Fahrbericht:

Subaru Levorg – Mit Absicht anders

01.06.2016

Subaru ist für unkonventionelle Autos mit Allradantrieb und Boxermotoren bekannt. Auch der Levorg verfügt über diese Technik, ist ansonsten aber eher brav geraten – von einer martialischen Lufthutze und dem wenig niedlichen Namen einmal abgesehen.

Fangen wir einmal beim Namen an. Eine Bezeichnung für einen mittelgroßen Kombi zu finden ist offensichtlich keine leichte Aufgabe. Viele Kürzel sind ohnehin besetzt, wenn es ein fünftüriges  Basismodell für die Variante mit großem Ladeabteil gibt, wird letztere heutzutage gern mit Sports Tourer, Avant oder sonst einer Zusatzbezeichnung aufgepeppt. Wahrscheinlich um sich von der profanen Bezeichnung "Kombi" abzuheben. Oder um den Charakter zu unterstreichen. Manchmal auch um von eventuellen Schwächen, zum Beispiel bei der Größe des Ladeabteils, abzulenken.

Der Levorg – Nachfolger des Legacy

 

In diese Verlegenheit kann Subaru nicht kommen. Der  Levorg ist der Nachfolger vom Legacy. Mehr weiß man erstmal nicht, eine Einordnung allein auf Grund des Namens fällt schwer. Innerhalb der Modellpalette von Subaru hat der Levorg kein wirkliches Alleinstellungsmerkmal: An Kombinationskraftwagen haben die Japaner nämlich auch noch den Forester und den Outback zu bieten. Deren Botschaft ist ein wenig eindeutiger, zumal alle Subaru traditionell mit Allradantrieb und alle mit einem Boxermotor unter der Haube ausgestattet sind. Dazu gibt es auch noch einen SUV ähnlichen Wagen mit dem schlichten Namen XV.

Ladevolumen

 

Der Laderaum ist mit 522 bis 1446 Liter etwas größer als bei einem Audi A4 Avant, jedoch etwas kleiner als beim Opel Astra Sports Tourer (540 bis 1590 Liter). Ein Knopfdruck genügt und die hinteren Lehnen klappen um. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein nahezu glatter Boden, dazu zwei großzügige Fächer im Untergeschoss.

Preise und Ausstattung

 

Preislich gesehen liegt der Levorg in der Grundausstattung mit 28.900 Euro zwischen dem Forester (ab 25.900 Euro) und dem Outback, welcher ab 34.400 Euro zu haben ist. Drei Ausstattungen stehen zur Wahl: Trend, Comfort und Sport. Einzelne Optionen gibt es, abgesehen von einer Anhängerkupplung und Metalliclack, nicht. In der Topversion (34.900 Euro) ist dafür ein Navi und eine Lederausstattung schon inbegriffen. Der Testwagen ist eine solche Sportversion. So ergibt sich ein Mix aus kratzigem Kunststoff in den Türtaschen und feinem Ledergeruch mit sauberen Nähten. Dazu die in schöner japanischer Tradition sauber rastenden Tasten und Hebel, die aber jeher mehr  durch leichte Reinigung zu überzeugen wissen, als durch besonders wertvoll erscheinende Haptik.

Innenausstattung

 

Neben einem Cockpit mit analogen Instrumenten gibt es noch zwei weitere Monitore. Während der untere, bis zu 7 Zoll große für Navigation & CO zuständig ist, können am oberen auch klassische Motordaten wie Ladedruck oder Öltemperatur abgelesen werden. Die Bedienung und Steuerung der Informationsflut und einiger anderer Funktionen ist nicht ganz einfach, schließlich versammeln sich am Lenkrad allein 13 Tasten - milde gezählt. Zusammen mit den kräftigen Seitenwangen der Sitze ergibt sich ein durchaus sportlicher Eindruck. Man darf also gespannt sein wie sich der Levorg in Fahrt anfühlt.

