Europa:

Nostalgie-Bahnfahrt im Classic Courier - Ein feiner Zug

27.03.2019

Eine sinnliche Schienentour – mit malerischen Landschaften fürs Auge, lukullischen Speisen für den Gaumen und Entschleunigung für die Seele.

Acht Uhr morgens am Berliner Hauptbahnhof. Die meisten Zug-Pendler sind bereits zur Arbeit gefahren. Nur auf Gleis 18 steht eine auffällig große Menschentraube. Mehrere Dutzend Reisende säumen den Bahnsteig, auch zahlreiche Fotoapparate, zum Teil auf Stativen, sind in Position gebracht worden. Allesamt warten sie auf den Classic Courier. Ein Mann, der die Szene beobachtet, fragt eine wartende Dame am Bahnsteig: „Ist hier ein Star im Anmarsch?“ „Nein, ein Zug“, antwortet sie. Irritiert dreht sich der Fragende um und murmelt: „Was sonst soll im Bahnhof ankommen – ein Flugzeug?“

Übernachtet wird im Hotel

In der Tat, auf dieser Reise ist der Zug der Star. Auf den Bahnhöfen ist der blau-goldene Zug das Objekt der Begierde. Der Nostalgie-Zug startet mehrmals im Jahr zu einer Schienenkreuzfahrt. Während bei einer Schiffsreise die Landgänge das Highlight sind, stehen bei Schienenkreuzfahrten auch die Bahnstrecken im Fokus, denn der Sonderzug fährt abseits der üblichen Routen, zum Teil auf eingleisigen Strecken. Und es gibt noch einen Unterschied zu Kreuzfahrten auf dem Wasser: Die Gäste übernachten nicht an Bord, sondern in ausgewählten Hotels entlang der Route.

Unterwegs wie in der guten alten Zeit

Gemütlich reisen im Stil der alten Zeit, das ist hier die Devise. Schnell lässt man die Hektik des Alltags hinter sich und entspannt in den Polstersitzen. Während der ICE die Strecke von Berlin nach München in 4,5 Stunden zurücklegt, braucht der Classic Courier – bestehend aus neun ehemaligen Schnellzugwagen aus den 40er bis 70er Jahren – gut doppelt so lange. Kilometer um Kilometer fährt er gemächlich seinem Ziel entgegen. Begleitet von dem Rollen der Achsen und dem angenehmen Lüftchen, welches durch die geöffneten Fenster in die Abteile dringt. Genau das vermittelt das Lebensgefühl jener Epoche.

Zu Besuch bei Mozart

Nach mehr als zehn Stunden Fahrt erreichen wir am frühen Abend das erste Etappenziel – Salzburg. Im Bahnhof angekommen, warten Reisebusse auf die Gruppen, um diese in die jeweiligen Hotels zu bringen. Aber es bleibt noch Zeit, die Mozartstadt zu erkunden. Hoch über der City thront auf dem Festungsberg die Hohensalzburg. Unweit des Bergs ist der Klosterbezirk St. Peter und nicht weit davon zieht der Dom mit seiner mächtigen Kuppel die Blicke auf sich. Zu den Besuchermagneten zählen auch der Festspielbezirk und das Geburtshaus von Mozart sowie die berühmte Getreidegasse, die zu den schönsten Einkaufsmeilen der Welt zählt. Es gäbe noch vieles zu bestaunen, aber der Classic Courier verlässt um die Mittagszeit den Bahnhof in Richtung Slowenien. Auf dem Weg zum Zug noch schnell ein Abstecher zu „Fürst“, um dort ein paar original Salzburger Mozartkugeln zu kaufen. Ohne diese probiert zu haben, sollte niemand Salzburg verlassen.

Nicht nur das Essen im historischen Speisewagen ist ein Genuss, sondern auch die vorüberziehende Landschaft

Wieder im Zug, müssen die Mozartkugeln noch warten, denn in den historischen Speisewagen wird das Mittagessen serviert. In der Küche zaubert die Köchin leckere Speisen, die frisch zubereitet werden. Während des Essens rattert der Zug über die Wocheinerbahn – eines der ältesten Industriedenkmäler Sloweniens. Die landschaftlich wunderschöne Strecke durch die Julischen Alpen begeistert nicht nur die Gäste, sondern ist auch die Lieblingsstrecke von Chefreiseleiter Matthias Stück. Insgesamt 42 Tunnel und Brücken säumen die 1906 eröffnete Verbindung. Die bekannteste ist die längste Eisenbahnbrücke der Welt aus Stein – die Insonzo-Brücke, die den „smaragdgrünen Isonzo“ überspannt.

