Fahrbericht:

Nissan Leaf – Ein Typ für alle Fälle

25.04.2017

Mit einer von 24 auf 30 kWh vergrößerten Batterie und praxistauglicher Reichweite von rund 200 Kilometern geht das meistverkaufte Elektroauto Europas in die nächste Runde.

Der erste Kontakt mit dem meistverkauften Elektroauto Europas fällt positiv aus: Auf dem Display stehen bei 100 Prozent Ladung satte 199 Kilometer Reichweite. Mehr als genug für einen beispielhaften Arbeitsweg von 40 Kilometern. Einmal hin, einmal zurück und danach noch ein paar kleine Erledigungen – nach 96 echten Kilometern stehen aber nur noch 41 Kilometer Restreichweite auf der Uhr. Wo sind die fehlenden 50 Kilometer geblieben? Ganz einfach: Auf der Autobahn. Wer nämlich zwischendurch ausprobiert, wie schnell der Leaf maximal rennt, bekommt sofort die Quittung dafür. Knapp über 150 km/h sind möglich, wobei das für den Viertürer keine wirkliche Herausforderung zu sein scheint. Für die Batterie aber offensichtlich schon.

Knappe Zuladung für fünf Erwachsene plus Gepäck

Fünf Personen finden im Leaf Platz, der Kofferraum fasst 370 Liter. Sollte das einmal nicht reichen lässt er sich durch Umlegen der Rückbank auf 720 Liter vergrößern. Die Zuladung beträgt auf Grund der schweren Batterie allerdings nur 395 Kilogramm. Für große Menschen ist die Sitzposition etwas zu hoch, schade auch, dass das Lenkrad nicht in der Weite verstellbar ist. Das Fahrwerk ist straff, der Geradeauslauf gut. Alles wie bei einem normalen Auto. Bis auf die fehlende Geräuschkulisse und das etwas zu synthetische Gefühl im Bremspedal. Typisch Elektroauto, denn beim Lupfen des Fahrpedals wird zunächst einmal rekuperiert, also Strom in die Batterie zurückgeführt. Erst wenn die dadurch entstehende Verzögerung nicht ausreicht, muss das Bremspedal bemüht werden. Das Zusammenspiel zwischen den Scheibenbremsen und der Bremswirkung durch den Elektromotor ist etwas gewöhnungsbedürftig. Mit etwas Übung und vorausschauender Fahrweise wird das Bremspedal jedoch bald schon links liegen gelassen. Obwohl der Leaf eher sanft rekuperiert und dabei nicht so stark verzögert wie beispielsweise der BMW i3. Um den Effekt zu verstärken, kann der Gangwahlhebel auch in Stellung „B“ gerückt werden.

Laden mit 230 Volt geht zu langsam

Ein anderes Kapitel ist das Laden: An der 230-Volt-Dose dauert es definitiv zu lang. Der Leaf nuckelt mit 10A/2,3 kW nur ganz vorsichtig an der Haushaltssteckdose. So zeigt die Anzeige nach acht Stunden nur einen Ladestand von 83 Prozent an. Was laut Anzeige immerhin wieder für 152 Kilometer reichen soll. Echte 78 Kilometer später ist die Anzeige schon wieder runter auf 36 km und 19 Prozent. Um die in Aussicht gestellte Reichweite zu schaffen sollte man auf der Autobahn nicht schneller als 120 km/h fahren. Alternativ kann am Lenkrad eine ECO Taste bemüht werden, die rund 10 Kilometer mehr Reichweite bringt, dem Leaf allerdings auch einen Großteil seiner Spurtstärke raubt. Obwohl die umgerechnet 109 PS der E-Maschine ohnehin nicht übertrieben stark wirkt.

Ladebuchse an der Front ist eine gute Idee

Sehr viel schneller geht das Laden an der öffentlichen Ladesäule. Mit dem Typ 2 Stecker, der an allen Säule zu finden ist, wird schon mit bis zu 32 A/7,4 kW geladen. Das dauert dann drei bis vier Stunden, das entsprechende Kabel muss dazugekauft werden. Schon lange vor dem Ende des acht Stunden- Arbeitstages ist die Batterie damit wieder randvoll. Doch es geht noch schneller: Sofern die Säule den CHAdeMO-Modus unterstützt, sind bei einem fast leeren Akku nach 30 Minuten wieder 80 Prozent Ladung vorhanden. Damit sind auch Strecken von 400 Kilometern oder mehr vorstellbar. Wann genau es so weit ist, lässt sich sowohl über das Internet, als auch über eine App auf dem Smartphone beobachten. Sehr geschickt ist übrigens die Position des Stromanschlusses an der Schnauze des Leaf. So kann man immer in einem Zug nahe an die Säule fahren, ohne umständlich rückwärts rangieren zu müssen.

Vorklimatisierung per Handy sehr angenehm im Winter

Artgerecht behandelt, steigt die Reichweite auf dem Bordcomputer sofort an. 185 km sollten selbst im Winter möglich sein. Sehr angenehm dabei: Der Leaf kann per Handy-Fernsteuerung vom Frühstückstisch aus vorgewärmt werden. Das lästige Kratzen und die dicke Jacke hinter dem Lenkrad entfällt. Für weitere Bequemlichkeit gibt es ein Winterpaket mit Lenkrad- und Sitzheizung. Ja, so ein Elektroauto hat auch im Winter tatsächlich seine Vorteile.

Batterie kann gemietet oder gekauft werden

Gegenüber dem immer noch erhältlichen Modell mit der kleineren Batterie (ab 23.365 Euro) kostet die um mindestens 50 Prozent gesteigerte Reichweite 2000 Euro Aufpreis. Allerdings muss dann die Batterie dazu gemietet werden, was je nach Vertrag 79 bis 142 Euro monatlich kostet. Wer die Batterie sein eigen nennen möchte, muss 5900 Euro drauflegen. Das komplett ausgestattete Topmodell Tekna mit großer Batterie kommt demnach auf 36.785 Euro. Viel Geld, doch mit Blick auf die Konkurrenz ein preiswertes Angebot.

Technische Daten des Nissan Leaf

Kompaktwagen, fünftürig, fünf Sitzplätze; Karosserie: Länge/Breite/Höhe: 4445/1770/1550 mm, Radstand 2700 mm, Kofferraum 370 bis 720 l (VDA), Leergewicht 1525 kg, Fahrleistungen: 0-100 km/h 11,5 s, Höchstgeschwindigkeit: 144 km/h (abgeregelt)

Antrieb: Leistung 80 kW(109 PS), Drehmoment 254 Nm, Batteriekapazität 30 kWh