Aggressive Optik

 

Doch ganz so weit sind wir noch nicht: Zuerst nochmal ein Rundgang. Es fällt auch auf, dass der Levorg deutlich tiefer auf dem Asphalt kauert, als die beiden Geschwister Forester und Outback. Bei denen der Name ein wenig mehr Programm zu sein scheint. Wer denkt da nicht sofort an Feld, Wald, Wiese, nicht umsonst ist Subaru bei Förstern außerordentlich beliebt. Levorg klingt dagegen ein wenig martialisch. Tatsächlich zeigt der Neuling eine aggressive Optik mit betont ausgestellten Radhäusern und einem Lufteinlass auf der Motorhaube, in dem eine halbe Meisen-Kolonie ein neues zu Hause finden könnte. Das war bisher eher den wilden WRX Typen vorbehalten, die als Basismodelle für die Boliden in der Rallye-Weltmeisterschaft herhalten durften. Aber auch der Legacy hatte schon so eine Hutze, die tatsächlich auch eine technische Funktion hat: Darunter liegt der Ladeluftkühler des Turboladers. Ein Bauteil, das gerne frische Luft mag.

Motorisierung und Getriebe

 

Vielleicht ist der Levorg also eine Art Sportkombi. Bei Alfa Romeo hieß so etwas vor wenigen Jahren Sportwagon. Von der reinen Papierform her scheint das nicht ganz der Fall zu sein, zumindest nicht im klassischen Sinne: 170 PS aus einem 1,6 Liter großen Boxer mit Turboaufladung, das ganze gekoppelt an ein stufenloses Getriebe bescheren einem Sport-Kombi begeisterten Familienvater wahrscheinlich keine schlaflosen Nächte vor Aufregung. Eine andere Motor-/Getriebe-Kombination gibt es aber nicht. Dabei produziert Subaru als einziger Anbieter weltweit sogar einen Boxer-Diesel. Die Fahrleistungen sind mit rund 9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und einer Spitze von 210 Km/h natürlich vollkommen ausreichend, die Art und Weise wie die Leistung präsentiert wird, ist jedoch nicht wahnsinnig beindruckend.


Da liegt an dem verwendeten CVT-Getriebe, das, praktisch wie bei einem Motorroller, die Drehzahl auf einem bestimmten Niveau "einfriert", während der Wagen immer weiter an Geschwindigkeit zulegt. Wer diese ungewohnte Geräuschkulisse partout nicht leiden kann, hat die Möglichkeit auf manuell zu stellen und mit Wippen hinter dem Lenkrad zu schalten. Dann setzt die Automatik definierte Gangsprünge und das Beschleunigungserlebnis ist beinahe wie gewohnt. Eine sehr angenehme Wesensart von Boxermotoren ist das nahezu vollständige Ausbleiben von Vibrationen. Das liegt an der Konstruktion mit jeweils rechts und links der Kurbelwelle liegenden Zylindern, was für perfekten Masseausgleich und so ganz nebenbei für einen tiefen Schwerpunkt sorgt. Neben Subaru setzt im Wesentlichen nur noch Porsche beim 911 auf den Boxer.

Fahrkomfort

 

Es geht im Subaru Levorg also zügig, aber nicht wild entschlossen voran. Traktion ist immer vorhanden, durch den Allradantrieb gibt es keine haltlos durchpfeifende Reifen. Die Straßenlage überzeugt. Straff und satt liegt der Kombi auf der Straße, allein der Langsamfahrkomfort überzeugt nicht restlos. Ein Gullideckel und ähnliches wird bei Stadtverkehrstempo relativ trocken durchgereicht. Dazu geht die Lenkung, sagen wir einmal, ziemlich stramm. Auf der Autobahn fühlt sich der Levorg wohl, doch gerade hier dürfte es noch eine Prise mehr unmittelbaren Schub geben.


In Japan gibt es schon länger eine Levorg-Version mit 2,0 Liter Turbomotor und 300 PS, die hierzulande natürlich sofort mit dem Linke-Spur-Establishment von Audi, BMW und Co konkurrieren würde. Doch das traut sich Subaru in Europa derzeit (noch) nicht. Was wohl auch mit dem Thema Flottenverbrauch zu tun hat. Denn um den Verbrauch einer solchen Sportkanone zu legalisieren, müsste man auch Hybrid- oder Elektrofahrzeuge im Angebot haben. Da sieht es aber derzeit noch sehr mau aus. Eine seit 2008 bestehende Minderheitsbeteiligung von Toyota könnte hier allerdings zeitnah für Abhilfe sorgen.