Auf den Spuren der k.u.k.-Monarchie

Es ist schon Nacht, als der Sonderzug die Endstation der Bahnlinie in Koper erreicht. Von hier geht es weiter mit dem Bus nach Portorož. Das „Seebad von Weltruf“, wie es in der k.-u.-k-Monarchie hieß, liegt an der slowenischen Adriaküste. Die malerische Bucht mit dem kristallklaren Wasser ist umgeben von einer der ältesten Salinen Europas auf der einen Seite, und auf der anderen gedeihen Oliven auf den sonnenverwöhnten istrischen Hügeln.

Entdeckungstouren durch Istriens Städte

Am Morgen geht die Rundreise weiter – dieses Mal mit dem Bus. Auf dem Programm steht neben der größten und ältesten Stadt Istriens, Pula, auch das malerische Rovinj. Dessen idyllische Altstadt liegt auf einer Landzunge, und die engen, kopfsteingepflasterten und verwinkelten Gassen führen zur Kirche der heiligen Euphemia, deren Turmspitze das Stadtbild prägt. Entdeckungsreisen machen hungrig, und die zahlreichen Tavernen direkt am Wasser laden zur Einkehr ein. Hier werden für kleines Geld köstliche istrische Spezialitäten wie das Nationalgericht Pljeskavica mit Kajmak (Frikadelle mit Rahm) serviert. Letzte Station ist Poreč seiner prachtvollen byzantinischen Baukunst und der Euphrasius-Basilika.

In stilvollem Ambiente geht es nach Ljubljana

Mit vielen Eindrücken im Gepäck geht es wieder zurück zum Zug. Von der Küstenregion führt die Reise ins Landesinnere in die slowenische Hauptstadt Ljubljana. Auf der mehrstündigen Fahrt ist Zeit für einen Abstecher in den beliebten Salonwagen. Hier ist das Reich des Service-Chefs Meinrad Wernet. Er betreut das Highlight des Zugs. Der ehemalige Gepäckwagen stammt aus den 1940er Jahren und wurde mit viel Liebe zum Detail in einen eleganten Gesellschaftswagen verwandelt. Neben einer Bar laden dort tiefe Ohrensessel und bequeme Sofas zum Verweilen ein. Mit einem kühlen Drink vergeht die Zeit wie im Flug. Sogar ein Klavier ist mit an Bord. Das ist Eisenbahnromantik pur!

Abschied mit Seeblick und Sonnenuntergang

Romantisch ist auch das Städtchen Bled, die letzte Station auf der Reise. Der Luftkurort ist umgeben vom Alpenpanorama und liegt direkt an einem Gletschersee. Inmitten des Sees, auf einer kleinen Insel, steht die Marienkirche. Diese Überfahrt erfolgt auch heute noch mit einem traditionellen Holzboot, der Pletna. Diese Bilderbuchlandschaft wusste auch Josip Tito zu schätzen, der eine Villa am Seeufer als Sommerresidenz nutzte. Auch wir sind von dem Ausblick fasziniert und genießen den Blick auf den See beim Sonnenuntergang.

An Bord des Classic Courier sind viele „Wiederholungstäter“

Dann heißt es ein letztes Mal Koffer packen, denn der Classic Courier wartet schon. Kaum zu glauben, dass eine Woche schon vorbei ist. Auf dieser Reise erlebt man nicht nur beeindruckende Landschaften und sehenswerte Städte, sondern auch viele interessante Menschen mit ihren Geschichten zu den Strecken und der Geschichte der Eisenbahn. Spätestens jetzt versteht man, warum über 60 Prozent immer wieder mit dem Classic Courier reisen.

Reise-Info – Zugreise und Hotelkomfort

Der Classic Courier ist im Besitz von DNV-Tours. Die Firma restauriert und wartet die Waggons mit eigenem Personal.

Einreise und Währung: Auch wenn die Grenzen ohne Kontrolle passierbar sind, so müssen Besucher aus Deutschland einen gültigen Reisepass oder Personalausweis mitführen. Bezahlt wird in Österreich und Slowenien mit dem Euro in Kroatien mit dem Kuna. 100 Kuna entsprechen ca. 13,48 Euro (Stand: 03/2019).

Preisbeispiel: Die Schienenkreuzfahrt von Slowenien ist ab 1135 Euro pro Person im Doppelzimmer zu bekommen. Im Preis enthalten sind die Fahrt im Sonderzug, sechs Übernachtungen in der gebuchten Hotelkategorie, Halbpension, deutschsprachige Reiseleitung, Ausflüge und Führungen laut Programm, Transfers mit den örtlichen Bussen sowie Gepäckhelfer an den Bahnhöfen. Reisetermine: 05.09.2019 und 13.09.2019.

Hotels: Bei den Hotelkategorien kann man zwischen der Kategorie „Comfort“ (3-Sterne-Hotels) und „Comfortplus“ (4-Sterne-Hotels) wählen.

Weitere Informationen: Auskünfte über Reisen mit dem Classic Courier und Zustiegsbahnhöfe bei Ameropa und im ACE-Reisebüro unter 0711/530 36 78.