis zu sieben Sitzplätze zur Wahl. Die hohe Sitzposition und ein umfangreiches Assistenz-Paket wirken zudem beruhigend im zuweilen hektischen Familien-Alltag.

Viel Platz in der ersten und zweiten Reihe

Überhaupt scheint der Vorstoß von Škoda in die bisher unbesetzte SUV-Klasse geglückt: Auf einer Länge von 4,7 Metern gelang es, die technischen Komponenten des Stammhauses relativ dezent zu verstecken. Zwischen den Achsen bleibt jede Menge Platz für die Insassen. Die Rückbank lässt sich weit verschieben und gestattet somit fürstliche Platzverhältnisse in der zweiten Reihe.

Ford ist dagegen einen etwas leichteren Weg gegangen und hat seinen großen SUV einfach über den großen Teich geholt. In den USA ist der 4,81 Meter lange Edge schon seit 2007 recht erfolgreich auf dem Markt. Erst seit kurzem darf er auch beim deutschen Händler offiziell vom Hof rollen. Einen Siebensitzer gibt es hier leider nicht und auch nur zwei verschiedene Motorvarianten: Mit 180 oder 210 Diesel-PS, die kleinere mit Schaltgetriebe, die große mit Automatik. Beide Versionen verfügen immer über Allradantrieb.

Der Einstiegspreis ist bei Skoda deutlich niedriger

Dementsprechend beginnt die Preisliste bei 41.900 Euro, während der Škoda auch mit Zweiradantrieb und kleinen Motoren (Benziner ab 125 PS) schon ab 26.150 Euro zu haben ist. Ausstattungstechnisch und motorisch auf ein vergleichbares Niveau gebracht, schrumpft der Preisvorteil des Škoda jedoch zusammen wie ein Smart vor der bulligen Schnauze des Ford.

Vorne geht es im Edge luftig zu, besonders gefallen können die vielen geräumigen Ablagen. In der Mittelkonsole verschwinden sogar die größten Drei-Liter-Gebinde des schwarzen, zuckrigen Nationalgetränks aus den USA.

Viele nette Details bei Skoda, aber mehr Staufächer im Ford

Beim Thema Ablagen hat Škoda etwas geknausert, selbst die bekannten Finessen wie der Eiskratzer im Tankdeckel oder das Regenschirmfach in der Tür können das nicht ganz wettmachen. Allenfalls die Schutzleisten, die sich beim Öffnen der Tür über die lackierten Kanten legen, sind im Alltag ein gern genommenes Extra. Pikanterweise eines, das eigentlich Ford mit dem Focus eingeführt hat.

Beim Edge gibt es den Rempelschutz aber leider nicht. Apropos Eiskratzer: Genügend Geld für Sonderausstattung vorausgesetzt, kontert der Edge das locker mit beheiztem Lenkrad, beheizten und gekühlten Vordersitzen, beheizter Frontscheibe sowie einer mollig warmen Rückbank. Mit einem Eiskratzer die Frontscheiben zu säubern, dürfte bei den Abmessungen der beiden Autos ohnehin schwerfallen.

Niedriger Geräuschpegel im Edge dank Gegenschall

Beim Fahren spielt der teuerste Ford im Programm ebenfalls den Großmeister des Komforts. Die Sitze sind bequem, die Federung wiegt sanft, sofern nicht die sportliche Fahrwerksabstimmung gewählt wurde. Die Lenkung geht leicht und sehr direkt, auch wenn der Wendekreis eindeutig zu groß für eine durchschnittliche europäische Wendeplatte ausfällt. Was den Komforteindruck nachhaltig schmälert, ist die Schaltarbeit am Sechsgang-Schaltknauf. Besonders vom ersten in den zweiten Gang erfordert die Wechselwirkung von bis zu 400 Nm Drehmoment und fast zwei Tonnen Gewicht einiges an Konzentration – wenn die Fahrt ruckfrei ausfallen soll. Das Ansprechverhalten des 2,0-l-Diesel ist etwas träge. So vergeht selbst bei 2000 Touren viel Zeit zwischen dem Befehl am Gaspedal und einsetzender Beschleunigung. Konstantfahrt ist eher sein Ding, dabei geht es sehr ruhig zu im Innenraum. Was auch einem technischen Trick zu verdanken ist: Drei Mikrofone im Innenraum messen den Lärmpegel und spielen bei Bedarf einen Gegenschall über die Lautsprecher ein. Mit erstaunlichem Erfolg.

DSG-Getriebe macht das Fahren müheloser

Jedenfalls ist im Škoda der etwas kernige und raubauzige Diesel sehr viel deutlicher zu vernehmen. Der Stadtverkehr gestaltet sich aber wesentlich einfacher. Sofern der Kodiaq, wie im Falle des Testwagens, mit DSG-Automatik ausgestattet ist. Gas, Bremse und auch die Lenkung sind harmonisch abgestimmt und lassen sich auf Wunsch auch in verschiedenen Fahrmodi auf den persönlichen Geschmack feinjustieren. Selbst für gelegentliche Ausflüge ins Gelände gibt es ein entsprechendes Fahrprogramm.

Fazit: Während der große, luxuriöse, aber dementsprechend teure Ford Edge hierzulande wahrscheinlich eher die Rolle eines Exoten einnehmen dürfte, hat Škoda für den im Grundpreis wesentlich günstigeren Kodiaq auf jede Frage und für jeden Anspruch eine passende Antwort in der Aufpreisliste. Mit einem individuell konfigurierbaren SUV können sich wahrscheinlich weitaus mehr Menschen anfreunden. Denn ob 17 oder 60 Jahre alt, ob mit Kindern an Bord oder solo unterwegs ist ja wohl doch noch ein größerer Unterschied.

Technische Daten

Ford Edge 2.0 TDCI 4x4

Škoda Kodiaq 2.0 TDI 4x4

Hubraum cm3

1997

1968

Zylinder/Schadstoffklasse

4/Euro6

4/Euro6

Leistung kW(PS)/min-1

132(180)/3500

140(190)/3500

max. Drehmoment Nm/min-1

400/2000

400/1750

max. Geschwindigkeit km/h

200

210

0 bis 100 km/h s

9,9

8,9

Karosserie

SUV

SUV

Länge/Breite/Höhe mm

4808/1981*/1692

4697/1882*/1676

Radstand mm

2849

2791

Spurweite v/h mm

1655/1664

1586/1576

Leergewicht/Zuladung kg

1912/592

1752/675

Anhängelast ung./gebr. kg

750/2000

750/2300

Dachlast/Stützlast kg

75/90

75/100

Kofferraum (VDA)** l

602 bis 1847

835 bis 2005

Reifendimension

235/55 R19

215/65 R17

Tankinhalt/Reichweite l/km

69/1190

60/1053

ACE-Testschnitt l/100 km

7,4 D

6,7 D

ACE-Minimal-Verbrauch l/100 km

8,0 D

7,4 D

Verbrauch EG-Mix l/100 km

5,8 D

5,7 D

Kohlendioxid-Ausstoß g/km

149

150

Versicherung HK/TK/VK

20/24/24

17/22/23

Testwagenpreis Euro

56.460

50.320

Grundpreis ab Werk Euro

41.900

37.790

* Inklusive Außenspiegel **Bei fünf Sitzplätzen