Fahrbericht:

Nissan Micra – Nur der Name ist geblieben

19.01.2017

Nissan-Micra Fans müssen jetzt ganz stark sein. Die fünfte Generation des japanischen Kleinwagen ist weder ein Knuddelchen noch besonders süß. Die Neuauflage ist vielmehr ziemlich erwachsen geworden und was auf die Ohren gibt es auf Wunsch auch noch.

Der Micra ist für Nissan eine Erfolgsgeschichte. Der Kleinwagen verkaufte sich in Europa seit 1983 bis heute mehr als 3,5 Millionen Mal. Davon fanden über 650.000 Micra ein Zuhause in Deutschland. Die fünfte Generation, die ab Mitte März zu Preisen ab 12.990 Euro bei den Händlern steht, soll nun besonders an die Erfolge der ersten und zweiten Modelljahrgänge anknüpfen. Dazu spendiert Nissan seinem Kleinwagen ein vergleichsweise schickes Blechkleid, ein peppiges Interieur, moderne Infotainment- und Assistenzsysteme sowie sparsame Motoren.

Der neue Micra zeigt Kante

 

Wer bei dem Namen Micra einen süßen und Frauenherzen zum Schmelzen bringenden Kleinwagen assoziiert, muss jetzt umdenken. Nur der Name ist noch vertraut, alles andere am Fahrzeug bricht mit bisherigen Konventionen. Also weg vom Charmebolzen-Image und hin zum erwachsenen Kleinwagen. Die Verwandlung zeigt sich auf den ersten Blick. Statt gestaucht, hoch und rundlich kommt der Neue gestreckt, flach und muskulös vorgefahren. Er nimmt gestalterische Anleihen bei Juke und Qashqai, setzt mit seinen großen dominanten Leuchten – keine Kulleraugen-Scheinwerfer mehr – Designschwerpunkte und will lieber ein Wilder als ein Lieber sein. Dazu passt auch die farbenfrohe und –intensive Lackpalette, die durch Folierung und durch die farbliche Kontrastgestaltung von Anbauteilen wie Außenspiegelgehäusen noch betont werden kann.

Innenraum ist gewachsen

 

Im Vergleich zur vierten Generation hat der Fünftürer um 17 Zentimeter auf eine Länge von 4 Metern zugelegt. Gleichzeitig wurde er breiter und flacher. Der Längenzuwachs ermöglicht ordentliche Platzverhältnisse und viele praktische Ablagen für die Insassen. Allerdings sollten auf der Rückbank nur zwei Personen mitfahren und diese sollten auch nicht zu lange Gliedmaßen haben. Die abfallende Dachlinie geht zudem zu Lasten der Kopffreiheit der Fondnutzer. Fahrer und Beifahrer können jedoch den Raumgewinn genießen, man kommt seinem Sitznachbarn nicht zu nahe. Apropos Sitze: Diese geben für einen Kleinwagen recht ordentlichen Halt; die Sitzauflagen könnten zwar etwas länger sein, insgesamt ist der Komfort aber gut. Das Kofferraumvolumen überzeugt mit Werten von 300 bis maximal 1.004 Litern. Leider entsteht beim Umklappen der Rücksitzlehnen eine kleine Stufe.

Hippes Design beim kleinen Nissan

 

Damit erst keine tristen Gedanken aufkommen, lässt sich das Interieur mit rot-, blau- oder orangefarbenen Applikationen beziehungsweise Lederversatzstücken pimpen. So ausgestattet ist man durchaus hipp unterwegs, eine gewisse Farbenblindheit erleichtert dann aber das Betrachten von Armaturenbrett, Polstern und Türeinsätzen. Oder man bleibt konservativ und bleibt den schwarz-grauen Designvorschlägen ab Werk treu.

Geschmacklich unumstrittener dürften das zentrale Display (Serie ab Acenta) für die Darstellung der wichtigsten Fahrinformationen sowie der 7 Zoll große Touchscreen für die Bedienung von Multimedia, Navigation oder die Einbindung von Smartphones sein. Beide sind gut ablesbar und einfach zu bedienen. Zur Markteinführung ist übrigens nur Apple CarPlay verfügbar, das entsprechende Android-Angebot wird wohl noch ein Jahr auf sich warten lassen.

