Fahrbericht:

Mercedes A 200 – Digitale Oberklasse

28.01.2019

Mercedes überrascht und bringt mit „MBUX“ die größte technische Neuerung nicht in E- oder S-Klasse, sondern in der neuen A-Klasse. Was der neue Kompakte sonst noch kann, lesen Sie im Fahrbericht.

Ja, jetzt ist es so weit: Erstmals geht es in einem Fahrbericht in ACE LENKRAD nicht mehr vorrangig um Fahrgefühl, Sicherheit oder Verbrauch, sondern um die „digitalen Fahreigenschaften“. Die Frage also, wie vernetzt und digital ist ein neues Auto, welche Features bietet es und wie gut funktioniert das?

Neue Begriffe für Leser und Fahrer

Eingebrockt hat uns das die neue A-Klasse. Denn sie kommt erstmals mit „Augmented Reality“ und ihrer „Mercedes-Benz User Experience“ (MBUX). User was? Ja genau, wir werden ein paar neue Begriffe lernen müssen. Dass uns gerade die A-Klasse damit konfrontiert, überrascht einerseits, denn eigentlich war sie mal ein Mini-Van, den vor allem die „Silver Surfer“ gekauft haben. Anderseits macht uns aber auch Hoffnung, dass der aus China heranrauschende Digitalisierungs-Zug doch noch nicht ohne die deutschen Hersteller abgefahren ist.

Wichtig sind die digitalen Neuheiten

Was ist also neu an der A-Klasse? Zunächst einmal ist es besagtes MBUX: Hinter dem Kürzel soll sich ein intuitives Multimediasystem verstecken, das sogar lernfähig ist. Doch um große Versprechen war Mercedes nie verlegen.

Wer sich das erste Mal hinters Steuer setzt, sieht vor allem schwarz. Denn das Display ist komplett digital. Das ist zwar nicht mehr neu, aber in der A-Klasse sehr überzeugend umgesetzt. Gegen Aufpreis spannt sich ein ultrabreites Display (52 Zentimeter) auf, das am ehesten an ein Smartphone oder Tablet erinnert. Bedienen lässt es sich mit verschiedenen druckempfindlichen Flächen oder per Sprache. Den eigentlichen Tacho passt der Fahrer durch zwei Touchpads am Lenkrad an sich an. Auch die Steuerung von Musik, Navigation und die riesige Auswahl an teilweise aufpreispflichtigen Assistenzsystemen erfolgt so tatsächlich intuitiv. Praktisch und sicher: Die Hände bleiben dabei durchgehend am Steuer.

Benutzeroberfläche wie im Smartphone

Auf dem rechten Teil des „Ultra-Wide Screens“ finden sich dann alle weiteren Infos. Mercedes gliedert Telefon, Navi, Radio und Co. mit großen Icons, die sich direkt anwählen lassen. Auf der nächsten Ebene, dem Basescreen, macht Mercedes individuelle Vorschläge – beispielsweise zu häufig gewählten Routen. Apropos Routen: Das Navi bietet auch Online-Infos wie Kraftstoffpreise und zeigt an, ob am Zielort vermutlich Parkplätze frei sind. Wer etwas ganz Neues ausprobieren möchte, bestellt „Augmented Reality“ dazu (Aufpreis: 300 Euro). Dann zeigt das Display die Bilder der Frontkamera und reichert diese beispielsweise mit virtuellen Pfeilen an.

„Hey Mercedes“ überholt Alexa und Siri locker

Das eigentliche Highlight ist aber „Hey Mercedes“. Dabei handelt es sich um eine Sprachbedienung und -erkennung auf überraschend hohem Niveau. Technik-Geeks kennen das von Alexa, Apple und Co. Von den Auto-Herstellern war man dagegen bisher vor allem starre Muster gewohnt. Die A-Klasse versteht dagegen auch Sätze wie „Mir ist kalt“ und stellt die Heizung höher.

Bei so viel Digital-Technik bleibt für den klassischen „Fahr“-bericht nur noch wenig Platz: Um 12 Zentimeter gewachsen, ist die A-Klasse nun eigentlich kein Kompaktwagen mehr, bietet vorne ausreichend Platz. Vorteilhaft ist auch der etwas größere Ausschnitt der Heckklappe. Der Kofferraum bleibt ausbaufähig (370 Liter). Die 163 PS des von uns gefahrenen 200er-Modells lassen dagegen kaum Wünsche offen, die Automatik schaltet leider nicht immer fehlerfrei.

Fazit: Mercedes hat sich bei digitalen Features zunächst ganz vorne platziert und ist mit der A-Klasse für die kommenden Jahre gut gewappnet. Jetzt werden die Käufer entscheiden, ob sie bereit sind, für so viele Software-Extras auch extratief in die Tasche zu greifen.

Der Kampf um das digitale Cockpit hat erst begonnen

Denn ein richtiges Alleinstellungsmerkmal hat die A-Klasse nur dann, wenn das große Infotainment-Paket an Bord ist. Doch das kostet genau wie die A-Klasse (ab 26.090 Euro) richtig viel Geld: über 3000 Euro. Unterdessen hat Google schon angekündigt, sein Betriebssystem künftig in Fahrzeugen von Renault-Nissan-Mitsubishi anzubieten. Der Kampf um die digitale Vorherrschaft geht weiter.

Technische Daten Mercedes A 200 (pdf)