Reifentest:

Sommerreifentest 2019 - Von Grip und Feeling

25.03.2019

Im Test: Neun aktuelle Sommerreifen der beliebten Kompaktwagen-Dimension 205/55 R16 bis 100 Euro. Die Qualität der Testreifen überzeugt, allerdings erreichen nur drei Modelle die Bestnote.

„Vollgepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen – hinein ins Weekend-Feeling ...“, so schallte die Joghurt-Werbung in den 90ern aus dem Fernseher und würde sicherlich heute noch vielen Zuschauern einen Ohrwurm verpassen. Was man im Werbespot jedoch nicht sah, war das Auto der dreiköpfigen Familie. Wahrscheinlich wäre es ein kompakter Kombi gewesen, vielleicht sogar der neu vorgestellte Skoda Octavia. Denn bei Familien sind Kompaktwagen – trotz SUV-Boom – auch heute noch beliebt. Egal ob VW Golf, Opel Astra oder Ford Focus, egal ob als Schräghecklimousine oder als Kombi: Viel Platz müssen sie bieten – und nicht zu teuer sollen sie sein!

Doch neben diesen Anforderungen haben sie noch etwas gemeinsam: Auf fast alle Kompaktwagen passt die Reifengröße 205/55 R16. Das macht die Dimension zur beliebtesten auf dem deutschen Markt. Auf einer Online-Plattform finden sich für unsere Auswahl (Zulassung bis Tempo 240 km/h, Traglast: 615 kg) insgesamt über 350 Varianten.

Die Dimension 205/55 R16 dient den Herstellern als Basis bei der Reifen-Entwicklung

Gemeinsam mit der GTÜ Gesellschaft für technische Überwachung und unserem österreichischen Partnerclub ARBÖ entscheiden wir uns für neun Modelle zwischen knapp 70 und 100 Euro. Billigreifen sind diesmal keine dabei. Bereits in früheren Tests haben wir gemerkt, dass die vermeintlichen Schnapper nicht mit High-End-Produkten mithalten können. Stattdessen entscheiden wir uns für Reifen der Marktgrößen Bridgestone, Continental, Dunlop, Goodyear, Michelin und Pirelli und ergänzen den Test um Produkte der etablierten, aber weniger bekannten Marken Falken, Hankook und Nokian. Für viele Reifenhersteller ist die von uns ausgewählte Dimension übrigens „Entwicklungsgröße“. Das heißt, Reifeningenieure tüfteln an genau dieser Größe am perfekten Profil und der richtigen Mischung. Im Anschluss spulen Testfahrer dann Millionen Kilometer auf der ganzen Welt ab.

Im Test wird die Leistung auf nassem Asphalt besonders stark gewichtet

Ganz so viele Testkilometer können wir zwar nicht fahren, doch innerhalb einer vollgepackten Woche versuchen wir, alle Situationen des Alltags abzudecken. In zwölf Disziplinen müssen die Reifen zeigen, was sie können. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Performance auf nasser Strecke: 80 von 170 Punkten gibt es im ACE-Sommerreifentest dafür. Denn gerade wenn ein heftiger Regenschauer überrascht und plötzlich nichts mehr zu sehen ist, kann es brenzlig werden. Kurze Bremswege können dann überlebenswichtig sein, doch alles entscheidend sind sie nicht. Denn was bringen kurze Bremswege, wenn der Reifen beim Aquaplaning aufschwimmt und die Haftung plötzlich abreißt? Oder wenn ein Reifen auf Nässe zwar perfekt ist, auf Trockenheit aber nur zweitklassige Ergebnisse liefert? Wer im Alltag und in unserem Test überzeugen will, muss in allen Disziplinen gute Eigenschaften liefern.

Nokian überrascht mit dem besten Regenreifen

In diesem Jahr gelingt das dem Quartett aus Bridgestone, Continental, Dunlop und Nokian am besten. Nur je ein Punkt liegt zwischen den Kandidaten. Etwas überraschend ist dem finnischen Reifenhersteller Nokian mit dem nagelneuen „Wetproof“ der mit Abstand beste Regenreifen gelungen. Neben sehr kurzen Bremswegen auf Nässe schwimmt er beim Aquaplaning-Test erst spät auf und überzeugt auf dem Nass-Handlingkurs mit nahezu perfekter Seitenführung. Der Name ist also tatsächlich Programm, die Neuentwicklung in diesem Jahr auf Nässe die Messlatte.

