E-Mobilität:

e.GO Life 60 – Elektro made in Aachen

27.05.2019

Hat er es schon wieder geschafft? Hat der umtriebige Uni-Professor Günther Schuh die Autoindustrie einmal mehr rechts überholt? Diesmal jedoch nicht mit einem elektrischen Kleintransporter, sondern mit einem richtig günstigen Elektro-Kleinwagen? Wir sind den Preiskracher e.GO Life (mit Förderung ab 11.900 Euro) bereits gefahren.

Ein Elektroauto ist teuer und kommt nicht weit, so lauten die wohl gängigsten Vorurteile. Doch das muss nicht sein. Günther Schuh, der auch den Elektro-Lieferwagen Streetscooter für die Post entwickelt hat, möchte das mit seinem E-Auto-Startup e.GO Mobile beweisen. Erst 2015 gegründet, werden seit Anfang Mai bereits die ersten Exemplare ausgeliefert. Wir sind die „First Edition“ des e.GO Life rund um das Werk in Aachen gefahren. Dabei handelt es sich um eine auf 1.000 Exemplare begrenzte Sonderserie, die aktuell weder über Rekuperation, noch über ESP verfügt, beides soll per Update später geändert werden.

Raum ist im kleinsten Auto

Schon beim Einstieg überrascht der Kleine: Zwar ist der Elektro-Kleinstwagen nur 3,35 Meter kurz. Doch selbst Zwei-Meter-Männer sitzen vorne dank riesiger Kopffreiheit und straffer Sitze bequem. Und auf der Rücksitzbank können ebenfalls zwei Erwachsene sitzen. Zumindest wenn der besagte Zwei-Meter-Mann die Sitzverstellung nicht komplett ausreizt. Sonst reicht das Platzangebot für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Mehr als ein Ausflug zum Baggersee ist dann allerdings nicht mehr drin, zumindest was das Gepäck angeht. Denn voll besetzt schrumpft der Kofferraum auf Handtaschen-Format (140 Liter). Immerhin lassen sich die Rücksitze einzeln umlegen, dann schluckt der Life locker den Wocheneinkauf samt Getränkekisten, nämlich bis zu 640 Liter.

Der e.Go Life ist eher ein Kurzstreckenläufer

Apropos Kurzstrecke: Der Life ist genau dafür konzipiert. Die Reichweite liegt je nach Variante zwischen 89 und 145 Kilometern (nach WLTP), die Höchstgeschwindigkeit zwischen 112 und 142 km/h. Richtig Strecke lässt sich damit freilich nicht machen, denn einen Schnelllader gibt es aus Kostengründen (noch) nicht. Einmal komplett vollladen dauert daher je nach Akkugröße (14,5–23,5 kWh) zwischen etwa fünf und zehn Stunden, an der Wallbox noch vier bis sieben.

Wendig durch den Stadtverkehr

Doch für einen Zweitwagen oder ein Stadtauto ist die Reichweite kein Problem. So könnte der Life langfristig dem Erstwagen den Rang ablaufen. Denn wer einmal im kompakten Stadtflitzer saß, wird den Verbrenner gerne stehen lassen. Dazu trägt einerseits der kleine Wendekreis bei, andererseits die für E-Autos typische gute Beschleunigung. Die wird in den günstigeren Varianten mit 20 oder 40 kW (entspricht 27 bzw. 55 PS) Höchstleistung nicht ganz so überzeugend sein wie in der von uns gefahrenen Version mit 53 kW (72 PS). Später soll dann auch noch die 60-kW-Version folgen. Doch der tiefe Schwerpunkt und die knackige Lenkung können sicher auch in den schwächeren Versionen überzeugen.

Schwächen zeigen sich beim Motor und im Interieur

Ganz so ausgereift wie der Bosch-Motor ist das Fahrwerk allerdings nicht. Schlaglöcher werden ziemlich ungefiltert an die Mitfahrer weitergegeben. Der kurze Radstand lässt den Life bei schlechtem Straßenzustand hoppeln. Sicher fühlt sich der Kleinstwagen trotzdem jederzeit an. Auch wenn wir nicht im Grenzbereich unterwegs waren: Das ESP sollte schnellstmöglich folgen, das gehört immerhin schön über zwanzig Jahre zum guten Ton.

Auch die Materialauswahl und Verarbeitung im Cockpit können nicht wirklich überzeugen. Zwar kommen einige Komponenten aus der Großserie (z.B. Türgriffe, Licht- und Blinkerschalter), weil das die Entwicklungs- und Produktionskosten senkt. Doch andere Details wirken nicht ausgereift, beispielsweise die Position des Rückspiegels, der große Teile der Fahrbahn verdeckt, oder der Beifahrerairbag, der wie ein Fremdkörper auf dem Armaturenbrett klebt. Statt einem Handschuhfach gibt es außerdem nur ein großes Ablagefach. Dafür überzeugen das kleine, sportliche Lederlenkrad und das JBL-Infotainment.

Der Preis der „First Edition“ trübt den Fahrspaß, die günstigere Basisvariante ist für 2020 geplant

So bleiben nach der ersten Probefahrt gemischte Gefühle: Richtig Laune macht der Life auf der Straße. Doch ganz so einfach, wie erwartet, ist es wohl doch nicht, ein günstiges Elektroauto zu bauen. Die „First Edition“ kostet immerhin happige 24.650 Euro, zu diesem Preis passen weder Materialien noch Verarbeitung. Ganz anders sieht das beim Basismodell aus, das es ab dem nächsten Jahr geben soll und nach Abzug der Prämie nur 12.000 Euro kosten wird.

Technische Daten e.Go Life