Fahrbericht:

Mercedes V 250d Langversion – Die schwäbische Lösung

04.06.2018

Sie sind wenig sexy, nicht gerade handlich und auch nicht besonders günstig. Aber wer sich für eine Großraumlimousine vom Schlage einer Mercedes V-Klasse entscheidet, hat andere Probleme, als im Verkehr zu posen. Zum Beispiel benötigt er Platz und will dabei auf Komfort trotzdem nicht verzichten.

Eigentlich ist es ja immer das Gleiche: Je nach Gusto steht man entweder auf SUV, schöne Limousinen, sportliche Kompakt- oder auch wuselige Kleinwagen. Oder halt auf was anderes. Nur Großraumlimousinen findet kaum jemand sexy, höchstens nützlich. Wenn man dann allerdings ein solches Auto mal zum Test hat, fragt man sich nach einigen Tagen schon, warum diese Fahrzeuggattung so unterrepräsentiert ist. Bietet ein Van der größeren Art doch Platz satt, Fahrleistungen und Komfort wie ein Pkw und ist im Vergleich zu einem Möchtegern-Geländewagen auch noch günstiger und authentischer. So wie die Mercedes V-Klasse, die wir neulich in der Garage stehen hatten.

Großraumlimousine mit viel Komfort

Nun gehört der schwäbische Raumtransporter zwar zweifellos zu den Großraumlimousinen, markiert aber in Sachen Komfort und Preis gleichzeitig auch deren oberes Ende, gemeinsam mit dem immer noch marktführenden Multivan von Volkswagen. Zudem war unser Testwagen mit dem 2,1-Liter-Diesel in der Version mit 190 PS nicht nur gut motorisiert, sondern auch mehr oder weniger komplett ausgestattet – was den Basispreis von knapp 51.000 Euro um über 30.000 Euro nach oben getrieben haben dürfte. Wer also in eine solche V-Klasse steigt, wird vor allem von zwei Eindrücken überwältigt. Erstens: Mann, ist hier viel Platz. Und zweitens: Mensch, der fährt sich ja ganz normal. Tatsächlich gewöhnt man sich an den verschwenderischen Raum sehr schnell. Der kann sogar auch mal Nachteile haben. In der sogenannten Langversion – es gibt auch noch eine kürzere Kompakt- sowie eine noch längere „Extra-lang“-Variante – können auf 5,14 Metern Länge kleinere Gegenstände auch schnell mal in einer der vielen Ablagen und Fächer verschwinden. Aber das wollen wir dem Sternen-Transporter nun wirklich nicht zum Vorwurf machen.

Fahren wie im Pkw

Was immer wieder neu überrascht sind Fahrkomfort und Fahrleistungen. Im Vergleich zu anderen großen, von Nutzfahrzeugen abgeleiteten Vans sitzt man in der V-Klasse einige Zentimeter tiefer, was das Pkw-artige Fahrgefühl unterstreicht. Die 7-Gang-Automatik, die komfortable Federung und die an die schwäbischen Limousinen erinnernde Einrichtung lässt auch sonst überhaupt kein Gefühl von Nutzfahrzeug aufkommen.

Bis zu acht Passagiere finden Platz

Obwohl es dies genau ja ist. Denn je nach gewählter Bestuhlung können bis zu acht Passagiere in drei Sitzreihen mitgenommen werden. Oder halt jede Menge Gepäck. Auch bei der V-Klasse bleibt ähnlich wie beim Multivan und anderen Fahrzeugen dieser Kategorie ein Vorteil bestehen: Man sitzt anders als in von Pkw abgeleiteten Vans dank des gerade Zuschnitts ohne modische abfallende Dachlinie auch in der dritten Sitzreihe recht bequem, bei unserem Testwagen sogar auf edlem Leder. Zudem ist auch der Zugang über in diesem Fall gleich zwei elektrische Schiebetüren mehr als bequem.

Dazu passt der bewährte Diesel-Antrieb. Der Vierzylinder arbeitet auch in anderen Modellen des Konzerns, etwa in den Limousinen, und ist zwar nicht leise, aber durchzugsstark und sparsam. Der Testverbrauch von knapp über 7 Litern kann sich angesichts flotter Fahrweise und häufiger „Beladung“ mit fünf bis sieben Passagieren wirklich sehen lassen.

V-Klasse braucht viel Platz zum Rangieren

Ist also eigentlich eine V-Klasse das ideale Auto? Gemach, denn wo so viele Vorteile sind, lauern natürlich auch Probleme. Eines könnte der für die Marke typische hohe Preis des Fahrzeugs sein, ein anderes dessen schiere Ausmaße. Denn man fährt ja die 5,14 Meter Blech auch dann durch die Gegend, wenn man die darunter verborgenen Kapazitäten nicht nutzt – und das ist ja dann doch meistens der Fall. Hinzu kommt, dass sich das Fahrzeug zwar handlich anfühlt, aber tatsächlich nun doch einen Wendekreis von 11,80 Metern aufweist und man auch beim Rangieren, speziell beim Rückwärtsfahren, somit immer hoch konzentriert bleiben muss.

Wer allerdings den offerierten Platz häufiger benötigt, sei es wegen einer Entscheidung pro Großfamilie, sei es wegen eines ausgefallenen Hobbys, der ist mit Fahrzeugen des Segments „Großraumlimousine“ bestens bedient. Und wer dazu noch das Glück hat, sowohl über genügend Budget, als auch zu Hause und am Arbeitsplatz über ausreichend Parkmöglichkeiten zu verfügen, dem sei ausdrücklich zur Mercedes V-Klasse als besonders komfortablem Vertreter seiner Gattung geraten.

Mercedes V 250d Langversion – Technische Daten

  • Großraumlimousine der Oberklasse; 5-türig (2 Türen, 2 Schiebetüren, 1 Heckklappe) Länge: 5,14 Meter, Breite: 1,93 Meter, Höhe: 1,88 Meter, Radstand: 3,20 Meter, Kofferraumvolumen: 1030 Liter
  • 2,1-Liter-Vierzylinder-Diesel, 140 kW/190 PS, maximales Drehmoment: 440 Nm bei 1400–2400 U/min, 7-Gang-Automatik, 0–100 km/h: 9,1 s, Vmax: 206 km/h, Normverbrauch: 6,0 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 158 g/km, Effizienzklasse: A, Abgasnorm: Euro 6, Testverbrauch: 7,3 Liter
  • Preis: ab 50.885 Euro

Kurzcharakteristik

  • Warum: viel Platz für Passagiere und Gepäck, komfortabel, Verbrauch in Ordnung
  • Warum nicht: man muss sehr viel Auto bewegen, nicht gerade handlich, teuer
  • Was sonst: dann halt doch ein VW Multivan