Nässe und Aquaplaning stellen die Reifen vor unterschiedliche Herausforderungen

Der Conti PremiumContact 6 bremst zwar ähnlich gut, kann aber beim Kurven-Aquaplaning nicht ganz mithalten. Das wiederum liegt dem Dunlop Sport BluResponse, beim Bremsen auf nasser Fahrbahn muss er sich den anderen beiden allerdings deutlich geschlagen geben. Aus 80 km/h stehen Nokian und Conti nach knapp 32 Metern, der Dunlop dagegen braucht fast eine Fahrzeuglänge mehr (35,8). Schlechter schneiden nur Goodyear (37,1) und Falken (37,4) ab. Auf dem Handlingkurs zeigen sich dann zum Mittelfeld bereits deutliche Unterschiede. Ein Beispiel: Der Hankook Ventus Prime³, der sich auf trockener Straße sehr präzise steuern lässt, ist auf Nässe äußerst anspruchsvoll, wechselt zwischen Unter- und Übersteuern. In Gefahrensituationen lässt sich daher kaum vorhersagen, wie er reagieren wird.

Auf trockener Strecke sind Bridgestone und Conti am sichersten unterwegs

Auf trockener Strecke liegen dagegen Bridgestone und Conti vorne. Gerade der Conti bietet Reserven, wenn es auch mal schneller um die Kurve geht. Er ist auch für weniger geübte Fahrer leicht zu kontrollieren. Im Grenzbereich tendiert er eher zum Untersteuern, schiebt also leicht über die Vorderachse, vermittelt dabei aber immer ein sicheres Gefühl. Die Unterschiede auf trockener Strecke sind mittlerweile allerdings gering. Insgesamt etwas überraschend enttäuschen mit Michelin und Pirelli in diesem Jahr zwei große Namen. Schlecht sind beide Reifen nicht, aber zur Bestnote ist es doch ein gebührender Abstand.

Ein Preisvergleich lohnt sich

Wer vor allem auf den Preis schaut: Hier liegen Hankook und Falken vorne. Ein Satz kostet durchschnittlich laut Bundesverband Vulkaniseur-Handwerk unter 300 Euro. Michelin verlangt 100 Euro mehr. Der Markt unterliegt allerdings immensen Schwankungen. Wer beim Reifenkauf also sparen möchte, sollte vielleicht lieber Preise vergleichen und ein paar Angebote einholen, und dann beim günstigsten zuschlagen – genug Platz für vier Reifen bieten die meisten kompakten Kombis. Und anders als der Wocheneinkauf sorgen neue Reifen nicht nur kurz für ein perfektes Feeling.

So haben wir getestet:

Für den aktuellen Sommerreifentest waren wir im Herbst 2018 auf der Bridgestone-Teststrecke in Italien. Da sich die äußeren Bedingungen auf einer Teststrecke ständig ändern und das Ergebnis beeinflussen könnten, wiederholen wir alle Versuche mehrfach und fahren dazwischen immer wieder einen Referenzreifen. Für die Bremswegmessung bei Nässe wurden die Fahrzeuge beispielsweise zehn Mal auf 80 km/h beschleunigt, dann erfolgte eine Vollbremsung bei aktiviertem ABS. Die durchschnittlichen Verkaufspreise wurden vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) ermittelt, Stand Februar 2019.

Unter anderem auf diese Autos passen die Reifen:

Audi A3 (ab 2013); BMW 1er (ab 2011); BMW 3er (ab 2011); Citroën C4 (ab 2010); Fiat 500L (ab 2012); Ford Focus (ab 2011); Ford C-Max (ab 2013); Ford Mondeo (bis 2014); Honda Civic (bis 2017); Hyundai i30 (ab 2012); Kia Carens (ab 2013); Mercedes-Benz A-Klasse (ab 2004), Mercedes-Benz B-Klasse (ab 2005); Mercedes-Benz C-Klasse (bis 2014); Opel Astra (ab 2004); Opel Zafira (bis 2011); Peugeot 2008 (ab 2013); Peugeot 308 (ab 2007); Renault Mégane (ab 2003); Seat Leon (ab 2005); Škoda Octavia (ab 2013); Volvo S/V40 (ab 2004); S/V 60 (ab 2000); VW Golf (ab 2003), VW Passat (bis 2014)

Video und Download:

Unsere Testergebnisse im Überblick (pdf)

Video Sommerreifentest 2018

Weitere Informationen:

Reifentests des ACE: Eine Übersicht aller Reifentests und Videos des ACE

Sommerreifentests anderer Reifendimensionen: Sommerreifentest 2018, 235/45 ZR 18