Fahrbericht:

Jeep Renegade 1.0 l T-GDI - Für Asphalt-Cowboys und -girls

26.02.2019

Als Kind durfte man meist noch frei und unkontrolliert draußen spielen. Heute soll die Erinnerung an diese Ungebundenheit und Freiheit mithilfe von SUVs generiert werden, wie zum Beispiel mit dem Jeep Renegade. Je nach Motor-Wahl darf man hier aber nur auf der Straße spielen.

Der Renegade ist das kleinste SUV im deutschen Jeep-Portfolio. Der seit 2014 erhältliche, 4,26 Meter lange Amerikaner wurde erst im vergangenen Frühjahr optisch aufgefrischt und erhielt im Herbst noch ein technisches Update.

Das Ausstattungsniveau „Limited“ bietet viele Extras serienmäßig

Unter anderem ergänzen neue Benzinmotoren das Portfolio. Als Einstiegsaggregat fungiert jetzt ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 88 kW/120 PS. Dieses ist nur mit Frontantrieb verfügbar und kostet ab 20.700 Euro. Unser Testfahrzeug mit dem kleinen Otto-Triebwerk fuhr in der Limited-Ausstattung vor und kostet schon mindestens 25.200 Euro. In diesem höchsten Komfortniveau für die Frontantriebsvarianten gehören unter anderem Zweizonen-Klimaautomatik, diverse Assistenten, 17-Zöller, schlüsselloser Zugang, Infotainmentsystem und eine umklappbare Rücksitzlehne zum Serienumfang.

Der Renegade ist der kleinste Bruder in der Jeep-Familie

Eingefleischte Fans mögen zwar die Nase rümpfen, aber viele Kunden des Renegade goutieren das typische Jeep-Design, benötigen aber weder Allrad noch Geländegängigkeit; sie verzichten also bewusst auf Werte, für die das Traditionsunternehmen jahrzehntelang fast schon synonym stand. Wenn´s ums Aussehen geht, braucht sich der Kleine nicht hinter seinen größeren Brüdern zu verstecken. Die bullige Front mit den sieben markentypischen Schlitzen im Kühlergrill, die großen Alus und die kantige Form machen schon was her und unterstreichen seinen Anspruch, kein SUVchen zu sein. Dass sich der Renegade mit dem Fiat 500X Technik und Montagebänder teilt, sieht man ihm zumindest nicht an.

Der Innenraum wurde deutlich aufgewertet

Das Interieur profitierte von den Auffrischungsmaßnahmen im vergangenen Frühjahr. Weniger harter Kunststoff, mehr Ablagen, eine geänderte Mittelkonsole und ein modernes Infotainmentsystem haben Einzug gehalten. Letzteres hatte weder mit Apple- noch mit Android-Smartphones Probleme, integrierte sie schnell und zuverlässig. Ob man das aufpreispflichtige Navigationssystem (1090 Euro), das mit einem 8,4 Zoll großem Display ausgeliefert wird, angesichts von Google-Maps und Co. benötigt, bleibt Ansichtssache.

Die Sitze sind nichts für groß gewachsene Passagiere

Ansichts- beziehungsweise Rückensache dürften die Sitze sein. Wo nicht allzu lange Fahrer und Begleiter sich entspannt auf dem Gestühl niederlassen können, spüren langbeinige Insassen schnell die nicht allzu großzügig geschnittenen Sitzauflagen. Punkten können sie immerhin durch eine serienmäßige Sitzheizung. Und die Hände wärmt sogar die Lenkradheizung. Ganz SUV-typisch genießt man die etwas höhere Sitzposition nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Ein- und Aussteigen.

Bei den Assistenzsystemen zeigt die Verkehrszeichenerkennung Schwächen

Neu an Bord sind mehrere Assistenzsysteme. Der Fernlicht- und Spurhalteassistent sowie der Totwinkel-Warner überzeugen, wenngleich die Warnung vor möglichen Gefahren aus unübersichtlichen Winkeln in äußerst schrillem Ton erfolgt. Immer aufmerksam sollte man auch beim Beachten der Verkehrszeichen sein und sich nicht auf den entsprechenden Hinweiser verlassen. In unserem Fahrzeug erkannte dieser nur Schilder, die auf Autobahnen oder Bundesstraßen stehen. Auf anderen Straßen zeigte er abwechselnd 30er- oder 70er-Schilder im Display an – ganz gleich wo man gerade inner- oder außerorts entlang fuhr. Vielleicht wurde vergessen, Verkehrszeichen für Landstraßen und Ortschaften im System zu hinterlegen?

Der agile Motor bietet viel Fahrspaß

Zum Glück können wir noch selbst lesen, so dass die Ausfahrten mit dem Fahrzeug verkehrsregelkonform erfolgten. Zumal der Dreizylinder-Turbo nicht unter Temperamentsmangel leidet, zumindest solange man ihn bei Laune hält. Dank der leichtgängigen manuellen Sechsgang-Schaltung war das aber kein Problem. Bewegt man sich mit mindestens 1750 Umdrehungen – hier liegt das maximale Drehmoment von 190 Nm an – agiert der kleine Turbo sehr agil. Allerdings sollten die Möchtegern-Cowboys und -girls es bei ihren Ausritten über den Asphalt nicht übertreiben, denn der Motor wird schnell durstig. Der Normwert von 6,1 Litern war selbst bei sehr zurückhaltender Fahrweise nicht realisierbar, mit sanftem Gasfuß schafften wir einen Durchschnittsverbrauch von 8,1 Litern. Hier macht sich sicher auch bemerkbar, dass ein Renegade nicht unbedingt nach aerodynamischen Vorgaben entwickelt wurde.

Der Allradantrieb darf im Jeep-Angebot nicht fehlen

Übrigens: Natürlich gibt es diesen Jeep ganz im Sinne der Unternehmenstradition auch mit Allrad. Die zwei 2,0-Liter-Diesel mit 103 kW/140 PS und 125 kW/170 PS werden ausschließlich mit 4x4-Technik ausgeliefert. Wer einen Benziner mit Allrad bevorzugt, muss noch ein wenig warten. Ein 180-PS-Triebwerk steht in den Startlöchern und wird vermutlich im Sommer das Motoren-Angebot des kleinen Jeeps erweitern.

Jeep Renegade 1.0 l T-GDI - Technische Daten

  • Fünftüriges, fünfsitziges SUV, Länge: 4,26 Meter, Breite: 1,81 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,06 Meter), Höhe: 1,70 Meter, Radstand: 2,57 Meter, Kofferraumvolumen: 351-1297 Liter
  • 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, 80 kW/120 PS, Frontantrieb, maximales Drehmoment: 190 Nm bei 1750 U/min, Vmax: 185 km/h, 0-100 km/h: 11,2 s, Durchschnittsverbrauch: 6,1 l/100 km, CO2-Ausstoß: 139 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Effizienzklasse: C, Testverbrauch: 8,1 l/100 km
  • Preis: ab 20.700 Euro
  • Testwagenpreis: ab 25.200 Euro (Limited)

Kurzcharakteristik

  • Warum: sieht kernig aus und fährt agil
  • Warum nicht: man ist doch eigentlich aus dem Cowboy/-girl-Alter raus
  • Was sonst: Opel Mokka X, Ford EcoSport, Fiat 500 X