Vergleichstest:

Kia Rio 1.0 T-GDI 100 und Seat Ibiza 1.0 EcoTSI

25.10.2017

Mit kleinen Einliter-Motoren wollen der Seat Ibiza und der Kia Rio den Geldbeutel schonen und dennoch Fahrfreude bieten.

Ein Kleinwagen für etwas mehr als 15.000 Euro, mit ungefähr 100 PS bei rund 1,1 Tonnen Leergewicht, ja das könnte Freude bereiten. Dieses Rezept ist schließlich altbewährt und keineswegs so unvernünftig, wie es sich zunächst vielleicht anhört. Nicht umsonst haben fast alle Hersteller so etwas im Angebot: nicht zu teuer, nicht zu trinkfreudig und dank vier Türen und praktischer Heckklappe auch problemlos als Erstwagen zu nutzen. Aus dem breiten Angebot das Richtige auszuwählen, ist jedoch nicht ganz leicht.

Der Ibiza nutzt die gleiche Technik wie der VW Polo

Ganz neu, oder zumindest grundsätzlich überarbeitet ist das Angebot von Seat. Der Ibiza ist auch in der aktuellen Version wieder ein Derivat des VW Polo, getreu der Markenphilosophie, aber mit spitzem Stift gezeichnet und auch ebenso kalkuliert. Ab 12.490 Euro ist der scharfkantige Spanier zu haben, dann allerdings nur mit 65 PS und karger Ausstattung. Topmodell ist vorläufig der Ibiza FR mit 150 PS für 21.090 Euro, die 95-PS-Version des Turbo-Dreizylinders ab 17.190 Euro ist also so etwas wie die goldene Mitte.

Kia hat gleich zwei 100 PS-Motoren im Angebot

Bei Kia, der Marke, die in den letzten zehn Jahren einen Design- und Qualitätssprung ohnegleichen hingelegt hat, gibt es den ebenfalls noch frischen Rio für ganz ähnliche Summen. Bei 11.690 Euro und 84 PS beginnt die Liste, ganz oben lassen es die Koreaner bei 20.390 Euro und 120 PS gut sein. Den 100 PS starken Dreizylinder-Turbo gibt es ab 16.890 Euro. Das sind 300 Euro mehr als für den 99 PS starken 1,4-l-Vierzylinder, den es ebenfalls noch gibt. Auf dem Papier spricht viel für das hubraumschwächere Aggregat, außer man möchte unbedingt eine Automatik. Die gibt es nur beim älteren Vierzylinder. Der Vorteil der kleinen und leichten Dreizylinder, und das gilt für beide Autos, ist, dass die Einliter-Triebwerke knausriger mit dem kostbaren Sprit umgehen und auch weniger Gewicht auf die Vorderachse bringen als hubraumstärkere Vierzylinder.

Benziner mit Diesel-Charakteristik

In der Tat gehen beide Motoren erfrischend stramm zur Sache, wobei der Seat-Motor lebendiger und drehfreudiger wirkt. Ein Blick auf die technischen Daten verrät, dass im Kia die Höchstleistung auch schon ab 4500 Touren anliegt, bei Seat erst bei 5000 Touren. Auch darüber ist noch Leistung vorhanden, doch erinnern diese Benziner in ihrer linearen Leistungsabgabe insgesamt fast schon an Diesel. Viel schalten muss man dank des früh anliegenden Drehmoments nicht, beide Konkurrenten belassen es daher auch bei fünf Vorwärtsgängen. Allerdings ist das Getriebe beim Kia sehr lang übersetzt. So reicht der dritte Gang beim vollen Ausdrehen bis Tempo 160. An Steigungen ist der Rio deshalb meist einen Gang niedriger unterwegs, um dem spritzigen Ibiza folgen zu können. Das konterkariert natürlich den eigentlichen Sinn der langen Übersetzung: nämlich auf Grund des niedrigen Drehzahlniveaus Sprit zu sparen. Grundsätzlich klafft bei diesen kleinen Motoren eine große Lücke zwischen dem Verbrauch auf dem Prüfstand und dem in der Praxis.

Verbrauch hängt stark von der Fahrweise ab

Flott bewegt sind es doch rund sieben Liter, die auf 100 Kilometern durch die Brennräume pfeifen. Es ist bei gleichmäßiger, ruhiger Fahrt jedoch auch möglich, eine Fünf auf die Anzeige des Bordcomputers zu zaubern. Jede längere Beschleunigungsphase ruiniert diesen Schnitt jedoch sofort. Von nichts kommt nun einmal nichts.

