27.03.2019

ACE-Clubaktion 2019 - Zeit zum Loslassen

Zu viele Eltern-Taxis sind unterwegs. Mit der Clubaktion „Goodbye Eltern-Taxi“ will der ACE Eltern Mut machen, ihre Kinder laufen zu lassen.

Dresden, an einem Dienstag, kurz vor sieben. Es ist gerade hell geworden und bitterkalt. Wie an jedem Werktag um diese Zeit nimmt der Verkehr vor der Grundschule Naußlitz schlagartig zu. Mehr als 250 Kinder gehen hier zur Schule. Es gibt keine Ampel, keinen Fußgängerübergang, keine Lotsen. Dafür fahren viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule – wie an den meisten Grundschulen.

Die Clubaktion findet in 111 ACE-Kreisen mit über 1000 geschulten Helfern statt

Hier in Dresden an der Grundschule Naußlitz findet an diesem Tag der Auftakt der bundesweiten ACE-Aktion „Goodbye Eltern-Taxi“ statt, an der insgesamt 111 ACE-Kreise mit mehr als 1000 geschulten Helfern teilnehmen. Durch die Aktion an Grundschulen in ganz Deutschland will der ACE ein Zeichen für mehr Verkehrssicherheit bei der Schulanfahrt setzen. In Dresden ist ein sechsköpfiges Team des ACE vor Ort. Angeführt von Kreisvorstand Albrecht Pallas und unterstützt von Martin Dulig, dem sächsischen Verkehrsminister, der die ACE-Clubaktion als Schirmherr begleitet. Das Team will dokumentieren, wie viele Eltern-Taxis zur Schule fahren und welche gefährlichen Situationen dadurch für die Kinder entstehen.

Viele Kinder verunglücken als Mitfahrer im Auto

„Wir haben überall in Deutschland zu Unterrichtsbeginn und zu Unterrichtsende chaotische Zustände vor den Schulen. Ich bin selbst Familienvater und beobachte, dass es immer dramatischer wird“, erklärt Martin Dulig. Damit spricht er einen wunden Punkt an, denn die Eltern meinen es eigentlich gut. Sie wollen, dass ihre Sprösslinge sicher in die Schule gelangen, und fahren sie deshalb so nah wie möglich an die Schule heran. Und es werden immer mehr Eltern-Taxis. Schon zwanzig Prozent aller Grundschüler werden von Eltern oder Familienangehörigen mit dem Auto zur Schule gebracht, das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage 2018. Fakt ist auch, dass 37,5 Prozent der verunglückten Kinder als Mitfahrer im Auto saßen.

Das gut gemeinte Elterntaxi bringt Kinder oft in Gefahr

Gerade vor Schulen entstehen oft brenzlige Situationen, weil die Eltern weniger auf den Verkehr um sich herum achten, sondern einen geeigneten Platz für den Ausstieg suchen. Sie parken dann im Halteverbot, auf Gehwegen oder direkt auf der Straße und liefern riskante Park- und Wendemanöver ab. Durchgangsverkehr und überhöhte Geschwindigkeiten, etwa bei Überholmanövern, machen das morgendliche Verkehrschaos dann komplett und die Lage noch gefährlicher. Vor allem für die Kleinen, die dann in heikle Situationen geraten. Insbesondere wenn sie auf der anderen Straßenseite aussteigen, drängeln sich Kinder oft zwischen den Autos hervor, um den richtigen Moment zum Überqueren der Straße abzupassen. Dann kann es für sie schnell lebensgefährlich werden.

Die Clubaktion richtet sich an Familien, aber auch an Schulen und die Kommunalpolitik

„Mit ‚Goodbye Eltern-Taxi‘ appellieren wir an alle Familien mit Kindern im Vor- und Grundschulalter, das Eltern-Taxi möglichst stehen zu lassen und die Unfallgefahren besonders im direkten Schulumfeld mit dem Auto zu vermeiden“, erklärt Bruno Merz, Leiter der ACE-Clubaktion. „Besser ankommen. Laufend lernen.“ Unter diesem Motto richtet sich die Clubaktion des ACE auch an Schulen und die Kommunalpolitik. Sie alle werden aufgefordert, das ACE-Engagement zu unterstützen, damit die Kinder lernen, wie sie gesund und sicher zu Fuß in die Schule kommen. Während die Grundschüler bei der Clubaktion gut sichtbare Warnwesten mit dem „Goodbye Eltern-Taxi“-Logo bekommen, erhalten Eltern, Lehrer und Kommunalpolitiker eine aufklärende Broschüre in die Hand.

Der ACE engagiert sich für themenbezogene Schulprojekte und „Kiss+Ride“-Zonen

Der ACE setzt sich schon seit langem für einen sicheren Schulweg ein und sieht ihn sogar als eigenes „Bildungsfach“, für das er sechs einprägsame Regeln aufgestellt hat. Der ACE befürwortet Schulprojekte, die das Thema fördern, und fordert eine moderne Infrastruktur vor Schulen. Etwa Parkplätze für gesicherten und schnellen Ein- und Ausstieg, wie „Kiss+Ride“ oder Haltestellen für Eltern-Taxis, etwa 300 bis 500 Meter vor den Schulen. Das würde das Verkehrschaos vor Schulen reduzieren und die Schüler hätten die Chance, einen Teil der Strecke zu laufen.

Wer zu Fuß geht, lernt Gefahren besser einzuschätzen und gewinnt an Selbstvertrauen

Verkehrskompetenz muss erlernt werden. Zu Fuß gehen ist wichtig für die Entwicklung von Reaktionsvermögen, Koordinationsfähigkeit, Selbstbewusstsein, Entscheidungsfähigkeit und auch für das Ausprägen eines gesunden Gefahrenbewusstseins.

Während in Dresden die Aktion zu Ende geht und der ACE-Regionalbeauftragte Andreas Becht die Daten zum Auswerten einsammelt, bereiten sich andernorts schon die nächsten Teams auf ihren Einsatz vor.

Mehr Informationen bietet auch die ACE-Internetseite.

Einen Filmbeitrag über die Zustände vor Schulen finden Sie im ACE-Fernsehen.