Fahrbericht:

Kia Optima – Gutes muss nicht teuer sein

01.05.2016

Eine große Limousine zum Einstandspreis von rund 30.000 Euro gibt es nicht an jeder Ecke. Dabei macht der Kia Optima auch noch eine richtig gute Figur.

Einen Kia zu fahren gilt heute als smarte Wahl. Mit Rio, Sorento, cee`d und Co sind die Koreaner gut und modern aufgestellt, sieben Jahre Garantie bis 150.000 Kilometer tun das Übrige dazu. Was bisher fehlte, war ein gelungener Vorstoß in die Region der oberen Mittelklasse. Seit 2000 gab es zwar schon eine etwas größere Limousine, die weltweit schon immer Optima, in Deutschland aber anfangs noch Magentis hieß. Doch diese brachte es hierzulande nur auf homöopathische Stückzahlen. Vermutlich auch auf Grund der allzu biederen Optik. Der ab 2012 in Deutschland erhältliche Optima sah dagegen schon ganz anders aus. Kein Wunder, schließlich hatte Peter Schreyer(vormals Designchef bei Audi und Volkswagen) inzwischen die Leitung des Designs übernommen.

Der Optima in frischem Design mit viel Platz im Fond

 

Nun also die vierte Generation Optima, die zwei Magentis mitgezählt. Sehr elegant gezeichnet und stattliche 4,86 Meter lang, bietet die Neuauflage vor allem eines: Platz! Vorne fällt das noch nicht so auf, schließlich kann man den Fahrer nicht beliebig weit vom Lenkrad weg positionieren. Doch spätestens im Fond gibt es nur wenige Autos die dem Kia-Flaggschiff das Wasser reichen können. Es ist tatsächlich möglich die Beine übereinander zu schlagen. Auch der Kofferraum ist mit 510 Liter mehr als üppig ausgefallen.

Ausstattung und Preise

 

Die zwei Ausstattungslinien "Vision" und "Spirit" geben ebenfalls keinen Anlass zur Klage. Sicherheitstechnisch sind schon im etwas einfacheren Modell alle wesentlichen Elemente vorhanden. Sieben Airbags, Spurhalteassistent und sogar eine Verkehrszeichenerkennung sind immer inklusive, für das Topmodell "Spirit" sind im Paket für 1150 Euro  auch noch ein Querverkehrwarner beim Ausparken, der Einparkassistent, eine Rückfahrkamera und die Totwinkelwarnung zu haben. Wer noch eins drauflegen will bekommt auch einen adaptiven Tempomaten und ein adaptives Fahrwerk im ganz großen Paket (1990 Euro) mitgeliefert. Die gleiche Summe kostet auch die Lederausstattung, wobei der Bezug in diesem Fall etwas synthetisch wirkt. Ein elektrisches Panoramadach für 990 Euro und eine induktive Ladestation für das Handy (150 Euro)  – wohlgemerkt nur für das Topmodell - vervollständigen die kurze, aber knackige Preisliste.


Diese beginnt bei 24.990 Euro für ein einsames "Edition 7" genanntes Einstiegsmodell mit 163 PS starkem Benziner, dem zahlreiche Optionen verwehrt bleiben und endet bei 41.110 Euro für einen voll ausgestatteten "Spirit" inklusive allen Paketen und 141 PS starkem Diesel samt Direktschaltgetriebe unter der Haube. Es gibt nämlich nur diese zwei Motoren und nur den Diesel in Verbindung mit der Automatik. Das scheint ein wenig mager, zumal die nominelle Leistung für ein so großes Auto eher bescheiden ausfällt. Doch es reicht, wie der Testwagen mit dem drehmomentstarken Diesel beweist.

Motor und Technik

 

Der nur knapp 1,7 Liter große Selbstzünder läuft kultiviert und zieht harmonisch an. Die manuelle Handschaltung ist nicht perfekt, besonders bei kaltem Getriebe schalten sich die Gänge etwas knorpelig. Viele Schaltvorgänge sind aber auch nicht nötig. Die Wahl der Übersetzung ist gut gelungen, der sechste Gang eindeutig als Schongang ausgelegt. Solange der große Wagen, der fahrbereit immerhin 1,6 Tonnen wiegt, gleichmäßig dahinrollt, bleibt auch der Verbrauch niedrig. Muss sich der Motor, wie im Testbetrieb üblich, zwischendurch auch kräftig anstrengen, resultiert daraus ein Schnitt von 6,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Für ein Auto das auf dem Umweltlabel  ein A+ trägt dann vielleicht doch etwas zu viel. Sehr positiv fällt in diesem Zusammenhang der große Tank mit 70 Liter Volumen auf. Mit diesem Vorrat sind Reichweiten von über 1000 Kilometer möglich.


Der Langstreckenkomfort ist sehr gut, die bequemen Sitze und die zugfreie Klimatisierung lassen die Insassen auch nach langen Etappen frisch aussteigen. Auf der Autobahn zieht der Kia ruhig seine Bahn, ein stabiler Geradeauslauf und der angemessene Federungskomfort – nicht zu hart und nicht zu weich – machen auch lange Strecken absolut erträglich. Die Stadt ist eher nicht das Metier des großen Kia. Auf Kanaldeckeln wirkt das Fahrwerk, zumindest mit den optionalen 18-Zoll-Rädern etwas hölzern, die Übersichtlichkeit lässt an der einen oder anderen Ecke doch zu wünschen übrig.

Fazit

Im schmalen Segment der Reiselimousinen ist der Kia Optima angesichts des äußerst attraktiven Preises und der tollen Ausstattung eine sehr gute Alternative, auch wenn der einzige verfügbare Diesel-Motor dafür eigentlich fast ein wenig klein dimensioniert wirkt. Bei der deutschen Konkurrenz steckt auf Wunsch jedenfalls wesentlich mehr unter der Haube. In der Praxis fehlt es jedoch an nichts und Fahrleistungen sind ja nun wirklich nicht alles.