24.03.2021

ACE-Clubinitiative 2021 – Barrierefrei besser ankommen!

Riskant wie brisant: Wer mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen im Großstadtdschungel unterwegs ist, trifft auf Barrieren, die gar nicht existieren dürften. Dass es höchste Zeit ist, etwas dagegen zu tun, hat sich der ACE mit seiner Clubinitiative 2021 auf die Fahnen geschrieben.

Wer kennt nicht die Situation, gehetzt an einer Ampel zu kommen, die noch grün ist, begleitet von dem mulmigen Gefühl, dass sie bald auf Rot umschlagen wird. Und zwar genau dann, wenn die Fahrbahnmitte erreicht ist? Oder – in Erinnerung an den einstigen Sportunterricht – vor einem Sprungkasten stehend die Frage an sich selbst: Wie in aller Welt komme ich da heil drüber? So geht es täglich vielen Menschen in ganz Deutschland, wenn sie zur Arbeit unterwegs sind, Freunde treffen, einkaufen gehen oder Kunst und Kultur genießen wollen. Ihnen erschweren mitunter gefährliche Barrieren den Weg zum Ziel.

Überall lauern Gefahren – vor allem für Menschen mit Einschränkung

Menschen mit Einschränkung trifft es oft viel härter: hohe Bordsteine, Treppen, ungleichmäßiger Untergrund, schlecht markierte oder fehlende Fußgängerübergänge, fehlende Fahrstühle, miserable Beleuchtung an Parkplätzen und Wegen, zu kleine und schlecht erreichbare Parkplätze oder eben auch zu kurze Ampelintervalle. Die meisten Barrieren befinden sich vor allem an Verkehrsknotenpunkten, an stark frequentierten Straßen und Kreuzungen und sie erhöhen die Unfallgefahr für die Betroffenen erheblich.

20 % der Bevölkerung erleben Barrieren im Alltag – unabhängig vom Alter

Das sind vor allem Ältere, Menschen mit einer Einschränkung beim Gehen, Menschen, die im Rollstuhl sitzen, und auch all diejenigen, die sich alleine mit dem Kinderwagen durch die Tücken des Großstadtdschungels oder fehlender Gehwege im ländlichen Raum kämpfen müssen. Es betrifft also Menschen jeden Alters. Und nicht wenige: Derzeit leben etwa 9,4 Millionen Seniorinnen und Senioren im Land, die älter als 75 Jahre sind, 4,6 Millionen Menschen mit schwerer körperlicher Einschränkung, davon etwa 3 Millionen Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind und etwa 1,6 Millionen Menschen, die im Rollstuhl sitzen. Hinzu kommen mindestens 2,4 Mio. Eltern oder Großeltern, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind. Die Zahlen entkräften auch den Mythos, dass die Barrieren-Problematik nur Minderheiten betrifft. Tatsächlich sind es rund 20 Prozent der Bevölkerung, für die der mobile Alltag so zur Herausforderung wird.

Barrierefreiheit geht uns alle an

„Eigentlich betrifft es uns alle“, erklärt Stefan Heimlich, der Vorsitzende des ACE. Er fasst damit die demografische Entwicklung in einem Satz zusammen und betont, dass es höchste Zeit ist, etwas aktiv gegen Barrieren zu tun. Die ACE-Clubinitiative „Barrierefrei besser ankommen!“ setzt genau hier an, obwohl das soziale und kulturelle Miteinander dieses Jahr durch Corona noch schwieriger ist. Aber gerade deswegen ist es der beste Zeitpunkt, um auf all diese Missstände hinzuweisen, die Ursachen zu ermitteln und gemeinsam anzupacken, um etwas zu verändern.

Regionale Aktionen sollen Zeichen setzen

"Wichtig dabei ist, das Problem vom Menschen her zu sehen und ganzheitlich zu denken“, betont Stefan Heimlich. Denn Menschen nutzen unterschiedliche Wege und die Verkehrsmittel, die für sie auf ihrem Weg am sinnvollsten sind. Die Barrierenproblematik ist dementsprechend vielschichtig – das ACE-Ehrenamt wird in der zweiten Jahreshälfte regionale Aktionen starten, um vor Ort Zeichen zu setzen.

In puncto Barrierefreiheit besteht Nachhol- und Investitionsbedarf

Woran liegt es aber, dass es immer noch so viele Barrieren in Deutschland gibt? Es ist schon seit vielen Jahren bekannt, dass bis zum Jahr 2030 etwa 53 Milliarden Euro notwendig wären, um eine barrierefreie Infrastruktur für alle zu realisieren. Und es wird zwar auch vielerorts etwas getan. Oft auch behelfsmäßig: Vereine, Organisationen und Einzelpersonen basteln etwa Rampen für Treppen aus Legosteinen – die Presse berichtete mehrfach darüber. Aber kann das die Lösung sein? Eine gelungene Inklusion sieht anders aus. Andere stehen in der Verantwortung.

Barrierefreiheit ist wie Brandschutz – nicht sexy, aber wichtig

Beim digitalen ACE-Live-Talk „Barrierefreiheit – gleiches Recht für alle!“ diskutierten die Partner der ACE-Clubinitiative 2021 – u. a. Stefan Zierke, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Schirmherr der ACE-Clubinitiative sowie Wilhelm Schmidt, Präsident der AWO – über Barrieren, Verantwortlichkeiten und Lösungsvorschläge. Auch Raul Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit, war bei der Diskussion dabei. Er sieht das Problem in der oft oberflächlich denkenden Gesellschaft verankert: „Ein Denkfehler ist, dass wir glauben, wir müssen etwas sexy machen. Brandschutz ist auch nicht sexy. Brandschutz ist aber etwas Wichtiges, das muss gemacht werden, egal wie das aussieht.“

Mitmachen und aufmerksam machen!

Sie kennen eine Aufreger-Barriere? Bei der ACE-Mach-mit-Fotoaktion können alle Fotos hochladen und dieses kommentieren. So wollen wir gemeinsam mit Ihnen auf die Problematik
aufmerksam machen. Für uns ein erster großer Schritt, etwas zu tun. Denn Mobilität ist für den ACE ein Grundrecht für alle. Unter den Einsendern verlost der ACE in jeder seiner sechs
Regionen ein Apple iPad. Mehr zur Aktion und den Bedingungen auf der Aktionsseite.