Fahrbericht:

Hyundai Kona – Der. Fällt. Auf.

30.08.2018

Ganz klar: Der Kona will kein x-beliebiges SUV sein. Hyundai setzt mit ihm voll auf die Karte Lifestyle. Doch kann der Kleinwagen halten, was sein Äußeres verspricht? Fahrbericht des Kona 1.6 T-GDI mit 177 PS.

SUV gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Auch im Kleinwagen-Segment tummeln sich dabei einige Charaktere: Egal ob Opel Mokka X, Citroen C3 Aircross oder VW T-Roc: Sie alle wollen den Mainstream hinter sich lassen. Sollen andere Hersteller doch unauffällige, beliebige Autos bauen. Und gerade einer Marke wie Hyundai fehlte ein richtiger Charakter-Kopf bisher: Denn bis heute werden die meisten Autofahrer die Südkoreaner vor allem mit günstigen, zuverlässigen aber meist auch emotionslosen Autos verbinden. Gerade die ersten Generationen der Hyundai-SUVs tragen dazu bei. Noch heute fahren sie, beliebig gestylt und viel zu oft in Leasing-Silber, in großer Stückzahl durch die Lande. Ganz anders kommt der Kona daher: Agressiv-progressives Äußeres, zu Lichtschlitzen verengte Scheinwerfer in der ausdrucksstarken Front, breit ausgestellte Radhäuser, geduckte Haltung. So fällt der Kona auf.

Hyundai steht ein charakterstarkes Auto

Vor allem, wenn er wie unser Testwagen „Acid Yellow“ trägt. Zu Deutsch: „Giftgelb“. Der Duden kennt allerdings nur „giftgrün“ und irgendwo dazwischen liegt wohl auch die Farbe: Je nach Sonnenstand und Blickrichtung ist unser Testwagen mal grün und mal gelb. Insgesamt zehn größtenteils sehr knallige Farben bietet Hyundai. Nur graumetallic ist Serie, alle anderen Farben kosten 590 Euro Aufpreis. Zur Auswahl stehen beispielsweise Rot, Orange und verschiedene Blautöne. Erstmals bietet Hyundai auch eine Zweifarblackierung an; für 600 Euro extra. Dann ist das Dach dunkelgrau oder schwarz lackiert und der ganze Wagen wirkt noch etwas geduckter. Nur in der zweithöchsten Ausstattungs-Variante Style (insgesamt gibt es fünf: Pure, Select, Trend, Style und Premium) gibt es den Zuckerguss auch für den Innenraum: Dann finden sich hier und dort Farbtupfer in Orange, Grün oder Rot: nämlich an Sitzen, Lenkradnähten, Lüftungsdüsen und – ein echter Hingucker – an den Gurten. 1400 Euro will Hyundai dafür. Das wäre eindeutig zu viel für den Zuckerguss. Im Paket sind deshalb auch der elektrisch verstellbare Fahrer- und Beifahrersitz sowie eine Belüftung der Vordersitze. Wer will, kann den Kona also stylisch aufpeppen. Von Mini war man das gewohnt – für Hyundai ist das dagegen noch neu. Ganz so verspielt und detailverliebt wie die bajuwarischen Briten sind die Koreaner auch noch nicht. Doch das optische Konzept überzeugt.

Diesel, Benziner und zwei Elektro-Antriebe

Jetzt aber genug vom Äußeren, was bietet der Kona unter der Haube? Einfache Antwort: Für jeden was. Eine riesige Motorenauswahl gibt es zwar nicht, doch insgesamt gibt es sechs Varianten: Zwei Benziner, zwei Diesel, zwei Elektromotoren. Der Einstieg in die bunte Kona-Welt gelingt mit einem Turbo-Benziner mit 1,0-Liter-Hubraum und drei Zylindern. Sie liefern 120 PS und sollten für den Alltag genügen. Dann geht es bei 17.500 Euro los. Der etwas größere 1,6-Liter Benziner leistet schon 177 PS (ab 25.000 Euro). Außerdem gibt es zwei Diesel mit 115 beziehungsweise 136 PS. Sie bieten im Vergleich zum Einstiegs-Benziner fast das doppelte Drehmoment (320 Nm vs. 172 Nm) und sollten auch etwas weniger verbrauchen als die Benziner. Preislich startet der Diesel bei 21.350 Euro.

