Fahrbericht:

Honda Jazz – Variable Variante

01.04.2016

Wer eine Alternative zu VW Polo, Ford Fiesta, Opel Corso und Co sucht, hat eine große Auswahl. Bei den japanischen Herstellern gehören Kleinwagen zum Standard-Repertoire. So hat auch Honda schon seit Urzeiten einen kleinen, viertürigen Flitzer im Angebot. Dieser hört auch in seiner aktuellsten Version auf den freundlichen Namen Jazz und kostet ab 15.990 Euro.

Karosserie und Innenraum

 

Zugegeben - so ganz neu ist der Honda Jazz in seiner dritten Generation gar nicht. In anderen Ländern ist er in dieser Form schon seit 2013 auf dem Markt. Die Silhouette folgt der Honda-Design-Linie. Das bedeutet: die Motorhaube geht quasi nahtlos in die Frontscheibe über, bis zum Heck in 3,99 Meter Entfernung zieren zahlreiche Kanten und Falten die Karosserie. Dazu gibt es zahlreiche angedeutete Ein- und Auslässe für Luft, die aber in einem 102 PS-Kleinwagen keinerlei Funktion haben. Insgesamt entsteht ein sportlicher, fast schon aggressiver äußerer Eindruck. Für 1590 Euro lässt sich die Optik durch Dachspoiler und Co noch weiter anschärfen. Das die aktuelle Version deutlich gewachsen ist, wird am ehesten auf der Rückbank klar. Hier gibt es bei entsprechender Konfiguration beinahe verschwenderisch viel Beinfreiheit. Vorne geht es klassenüblich etwas enger zu, das die Japaner lieber leicht zu reinigende Plastikoberflächen als Soft-Touch-Schnickschnack mögen, daran haben wir uns längst gewöhnt. Die große Stärke des Jazz ist vielmehr die Variabilität hinter den Vordersitzen: Durch einen cleveren Klappmodus entsteht bei Bedarf eine ebene Ladefläche und ein bis zu 1314 Liter fassender Laderaum. Es kann aber auch nur die hintere Sitzfläche senkrecht gestellt und die maximale Ladehöhe vom Fußraum bis zum Dach genutzt werden.

Komfort und Fahrverhalten

 

Wie das Äußere schon andeutet, will der Jazz keine Kindergarten-Sänfte sein, sondern ein agiler Schnäppchenjäger. In der Stadt gefällt die leichtgängige Betätigung von Lenkung, Schaltung und Pedalerie. Flüssig und knackig flutsch der Hebel durch die Gassen. Die Übersichtlichkeit könnte auch hier besser sein, ein leidiges Thema bei modernen Kleinwagen. So ist die Motorhaube nicht sichtbar, immerhin sind in den höheren Ausstattungsvarianten "Comfort" (16.990 Euro) und "Elegance" (18.750 Euro) Einparkhilfen vorn und hinten serienmäßig. Selbst eine Rückfahrkamera gibt es auf Wunsch im Topmodell.


Lichtsensor, Stadt-Notbremssystem, Regensensor assistieren schon im Basismodell, ein akustischer Spurhalteassistent und Keyless-Go hat wiederum nur die Elegance-Version zu bieten. Der Federungskomfort steht dem Bedienkomfort nur wenig nach, denn erstaunlicherweise ist der Jazz nicht hart und hoppelig abgestimmt, sondern federt durchaus anständig. Warum die Fahrt dennoch nicht ganz gelassen ausfällt? Das verrät das nächste Kapitel.

Motor und Technik

 

Es mag sein das man vielleicht inzwischen durch den starken Antritt der Turbomotoren bei niedrigen und mittleren Touren etwas verwöhnt ist und sich der Honda Motor nur deshalb anfühlt wie ein Fiat Triebwerk der Siebziger Jahre. Fakt ist jedoch, dass die 123 Newtonmeter des maximalen Drehmomentes erst bei 5000 Umdrehungen vollständig versammelt sind, die höchste Leistung von 102 PS dagegen bei 6000 Touren anliegt. Das ist ganz alte Schule und könnte in Verbindung mit dem exakt geführten Schalthebel sogar eine Art Retro-Fahrspaß bringen. Wenn das Getriebe nicht ganz so lang übersetzt wäre. So aber kämpft der Motor in den einzelnen Gängen länger als nötig und lautstark gegen die zunehmenden Fahrwiderstände. Vermutlich wurde dieser Kompromiss eingegangen, um auf dem Prüfstand mit niedrigen Verbrauchswerten glänzen zu können. Die Folge ist: Der sechste Gang geht auf der Autobahn aber eigentlich nur bergab, bergauf muss öfters bis in den vierten zurückgeschaltet werden. Vielleicht ist das für 1300 Euro erhältliche CVT-Getriebe doch eine Überlegung wert.

Ausstattung und Preis

 

Angesichts nur einer Karosserieversion mit vier Türen und derzeit nur einem verfügbaren Motor und drei Modellvarianten ist es leicht den Überblick zu behalten. Was an Sonderausstattung an Bord ist, wird im Wesentlichen schon durch die Wahl der Ausstattungslinie festgelegt, Metallic-Lackierung (460 Euro), Navigationsfunktion (600 Euro) oder Anhängekupplung (690 Euro) sind im Prinzip die einzigen Optionen. Es stehen acht Außenfarben zur Wahl, innen allerdings nichts anderes als schwarzen Stoff. Damit ist der Jazz nicht unbedingt das individuellste Modell am Markt, zählt aber zu den ab Werk gut ausgestatteten Autos. Der relativ hohe Einstiegspreis liegt auf dem Niveau von Polo, Fiesta und Co mit ähnlich starken Motoren, sehr mager ausgestattete Basismodelle zum Kampfpreis knapp über 10.000 Euro gibt es vom Jazz nicht.

Fazit

Der durchzugschwache und ziemlich laute Motor ist sportlich gemeint, in Wirklichkeit aber, vor allem in Verbindung mit der langen Übersetzung, der große Schwachpunkt am Honda Jazz. Wird er gefordert, schnellt logischerweise auch der Verbrauch in die Höhe. Die Karosserie ist Geschmackssache, richtig gut gelungen ist die sehr variable und geräumige hintere Hälfte des Wagens.