Fahrbericht:

Kia Ceed Sportswagon – Golf-Schläger

04.12.2018

Mit der dritten Generation des kompakten Ceed fährt Kia endgültig auf Augenhöhe zu Golf & Co. Die Kombiversion Sportswagon räumt sogar noch mehr ein und letzte Zweifel aus dem Weg.

Eine Fahrzeuggattung, die – zumindest in Europa – dem allgegenwärtigen Trend zum SUV widersteht, sind die Kombis. Vor allem in der Kompaktklasse tummeln sich jede Menge Anbieter. Neuester Herausforderer ist der Kia Ceed Sportswagon zu Preisen ab 16.990 Euro.

Die sensorgesteuerte Klappe erleichtert das Beladen des großzügigen Kofferraums

Gegenüber dem Vorgänger hat Kia seinen Kombi-Bestseller um knapp zehn Zentimeter auf 4,60 Meter gestreckt. Das schafft jede Menge Raum für Mensch und Material. So dürfen sich vor allem die Fond-Passagiere über spürbar größere Schulter- und Beinfreiheit freuen. Und der 625 Liter große Kofferraum schluckt bereits in der normalen Bestuhlung 20 Liter mehr als der Wolfsburger Platzhirsch Golf Variant (605 Liter), vom Opel Astra Sports Tourer (560 Liter) oder Ford Focus Turnier (575 Liter) gar nicht zu reden. Werden die dreigeteilten Sitzlehnen (40:20:40) bequem per Handgriffhebel vom Gepäckabteil aus zu einer nahezu ebenen Ladefläche umgeklappt, gehen sogar 1694 Liter (Golf: 1620 Liter) rein. Während die abgesenkte Ladekante das Befüllen serienmäßig erleichtert, wartet der Ceed SW in der Topausstattung mit einem besonderen Clou auf: Die Kofferraumklappe öffnet sensorgesteuert, ohne dass man dazu auf dem Parkplatz mit der Kiste in den Händen den „Flamingo“ machen muss. Einfach mit dem Schlüssel in der Tasche hinters Heck stellen und nach vier Sekunden öffnet sich die Klappe wie von Geisterhand.

Trotz größerer Maße wirkt der Ceed Sportswagon dynamisch

Trotz der üppigeren Proportionen sieht der Ceed Sportswagon nicht behäbig aus. Im Gegenteil, je zwei Zentimeter breiter und flacher macht der Kombi mit verkürztem Front- und gestrecktem Hecküberhang auf der Straße eine dynamische Figur. Bis zur Fahrzeugmitte ist er identisch zur Limousine mit großem Grill, breitem unteren Lufteinlass und serienmäßigem LED-Tagfahrlicht. Auch Cockpit und Armaturentafel stammen aus dem Fünftürer und sind betont horizontal ausgerichtet mit zweigeteilter, leicht zum Fahrer geneigter Mittelkonsole. Der obere Bereich wird von den frei stehenden, je nach Ausstattung 7- oder 8-Zoll-Touchscreens des Infotainments geprägt, im unteren finden sich Schalter und Tasten für das serienmäßige Audiosystem und die optionale Klimatisierung. Soft-Touch-Oberflächen sowie reichlich Metall- und Chromoptik geben dem Interieur ein wohnliches Ambiente. Dazu gesellt sich eine Armada an Assistenten, darunter erstmals ein Stauassistent, der den Ceed SW mittig in der Spur hält und von 0 bis 180 km/h selbsttätig lenkt, bremst und beschleunigt. Auch ein Parkroboter, der das Einparken längs und quer übernimmt, zählt zu den Innovationen.

Fünf Motoren stehen zur Auswahl

Drei Benzin- und zwei Dieselvarianten mit Leistungen von 100 bis 140 PS (73-103 kW) stehen zur Verfügung, selbstverständlich alle mit Ottopartikelfilter und SCR-Katalysator nach Abgasnorm Euro 6d-TEMP zertifiziert. Während die modernen Turbobenziner mit 120 PS und 140 PS dabei für urbane Privatfahrer zu empfehlen sind, stellt der neue 1,6-l-Diesel mit wahlweise 115 PS oder 136 PS für Langstreckenfahrer die erste Wahl dar. Vor allem in der stärkeren Variante zeigt der Selbstzünder einen kultivierten Lauf, hält dabei sein charakteristisches Arbeitsgeräusch wohltuend zurück und überzeugt in jeder Situation mit sattem Durchzug. In der Beschleunigung muss der 1.6 CRDi zwar den Top-Benziner 1.4 T-GDI ziehen lassen, hat dafür an der Zapfsäule mit Normverbräuchen von 3,9-4,3 Litern (Benziner: bis 5,9 Liter) aber die Nase vorn. Ein theoretischer Wert, na klar, aber 5,8 Liter bei unserer ersten Testrunde auf kurviger Landstraße und zügiger Autobahn gehen durchaus in Ordnung. Beide Top-Triebwerke sind mit Doppelkupplungsgetriebe zu haben.