Fahrbericht:

Ford Focus – Scharfe Golf-Alternative

26.11.2019

Seit einem Jahr rollt die vierte Generation des Ford Focus über die Straßen und trumpft mit kleinen, aber feinen Änderungen auf. So bleibt er eine dynamische Alternative unter den Kompakten.

Darfʼs mal etwas anderes sein? Statt deutscher Hausmannskost vielleicht doch etwas mit Pep? Der Ford Focus zum Beispiel. Der überzeugt schon in der Basisversion mit agilem Handling und sportlichem Aussehen.

Die ST-Line setzt sportliche Akzente

Für die ST-Line haben die Ingenieure das Fahrwerk zusätzlich einen Hauch tiefergelegt und ihn unter anderem mit einer Doppelrohr-Auspuffanlage versehen. Alles, um den athletischen Charakter noch weiter zu unterstreichen. Im Inneren setzt sich das sportliche Design fort. Klare Linien, aufgeräumtes Cockpit ohne viel Schnickschnack. Bei der ST-Line (Aufpreis: 3500 Euro) stehen die straffen, aber trotzdem bequemen Sportsitze mit verstärktem Seitenhalt im Vordergrund.

Passagiere und Gepäck lassen sich bequem unterbringen

Trotzdem kommt der Komfort vorne und hinten nicht zu kurz: Bei der Beinfreiheit schlägt der Focus viele seiner Konkurrenten im Kompaktsegment, wie den Opel Astra oder den Hyundai i30. Dafür hat Ford den Radstand um 50 mm gegenüber dem Vorgänger gestreckt. Auf der Rücksitzbank sollten auch die Kinder Platz nehmen, denn Isofix (mit iSize-Freigabe) gibt es leider nur hinten. Viel Platz bietet auch der Kofferraum: Ein Wanderrucksack (25 Liter) mehr passt ins neue Modell (insgesamt 341 Liter). Bei vollständig umgeklappter Rückbank wächst das Gepäckabteil um 92 auf 1354 Liter. Wer noch mehr Platz braucht, sollte beim Kombimodell Turnier zuschlagen. Der ist knapp 30 Zentimeter länger und schluckt sogar 541 bis 1653 Liter.

Wenn der Focus Fahrt aufgenommen hat, geht es flott durch die Kurven

Und was das Äußere verspricht, hält der Kompakte auch hinterm Steuer: Fahrspaß! Serpentinen sind eine Wonne, weil der Focus Kurven präzise ansteuert und dank des straffen Fahrwerks satt auf der Straße liegt. Die sechs Gänge sind gut abgestimmt und flutschen sauber durch die Kulisse. Untenrum ist der von uns gefahrene 1,5-l-Diesel mit 120 PS allerdings etwas träge. Erst ab 1500 Umdrehungen nimmt er agil Fahrt auf, wird dann sogar flott, ohne aber je zum Sportler zu werden.

Mit verschiedenen Fahrmodi lässt sich Sprit sparen

Wer ihn als Cruiser hauptsächlich im niedrigen Drehzahlbereich fährt, kommt mit etwas über vier Litern Diesel hin. Etwas zügiger bewegt, steigt natürlich auch der Verbrauch. Bei uns lag er bei knapp 5,5 Litern, was zugegebenermaßen auch daran liegt, dass der Motor oben rum ganz ordentlich klingt und das Fahrwerk trotz etwas zu leichtgängiger Lenkung eine dynamische Fahrweise unterstützt, insbesondere im „Sport“-Modus. Der Verbrauch lässt sich aber auch nach unten beeinflussen. In der Mittelkonsole sitzen die Schalter für die weiteren Fahrmodi „Eco“ und „Normal“. Je nach Modus verändern sich beispielsweise das Ansprechverhalten auf Gaspedal-Befehle oder die Lenkung.

Nicht alle Assistenzsysteme sind hilfreich

Im Alltag zeigt sich, dass „viel“ nicht immer „viel“ hilft. Denn der Focus ist vollgepackt mit Assistenzsystemen. Das ist sehr vorbildlich, denn Spurhaltesystem und Tempomat sind ebenso Serie wie ein Notbremsassistent, der sogar Fußgänger und Fahrradfahrer erkennt. Genau jener schaltet sich häufig jedoch schon bei Unebenheiten und Spurrillen ein, was beim Fahren verunsichert. Und das Easy-Parking-System macht das Parken nicht immer „easier“, sondern sorgt das ein oder andere Mal für peinliche Momente. Denn: Das assistierte Einparken kostet Zeit und im Feierabendverkehr vor allem Nerven. Dann doch lieber konventionell manövrieren.

Über das Connect-Modem sind auch die Mitfahrer online

Da sind die weiterhin kompakten Maße ein Vorteil, der Focus ist nur um zwei Zentimeter gewachsen. Etwas unübersichtlich ist er allerdings nach hinten, deshalb ist die präzise Rückfahrkamera (300 Euro Aufpreis) eine unbedingte Kaufempfehlung. Nachjustieren sollte Ford beim Navi – die Sprachnavigation klingt etwas mechanisch. Auch Sprachbefehle werden nicht immer verstanden, aber die Integration von Android Auto und Apple CarPlay im Konnektivitätsystem SYNC 3 ist gelungen. Praktisch für die Mitfahrer: In den ersten zwei Jahren ist das Connect-Modem im Preis mit inbegriffen. Bis zu zehn Endgeräte können so auf den WLAN-Hotspot zurückgreifen. Auch das Head-up-Display (450 Euro) ist eine Empfehlung wert – obwohl Ford hier nur auf die günstige Variante mit ausfahrbarer Plexiglasscheibe vertraut. In Kombination mit dem Technologie-Paket wird dann nicht nur die aktuelle Höchstgeschwindigkeit eingeblendet, sondern der adaptive Tempomat passt die Geschwindigkeit auch automatisch an.

Kein Schnäppchen, aber jeden Euro wert

Fazit: Ford liefert mit der vierten Generation des Focus einen rundum gelungenen Kompaktwagen, bereits bekannte, aber nicht schlechter gewordene Detaillösungen wie der ausfahrbare Türkantenschutz zeigen, dass sich Ford in über zwanzig Jahren Focus-Historie ständig weiterentwickelt hat. Das gilt natürlich auch für den Preis. Mit einem Einstiegspreis von 18.700 Euro zählt der Fokus definitiv nicht zu den Schnäppchen, unser sehr gut ausgestatteter Testwagen kam sogar auf knapp 32.000 Euro. Dafür bekommen Käufer aber eine ausgereifte und fahraktive Golf-Alternative und können aus einer Vielzahl an Motoren wählen. Alle halten die Abgasnorm Euro 6d- TEMP ein, die Diesel verzichten dabei leider auf die AdBlue-Abgasnachbehandlung. Schade nur: Alternativen zum Verbrenner gibt es derzeit nicht. Erst für Anfang 2020 ist ein Mild-Hybrid für den Focus angekündigt. Er soll – natürlich – Sprit sparen, aber auch noch etwas mehr Pep in die Beschleunigung bringen.

Technische Daten Ford Focus (pdf)