Fahrbericht:

Suzuki Swift – Klingt wie er fährt

03.08.2017

Autonamen sollen schön klingen und eingängig sein. Im Idealfall treffen sie auch den Charakter des Fahrzeugs. So wie beim Suzuki Swift.

Selten sind Name und Wesen so sehr eins wie beim Suzuki Swift. „Swift“ ist Englisch und bedeutet „flink“, „hurtig“ oder „rasch“. Und: „Swfffft“ ist genau das Geräusch, das der Kleinwagen macht, wenn er flott um die Kurve pfeift. Denn auch die neueste Generation des Fünftürers vereint wieder wuselige Abmessungen, geringes Gewicht und kleine, aber temperamentvolle Motoren. Nicht nur deswegen ist er ein gelungener juveniler Gegenentwurf zum Adoleszenz-Trend in der kleinen Klasse.

Wo sich Wettbewerber wie VW Polo, Skoda Fabia oder Kia Rio penetrant erwachsen geben, macht der Suzuki weiter fröhlich auf flinken Teenie. Das fängt schon beim Design an: Knackige Abmessungen, freundliches Gesicht und kein Optik-Schnick-Schnack wie Chrom oder aggressiver Blick – der Swift bleibt dem klassischen Kleinwagenstil treu, will nicht größer und stärker wirken als er ist und er dienert sich auch keiner langsam in Rente gehenden Kundschaft an, die von einem Kleinwagen die gleiche ernsthafte Aura verlangt wie von ihrem bisherigen Dienstwagen. Das würde auch nicht klappen: Zu dünnblechig wirkt der Japaner von außen, zu viel Kunststoff prägt den Innenraum. Vom Quasi-Premiumambiente mancher Wettbewerber ist er damit weit entfernt.

Geringes Gewicht durch dünnes Blech

Der Verzicht auf dicke Verkleidungen und ein Übermaß an Komfortextras hat aber auch sein Gutes. In der leichtesten Version wiegt der Swift gerade einmal 915 Kilogramm, und selbst die Allradversion ist lediglich 1.025 Kilogramm schwer. Entsprechend leicht haben es die Motoren: Zur Wahl stehen ein 1,2-Liter-Vierzylinder mit 66 kW/90 PS und ein 1,0-Liter-Turbo, der sogar mit milder Hybrid Unterstützung bestellt werden kann und es auf auf 82 kW/111 PS bringt. Rein elektrisch kann der Swift damit nicht fahren, aber es wird beim Bremsen Energie gespeichert, die dann beim Anfahren wieder freigegeben wird. Der im Schwungrad integrierte Startergenerator hilft dem kleinen Motor eindrucksvoll über sein Turboloch hinweg, so dass der Stop and Go Betrieb überraschend flüssig und einfach zu meistern ist. Besonders angenehm ist das Abstellen und erneut Starten: Kein Rumpeln, kein Schütteln. So muss das sein. Letztendlich sorgt auch die Start-Stopp-Einrichtung dafür, das der milde Hybrid besonders im Stadtverkehr knauserig mit dem Benzin umgeht. Unter sechs Liter sind für Pendler ohne große Anstrengung möglich.

Gefühlt deutlich schneller als auf dem Papier

Weil das System aber relativ schwer ist und auch nur bei entsprechend geladener Hilfsbatterie voll zur Verfügung steht, kann es die Fahrleistungen gegenüber dem Standard-111 PS-Motor nicht verbessern .Die 10,6 Sekunden, die für den Spurt auf Tempo 100 vergehen, fühlen sich subjektiv aber deutlich schneller an. Flott und spritzig geht es durch die Gänge, wenn es sein muss marschiert die Tachonadel auch auf die 200er Marke zu. Doch die oberen Geschwindigkeitsbereiche sind gar nicht unbedingt das Biotop des Swift. Der Geradeauslauf bei Seitenwind ist ein wenig wackelig. Er fühlt sich im Stadtverkehr wohl, wo er zum beherzten Zwischenspurt ansetzen und sich behände durch den Verkehr wieseln kann. Trotz des kurzen Radstands und straffer Federung mangelt es dabei nicht an Komfort. Was gelegentlich stört sind die deutlich hör- und spürbaren Poltergeräusche, speziell an der vorderen Radaufhängung. Auch hier fordert der Leichtbau durch den Verzicht auf Dämmung seinen Tribut. Auch auf kurvigem Geläuf und auf der Autobahn schlägt sich der Swift gut, solange er nicht voll beladen ist. Dann bleibt vom allgemein ordentlichen Federungskomfort nicht mehr viel übrig.

