Fahrbericht:

Renault Koleos – Asiat mit französichen Charme

05.10.2017

Der Renault Koleos ist der edlere Cousin des Nissan X-Trail. Sein französischer Charme steht ihm gut, kann aber auch nicht jede Schwäche überdecken.

Der Renault Koleos und derselben Plattform basierende Nissan X-Trail haben ihre Rollen auf dem deutschen Markt gefunden. Während der Japaner den kernigen Alltagshelfer gibt, spielt der Franzosen den edlen Reisewagen. Das klappt ganz gut, wenn auch nicht hundertprozentig.

Üppiges Raumangebot im Koleos

Zunächst einmal macht der Koleos ordentlich Eindruck: Knapp 4,70 Meter Länge, eine wuchtige Front mit eindrucksvollem Kühlergrill und stolzer Renault-Raute lassen den SUV deutlich präsenter wirken als seinen Nissan-Schwager, der immer etwas nach gestrecktem Qashqai aussieht. Auch im Innenraum setzt der Franzose eigene Akzente mit einem sehr aufgeräumt und hochwertig wirkenden Cockpit. Wichtigster Unterschied aber: Renault verzichtet auf eine optionale dritte Sitzbank und stellt das ganze üppige Platzangebot damit maximal fünf Passagieren zur Verfügung. Die sitzen vorne luftig und hinten fast wie in einer Oberklasselimousine. Wo der X-Trail auf Vielseitigkeit und Praxisnutzen setzt, kostet man im Koleos kompromisslos den räumlichen Luxus aus. Das fällt es auch nicht ins Gewicht, dass im Gegenzug der extrem üppige Gepäckraum etwas kleiner ausfällt als beim Nissan.

Die Basisversion des Renault bietet eine gute Grundausstattung

Die Akzentverschiebung weg vom Praxis- hin zum Komfortaspekt des SUV-Fahrens schlägt sich auch in der Ausstattungspolitik nieder. Der Renault ist zwar rund 3.000 Euro teurer als der Nissan, dafür aber bereits in der Basisversion sehr wohnlich ausgestattet. So gibt es eine Zweizonen-Klimaautomatik, Stoff-Leder-Sitze, Ambiente-Beleuchtung und ein Navigationssystem inklusive DAB-Radio. Der Testwagen kam in der Top-Ausstattung „Initale Paris“ (ab 44.500 Euro) daher und hatte Nappalederpolster, eine Bose-Audioanlage, mannigfach verstellbare und belüftete Sitze sowie eine elektrische Heckklappe dabei.

Sogar eine Akustikverglasung gehört beim Top-Modell zur Ausstattung. Und hier fangen die Problemchen an. Denn so schick der Innenraum aussieht, so gut er auch verarbeitet ist und so bequem man sich platziert – der Premiumeindruck verflüchtigt sich beim Starten des Motors bald. Der 2,0 Liter große Diesel ist zwar kein außergewöhnlicher Unruhestifter, leitet aber seine Vibrationen spürbar in den Innenraum ab und ist vor allem kurz nach dem Start auch deutlich hörbar. Das will nicht richtig zu dem edlen Ambiente passen. Vor allem, da das optionale stufenlose Getriebe den Vierzylinder beim anschließenden Anfahren und Beschleunigen immer etwas angestrengt klingen lässt. Ansonsten ist an dem 130 kW/177 PS starken Motor nichts auszusetzen, hat er doch ausreichenden Durchzug und kommt schnell auf Reisetempo. Der Verbrauch geht mit knapp acht Litern ebenfalls noch in Ordnung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das eh schon große und schwere SUV auch noch die Zusatzkilos des Allradantriebs mitschleppen muss. Gerade auf Langstrecken überzeugt der Motor und passt gut zum entspannten, komfortorientierten Fahrverhalten des großen Wagens.

Den Koleos gibt es nur in zwei Diesel-Varianten

Generell ist das Motorenprogramm aber die Schwäche des Koleos. Anders als Nissan verzichtet Renault komplett auf Benziner und bietet stattdessen zwei Diesel an, beide aber ohne SCR-Abgasreinigung. Der kleinere der beiden Selbstzünder (96 kW/130 PS) ist ausschließlich mit Frontantrieb zu haben, der größere nur als Allrader. Das lässt sich verschmerzen. Einige potenzielle Kunden dürften sich allerdings ärgern, dass als einzige Automatikoption das hierzulande wenig beliebte stufenlose Getriebe angeboten wird. Auch im Koleos kann die CVT-Box nicht alle Vorbehalte vor allem bei der Akustik hinwegfegen.

Unterm Strich wird der außen wie innen durchaus gelungene Koleos von zwei Seiten in die Zange genommen. Zum einem vom Nissan X-Trail mit seiner größeren Variantenzahl, zum anderen vom Renault Espace. Der Crossover-Van ist zwar etwas teurer und muss ohne Allradantrieb auskommen, bietet aber ebenfalls mehr Auswahl beim Antrieb. Inklusive eines Doppelkupplungsgetriebes. Wer aber im Portfolio des Renault fündig wird, wird auch durchaus gut bedient und erhält zusätzlich zur bewährten X-Trail-Technik einen guten Schuss französischen Charme.

Kurzcharakteristik – Renault Koleos

  • Warum: weil der Koleos einen starken Auftritt hat
  • Warum nicht: weil das Antriebsangebot schmal ist
  • Was sonst: Nissan X-Trail, Skoda Kodiaq, Renault Espace

Technische Daten

Mittelklasse-SUV, Länge: 4,67 Meter, Breite: 1,84 Meter, Höhe: 1,67 Meter, Radstand: 2,71 Meter, Kofferraumvolumen: 498 bis 1.706 Liter.

Antrieb: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel 4WD, stufenloses Automatikgetriebe, 130 kW/177 PS, maximales Drehmoment: 380 Nm bei 2.000 U/min, 0–100 km/h: 9,5 s, Vmax: 201 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,8 Liter, CO2-Ausstoß: 153 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Testverbrauch: 7,8 Liter, Preis: ab 37.050 Euro.