Motorisierung

 

Zum Marktstart erhältlich sind dagegen drei Motoren – zwei Benziner und ein Diesel. Die Aggregate stammen vom Konzernpartner Renault. Basistriebwerk ist der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 54 kW/73 PS, der bereits aus dem Dacia Logan bekannt ist und beim Micra mit Verbrauchsnormwerten je nach Ausstattung zwischen 4,6 und 4,9 Litern aufwartet. Für dieses entscheiden sich nach Einschätzung von Nissan 20 Prozent der Käufer, das sind doppelt so viele wie für den 1,5-Liter-Diesel mit 66 kW/90 PS, der sich durchschnittlich mit 3,2 Litern für die Wegstrecke von 100 Kilometern begnügt. Das Gros der Kunden wird hier zu Lande den 0,9-Liter-Turbo mit ebenfalls 90 PS goutieren.

Fahrverhalten

 

Ein leichter Tritt aufs Gaspedal, schon bringt der Turbo den Kleinen zum Losspurten. Dabei agiert der Dreizylinder leise, angestrengt klingt anders. Das Schalten darf man natürlich nicht vergessen, die 140 Nm wollen bei Laune sprich auf Abruf gehalten werden, um die und 1,0 Tonnen Leergewicht flott in Vortrieb um zusetzen. Also wird die Bandbreite des Fünfgang-Getriebes fleißig genutzt. Der Standardspurt kann in 12,1 Sekunden absolviert werden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 175 km/h angegeben. Das Fahrwerk haben die Nissan-Ingenieure artgerecht und passend zum Charakter eines Kleinwagens abgestimmt, nicht zu hart, aber auch nicht zu weich. Die Grundeinstellung spricht den gelassenen Fahrer an. Als Normverbrauchswert gibt Nissan 4,4 bis 4,6 Liter an. Bei den ersten entspannten Ausfahrten zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern an. Wer einen schnelleren Vortrieb liebt, muss sich noch gedulden. Ein 120 PS-Triebwerk wird die Motorenpalette ergänzen.

Preise und Extras

 

Passend zum neuen Image gibt man sich auch bei der Preisgestaltung erwachsen. In Kombination mit der wohl am meisten nachgefragten Ausstattungsversion Acenta steht der Micra mit dem kleinen Turbo ab 17.190 Euro in der Preisliste. Willkommen in der modernen Welt der Kleinwagen! Bucht man noch einige Extras wie die elektronischen Helfer wie Totwinkel-, Spurhalte- oder Fernlichtassistenten oder die 360 Grad-Umgebungskamera, Leichtmetallfelgen, Navi oder die Zutaten für die farbenintensive Individualisierung hinzu, ist die 20.000 Euro-Marke schnell erreicht. Ach ja: Wer will, kann sich auch etwas für seine Ohren können. Eine Bose-Soundanlage mit Lautsprechern in den vorderen Kopfstützen sorgt für ein sattes Klangerlebnis. Auch in dieser Hinsicht gibt sich der Micra nun als Großer.

Kurzcharakteristik

 

  • Warum: weil er das Frauenauto-Image nun abgelegt hat
  • Warum nicht: der Knuddel-Effekt fehlt
  • Was sonst: Renault Clio, Toyota Yaris, Opel Corsa, Ford Fiesta, VW Polo
  • Kommt wann: Mitte März 2017
  • Was sonst: ein stärkerer Benziner mit ca. 120 PS, ein CVT-Getriebe, Android für die Smartphone-Anbindung

Technische Daten

 

Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen, Länge: 4,0 Meter, Breite: 1,73 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 1,94 Meter), Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,53 Meter, Kofferraumvolumen: 300 – 1.004 Liter

Antriebe

  • 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, 54 kW/73 PS, Fünfgang-Getriebe, maximales Drehmoment: 95 Nm bei 3.500 U/min, Vmax: 161 km/h, 0-100 km/h: 15,1r s, Durchschnittsverbrauch: 4,6 – 4,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 107 - 115 g/km, Effizienzklasse B, Abgasnorm Euro 6,
    Preis: ab 12.990 Euro [Visia]
  • 0,9-Liter-Turbo-Dreizylinder-Benziner, 66 kW/90 PS, Fünfgang-Getriebe, maximales Drehmoment: 140 Nm bei 2.250 U/min, Vmax: 175 km/h, 0-100 km/h: 12,1 s, Durchschnittsverbrauch: 4,4 – 4,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 99 - 104g/km, Effizienzklasse B - C, Abgasnorm Euro 6,
    Preis ab 15.790 Euro [Visia plus]
  • Diesel: 1,5-Liter-dci, 66 kW/90 PS, Fünfgang-Getriebe, maximales Drehmoment: 220 Nm bei 2.000 U/min, Vmax: 179 km/h, 0-100 km/h: 11,9 s, Durchschnittsverbrauch: 3,2 – 3,5 l/100 km, CO2-Ausstoß: 85 – 92 g/km, Effizienzklasse A+, Abgasnorm Euro 6,
    Preis ab 16.190 Euro [Visia]