Die knurrigen Lebensäußerungen der Dreizylinder sind im Innenraum deutlich zu vernehmen, nehmen aber selbst auf langen Strecken kein störendes Ausmaß an. Das geringe Leergewicht von rund 1,1 Tonnen kommt ja nicht von ungefähr: Neben den kleinen Motoren trägt auch der Verzicht auf allzu dicke Dämmmatten seinen Teil dazu bei.

Radstand wie sonst in der Kompaktklasse

Was ebenfalls auffällt, sind die Ruhe und die Sicherheit, die diese Autos hinter dem Steuer verströmen. Kein Wunder, sind beide doch dem Kleinwagen-Format im Grunde schon entwachsen. Mit einem Gardemaß von über vier Metern und vor allem den langen Radständen von nahezu 2,6 Metern sind diese Fünftürer denkbar weit von der rasenden Hutschachtel entfernt. Der Geradeauslauf ist hier wie dort entspannt, die Lenkungen wirken präzise und stellen sauber in die Mittellage zurück. Natürlich profitieren auch Federungskomfort und Platzangebot vom langen Radstand. Hinten können auch Erwachsene sitzen und werden nicht übermäßig durchgeschüttelt. Relativ klein sind allerdings die Kofferräume, wobei sich diese durch Umlegen der Rücksitze vergrößern lassen.

Komplettpaket bei Kia, mehr Individualität beim Ibiza

Die Ladeöffnung ist beim Kia etwas nutzerfreundlicher, da ein Teil der Rückleuchten in die Klappe integriert ist. Der doppelte Ladeboden sorgt für eine weitgehend ebene Fläche, wenn die Rücksitzlehnen umgeklappt sind.

Die Konnektivität steht vor allem bei jungen Käufern hoch im Kurs. Bei Seat ist die Integration des Handys mittels „Full Link“ (190 Euro) möglich, dazu können mittels der „ConnectApp“ zusätzliche Infos und E-Mails abgerufen werden. In der Mittelkonsole kann für 200 Euro Aufpreis sogar induktiv geladen werden. Kia belässt es vorerst bei Android Auto bzw. Apple CarPlay und dem hauseigenen Dienst „Kia Connected Services“. Es sind diese und andere Ausstattungsdetails, die letztendlich den Unterschied zwischen diesen beiden Flitzern ausmachen. In der Ausstattungsversion „Spirit“ ist der Kia Rio für 18.790 Euro ein nahezu komplett ausgestattetes Auto, dem nur noch das Navigationssystem für 590 Euro fehlt. Der Seat Ibiza lässt sich ebenso aufrüsten und zwar individuell. Allerdings können sich die vielen begehrenswerten Einzeloptionen letztendlich zu einem stolzen Preis summieren. Einem Preis, für den es auch in der Kompaktklasse schon gute Angebote gibt. Wobei sich die Frage stellt, ob mehr Karosserie überhaupt erstrebenswert ist. Mehr Spaß als in diesen 100-PS-Vernunftsflitzern kann man kaum haben.

Technische Daten

Kia Rio 1.0 T-GDI 100

Seat Ibiza 1.0 EcoTSI

Hubraum cm3

998

999

Zylinder/Schadstoffklasse

3/Euro 6

3/Euro 6

Leistung kW(PS)/min-1

74(100)/4500

70(95)/5000

max. Drehmoment Nm/min-1

172/5000

175/1500

max. Geschwindigkeit km/h

186

182

0 bis 100 km/h s

10,7

10,9

Karosserie

fünftürig

fünftürig

Länge/Breite*/Höhe mm

4065/1725/1450

4059/1780/1444

Radstand mm

2580

2564

Spurweite v/h mm

1518/1524

1525/1505

Leergewicht/Zuladung kg

1155/445

1122/593

Anhängelast ung./gebr. kg

450/1110

560/1000

Dachlast/Stützlast kg

70/75

75/75

Kofferraum (VDA) l

325 bis 1103

355 bis 1165

Reifendimension

185/65 R 15

185/65 R 15

Tankinhalt/Reichweite l/km

45/1000

40/851

ACE-Testverbrauch l/100 km

7,1 S

7,4 S

Verbrauch EG-Mix l/100 km

4,5 S

4,7 S

Kohlendioxid-Ausstoß g/km

102

106

Versicherung HK/TK/VK

17/19/18

16/17/17

Testwagenpreis Euro

20.740

24.089

Grundpreis ab Werk Euro

16.890

15.240

*Ohne Außenspiegel