Alle Motoren erfüllen Euro 6d-TEMP

Auch beim Thema Abgasreinigung ist der Kona für Hyundai ein Vorreiter. Er war das erste Fahrzeug im Konzern, das komplett auf die Abgasnorm Euro 6d-TEMP umgestellt wurde. Dafür haben die Koreaner den Benzinern einen Partikelfilter spendiert, die Diesel-Fahrzeuge kommen mit SCR-Katalysator, spritzen also AdBlue ein. Oben drauf gibt es zwei Varianten, die lokal gar keine Emissionen ausstoßen: Den Kona Electro mit 135 sowie 204 PS und bis zu 64 kWh Batteriekapazität (34.600/39.000 Euro). So soll er bis zu 470 Kilometer schaffen (nach WLTP). In der Realität bleiben davon wohl etwa 350 bis 400 Kilometer. Gefahren sind wir mit dem Kona 1.6 T-GDI mit Allradantrieb und automatischem Doppelkupplungsgetriebe.

An der Tankstelle ein Dinosaurier

Schon auf den ersten Metern merkt man: Der Kona lässt sich präzise lenken, die erhöhte Sitzposition ermöglicht eine akzeptable Sicht – zumindest nach vorne. Seitlich nach hinten sieht man dagegen fast nichts. Und immer wieder merkt man: Der Benziner hat sichtlich Spaß mit dem Klein-SUV – oder eben der Fahrer mit dem Motor. Angestrengt wirkt der 1,6er selten. Was etwas stört: Laut wird der Motor trotzdem, das liegt aber vielleicht auch an der Geräuschdämmung, oder daran, dass der Autor in den Wochen zuvor vor allem Hybrid- und Elektroautos gefahren ist. Dann wirkt so ein Benziner manchmal wie ein Dinosaurier. Auch der Weg zur Tankstelle wirkt dann wie eine Zeitreise: Knapp acht Liter haben wir gebraucht. Das liegt sicherlich auch am Allradantrieb, mit dem der 1,6er immer ausgestattet ist. Insgesamt ist der Verbrauch aber zu hoch für ein kompaktes Fahrzeug.

Weder Scheinriese noch Sparfuchs

Denn insgesamt ist der Kona eben kein Scheinriese: Er kann innen einfach nicht mehr Raum bieten, als von außen schon ersichtlich ist. Die 4,16 Meter Länge reichen für zwei Erwachsene plus zwei Kinder. Zu groß gewachsen sollten die allerdings nicht sein. Und gutes Sitzfleisch brauchen sie auch, denn ganz bequem wird es in unserem grell-bunten Testwagen nie: Der Koreaner soll wohl nicht nur sportlich-aggressiv aussehen, sondern mit einem ebenso abgestimmten Fahrwerk überzeugen. Dadurch gleitet der Kona selten, irgendwas lässt den Lifestyle-SUV immer hoppeln und zappeln. Gerade auf der Langstrecke nervt so ein Verhalten. Ansonsten ist der Kona aber ein solide verarbeitetes, optisch sehr ansprechendes SUV. Die Ausstattung ist umfangreich, selbst ein Notbremssystem zählt zur Serie. Wer Wert darauf legt, kann selbst ein Head-up-Display ordern. Dann werden die wichtigsten Informationen auf eine Plastikscheibe vor dem Sichtfeld projiziert. Mit allerlei Extras ausgestattet verlässt der Kona dann allerdings ganz schnell die fünfstelligen Bereiche mit der eins vorne. Trotzdem ist der Kona eine Empfehlung wert – für Autofahrer, die sich trauen, ein grellbuntes Auto im Alltag zu fahren.

Hyundai Kona 1,6 T-GDI – Technische Daten

  • Fünftüriger Kompakt-SUV; Länge: 4,16 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,55 Meter, Radstand: 2,60 Meter, Kofferraumvolumen: 361-1143 Liter
  • 1,6-Liter-Turbo-Benzinmotor, 130 kW/177 PS, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb, maximales Drehmoment: 265 Nm, 0–100 km/h: 7,9 s, Vmax: 205 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,7 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 153 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP
  • Preis: ab 17.500 Euro, als 1,6 T-GDI ab 25.000 Euro