Fahrbericht:

Renault Kadjar – Passt schön

11.03.2016

Ein kompaktes SUV-Fahrzeug darf heute offensichtlich bei keinem Hersteller fehlen. Auch nicht bei Renault – wobei die Franzosen aus der Not eine Tugend machen.

Renault ist nicht unbedingt bekannt für geländegängige Fahrzeuge. Auch nicht für solche, die danach aussehen. Der französische Vollsortimenter steht eher für Modelle von praktisch-geräumig bis komfortabel-unaufdringlich. Der Markt verlangt aber anscheinend anderes, die sogenannten SUVs verkaufen sich wie geschnitten Brot. Renault hat sich diesem Thema bisher nur halbherzig genähert: Da gab es bereits einen Versuch namens Kaleos und aktuell den kompakten Captur. Richtig Nachfrage ist jedoch in der Klasse des VW Tiguan und Nissan Qashqai.


Da trifft es sich gut, dass die Franzosen mit den Japanern von Nissan schon vor Jahren eine weitreichende Kooperation eingegangen sind. Tatsächlich basiert der Kadjar auf dem Qashqai – rund 60 Prozent der nicht sichtbaren Teile sollen identisch sein.

Karosserie und Innenausstattung


Nicht so die Karosserie: Abgesehen von der mutigeren Formgebung ist diese auch acht Zentimeter länger und bietet 42 Liter mehr Kofferraum als der japanische Bestseller.


Für Platz ist also gesorgt, was sowohl auf den vorderen als auch auf den hinteren Plätzen angenehm auffällt. Zudem ist die Renault-Handschrift sofort zu erkennen: Die Sitze sind tendenziell weich gepolstert, bieten aber trotzdem noch genug Seitenhalt. Das Gleiche gilt für das angenehm weich abgestimmte Fahrwerk, das auch schlechte Straßen souverän glattbügelt, ohne dabei ein schaukeliges oder unsicheres Gefühl zu verbreiten.


Das Cockpit ist bunt, aber dennoch übersichtlich gehalten. Der etwas träge reagierende Touchscreen dürfte allerdings, angesichts der enormen Funktionstiefe, auch gern weiter oben im Sichtfeld angebracht sein.

Motorisierung beim Kadjar


Unter der Haube des Testwagens sitzt der laufruhige und souverän agierende 130 PS starke Diesel, als eine von nur drei möglichen Motorisierungen. Und mit Sicherheit die passendste, schließlich ist der Kadjar weder ein sehr kleines noch sehr leichtes Auto. Alternativ sind auch ein 110 PS starker Diesel und ein 1,2-l-Benziner mit 130 PS zu haben, der naturgemäß nicht so durchzugsstark sein kann wie die Diesel. Ein paar Einschränkungen erlaubt sich Renault, vermutlich auch im Sinne einer schlanken Produktion: Nur für den starken Diesel ist gegen Zuzahlung von 2000 Euro ein Allradantrieb verfügbar, nur für den kleinen Diesel dagegen ein automatisiertes Schaltgetriebe, das im Übrigen genauso viel Aufpreis kostet wie der Sprung von 110 auf 130 PS.

Ausstattung und Preise des Renaults


Drei Ausstattungslinien, "Experience", "XMod" und "Bose Edition", erlauben dennoch genügend Individualität. Dazugerechnet werden muss in nahezu allen Fällen das mit 890 Euro gerade noch erschwingliche R-Link-2-Navigationssystem (Serie bei Bose-Edition) oder auch das Safety-Plus-Paket mit Totwinkel-Warner, Notbremsassistent und 360-Grad-Sensorik. Als Luxus-Optionen stehen noch Lederpolsterung und Panorama-Glasdach zur Verfügung.


Als reiner Marketing-Gag muss das mit 19.990 Euro sehr günstige Einstiegsmodell "Life" mit Benzinmotor gelten. Die Preisliste verweigert hier nicht nur sämtliche Assistenzsysteme bis hin zum Parkpiepser, sondern selbst so profane Dinge wie Dachreling und Leichtmetallfelgen. Realistisch betrachtet wandert der Preis des Kadjar also eher in Richtung 30.000 Euro, was angesichts der Ausstattung und des Konkurrenzumfeldes immer noch als preiswert gelten muss.

Fazit

Als Spätzünder in diesem Segment hat Renault eigentlich alles richtig gemacht: Die technische Basis passt, das Äußere ist extravagant genug, um eigenständig zu sein – ohne aber, wie beim Kaleos, zur reinen Geschmackssache zu werden.