Fahrbericht:

Mazda2 – Ziemlich erwachsen, der Kleine

05.10.2018

Wem die Platzverhältnisse eines Kleinwagens genügen, der bekommt mit dem Mazda2 ein zuverlässiges Auto, das sich opulent ausstatten lässt. Aber dafür muss der Kunde auch ganz schön tief in die Tasche greifen.

Kleinwagen nähern sich immer mehr ihren größeren Markengeschwistern – in Optik und Komfort. Bestes Beispiel ist der Mazda2, der sich hinter dem kompakten Mazda3 nicht zu verstecken braucht. Kein Wunder, er ist ja auch ordentlich gewachsen. Um ganze 14 Zentimeter, der Radstand um 9 Zentimeter. Vom Wachstumsschub profitieren allerdings großgewachsene Hinterbänkler nicht – sie drücken ihre Knie weiterehin ins Polster der Vordersitzlehne.

Nicht zu sportlich, aber auch nicht zu brav haben die Designer das Blechkleid des Mazda2 geschneidert. Es fällt auf ohne zu polarisieren. Besonders die Front mit viel Chrombesatz und den schwungvoll gestalteten LED-Scheinwerfern verleiht dem Kleinen einen guten Wiedererkennungswert in der Masse seiner Artgenossen.

Kizoku – das Edle und Ehrenwerte hat seinen Preis

Das Edle und Ehrenwerte hat in der japanischen Kultur einen Namen: Kizoku. In der Mazda-Ausstattungsliste ist Kizoku oder Kizoku Intense die High-End-Version. Was bei unserem Testwagen (Kizoku) mit dem 90 PS-starken 1,5-Liter Ottomotor den Kaufpreis um weitere 4000 Euro nach oben treibt. Zwar stehen wertvolle Fahrassistenten bei jeder Fahrt zu Diensten, Fernlicht-, Spurhalte- und Spurwechsel- sowie ein Notbremsassistent unterstützen den Fahrer. Das Lenkrad lässt sich sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe verstellen. Auge und Handflächen erfreuen sich an viel Chrom, Lederbesatz an Lenkrad, Schalt- und Handbremshebel. Schalter und Lüftungsdüsen wirken hochwertig und lassen sich ohne lästige Fummelei bedienen und justieren. Praktisch: Über einen zentralen Dreh-Drück-Schalter in der Mittelkonsole sind die Funktionen des Navi-Infotainment-Konnektivitätssystems einfach zu bedienen.

Sonnenblenden sorgen für Geräuschkulisse

Schade nur, dass die Ingenieure vergessen haben, sich der Sonnenblenden anzunehmen. Diese scheppern beim Zurückklappen lautstark. Das Geräusch rüttelt auf und sorgt für einen „Hallo-Wach-Effekt“. Auch das Schließen der Türen klingt blechern, das fällt inzwischen schon auf und führt zu einem falschen Eindruck. Denn sobald der Startknopf gedrückt ist, lässt sich der kleine Mazda im Stadtverkehr mit Fahrspaß bewegen. Apropos Fahrer und fahren: Für den Vortrieb sorgte das 1,5-Liter-Top-Triebwerk, das die Abgasnorm Euro 6d-TEMP erfüllt. Der Vierzylinder-Benziner leistet 66 kW/90 PS und kommt ohne Turbounterstützung aus. So stehen nur 148 Nm Drehmoment bereit, die zudem erst bei 4000 Umdrehungen ihre volle Durchzugskraft entwickeln. Schalten ist also angesagt, will man so etwas Ähnliches wie Spritzigkeit erleben. An Steigungen geht dem etwas über eine Tonnes schwerem Gefährt schon etwas die Puste aus. Zum Glück ist das Sechsgang-Schaltgetriebe leichtgängig, so dass das Rauf- und Runterschalten keine Anstrengung bedeutete. Im Stadtverkehr ist er hingegen ein flinkes Kerlchen. Und dank umfangreicher Dämmung ist er jetzt leiser unterwegs als sein Vorgänger.

Kombiinstrument stellt Drehzahlmesser groß heraus

Warum aber im Kombiinstrument der Drehzahlmesser groß herausgestellt wird und die Geschwindigkeit nur digital und klein angezeigt wird, bleibt ein Geheimnis der Ingenieure. Von 0 auf Tempo 100 braucht es 9,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 183 km/h erreicht. Als Normverbrauch gibt Mazda 4,9 Liter an. Mit vielen Kurzstreckenfahrten kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von sechs Litern. Der Federungskomfort geht in Ordnung, kurze Bodenwellen mag das Fahrwerk aber nicht.

Nicht gefallen hat der Kofferraum. Das Volumen ist zwar für einen Kleinwagen passabel (280 bis 950 Liter), doch die Rücksitzlehnen lassen sich nicht zu einem ebenen Ladeboden umlegen. Eine unpraktische Stufe bleibt und erschwert neben der hohen Ladekante das Be- und Entladen.

Gut ausgestattet toppt der Kleine seinen Bruder Mazda3 im Preis

Unser Testwagen hatte als Extra noch eine 900 Euro teure, leuchtend rote Metallic-Lackierung auf die schönen Karosserieformen aufgetragen bekommen. Ein Navigationssystem für 690 Euro lässt dann die Investitionssumme auf 19.530 Euro steigen. Nicht schlecht für einen Kleinwagen. Für das Geld könnte man zum Beispiel auch ein ordentlich ausgestattetes Kompaktmodell wie den Madza3 kaufen. Aber wer sich für den Kleinen in dieser teuren Version entscheidet, will vielleicht neben dem Komfort auch die handlichen Abmessungen. Mit einer Breite von 1,98 Meter mit ausgeklappten Spiegeln passt das Fahrzeug auch in Garagen, die nach DIN-Norm erbaut wurden, und in enge Parkhausbuchten.

Mazda2 – Technische Daten

  • Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen, Länge: 4,06 Meter, Breite: 1,70 Meter (mit Außenspiegeln 1,98 Meter), Höhe: 1,50 Meter. Radstand: 2,57 Meter, Kofferraumvolumen: 280-950 Liter
  • 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner, 60 kW/90 PS, maximales Drehmoment: 148 Nm bei 4000 U/min, Vmax: 183 km/h, 0-100 km/h: 9,4 s, Durchschnittsverbrauch nach WLTP: 4,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 111 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-TEMP, Effizienzklasse: C, Testverbrauch: 6,2l/100 km
  • Preis Basismodell: ab 12.890 Euro, Testwagenpreis: 19.530 Euro