Nicht perfekt, aber im Kern überzeugend

Ganz allgemein ist der Swift kein perfektes Auto: Die Sitze sind etwas zu weich, das Fünfganggetriebe könnte knackiger sein und das Infotainment-System sieht zwar gefällig aus, nervt aber gelegentlich mit wirrer Menüführung und winzigen Schaltflächen. Vielerorts fehlt es an Feinschliff am Detail. In den Kernkategorien kann der Suzuki aber locker überzeugen. Neben dem Fahrerischen gilt das etwa für das Platzangebot. Von einem Vier-Meter-Auto darf man keine Lounge-Atmosphäre erwarten, doch zumindest vorne geht das Platzangebot dank der klassischen Zweibox-Karosserieform mit ihren recht senkrechten Säulen mehr als in Ordnung. Und auch hinten kommt das Dach den Köpfen der Insassen nicht zu nahe. Eng haben diese es eher an den Knien. Und auf dem Mittelplatz im Fond, der sich nur in Notfällen als Aufenthaltsort eignet.

Apropos Mittelplatz: Sicher nutzbar ist dieser nur in der Topversion „Comfort+“ (ab 19.440 Euro), alle anderen Ausführungen werden mit nur vier Kopfstützen ausgeliefert. Auch darüber hinaus leistet sich der Swift bei der Sicherheitsausstattung ein paar Patzer. So gibt eh schon wenig Assistenten, die dann aber auch nur für das „Comfort+“-Modell. Alle anderen Varianten müssen ohne Notbremshelfer, Spurhaltewarner und Müdigkeitserkennung auskommen. Der Auffahrwarner erschreckt zudem mit schrillem Pfeifton selbst wenn im dichten Stadtverkehr für den Lenker oder die Lenkerin noch alles im grünen Bereich ist.

Mit den üblichen Standards wie Klima leider kein Schnäppchen mehr

Da wird schnell klar, dass der Swift trotz seiner jugendlichen Leichtigkeit kein Schnäppchen für den Berufsanfänger-Geldbeutel ist. Bereits für das Basismodell werden 13.790 Euro aufgerufen, wer auf Standards wie Klimaanlage, geteilt umlegbare Rücksitze oder Radio Wert legt, zahlt noch einmal 1.000 Euro mehr. Soll es der stärkere Motor sein, muss man noch eine Ausstattungsstufe höher steigen und mindestens 16.940 Euro investieren. Das Topmodell kostet mit Hybridsystem und Sechs-Stufen-Automatik sogar 20.140 Euro. Dafür bekommt man schon einen gut ausgestatteten Fiat Tipo, der eine ganze Nummer größer ist. Da hört man vom geneigten Käufer vielleicht doch eher ein resigniertes „Pffft“ als ein fröhliches „Swffft“.

Technische Daten

Fünftüriger, fünfsitziger Kleinwagen mit Front- oder Allradantrieb, Länge: 3,84 Meter, Breite: 1,74 Meter, Höhe: 1,50 Meter, Radstand: 2,45 Meter, Kofferraumvolumen: 265 bis 947 Liter.

1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, Fünfgang-Getriebe, 82 kW/112 PS bei 5.500 U/min, maximales Drehmoment: 170 Nm bei 2.000 U/min, 0–100 km/h: 10,6 s, Vmax: 195 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,3 l/100 km, CO2-Ausstoß: 97 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse C, Testverbrauch 6,0 Liter, Preis ab 16.940 Euro.

Kurzcharakteristik

  • Warum: weil der leichte und kleine Swift ein großer Dynamiker ist
  • Warum nicht: weil es hier und da an Feinschliff fehlt
  • Was sonst: Ford Fiesta, Kia Rio, Seat Ibiza