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Volkswagen verabschiedet sich bei seinen Elektroautos zunehmend von den bisherigen Zahlennamen. Der Nachfolger von ID.4 und ID.5 heißt ID. Tiguan und soll Anfang 2027 auf den Markt kommen. Bis zu 600 Kilometer Reichweite, 299 PS und zwei Tonnen Anhängelast sind angekündigt. Auch bei der Bedienung schlägt VW einen neuen Weg ein.
Der Tiguan ist für Volkswagen ein enorm wichtiges Auto: Mehr als 8,3 Millionen Exemplare wurden seit 2007 gebaut, aktuell ist er laut Hersteller das meistverkaufte Modell der Marke und des gesamten VW-Konzerns. Der ID. Tiguan ersetzt den bekannten Tiguan mit Verbrenner- und Hybridantrieben aber nicht. Beide Modelle werden parallel angeboten. Produziert wird der elektrische Tiguan im Werk Emden.
Der Tiguan erhält in der elektrischen Version ein neues Design, das laut VW der Designsprache "Pure Positive" folgt. Der ehemals weichere Crossover wird jetzt zum kraftvollen SUV. Dabei positioniert sich der neue ID. Tiguan eindeutig als großer Bruder des ID. Cross. Die präzisen Linien und straff gespannten Flächen sollen dem ID. Tiguan eine Stabilität und visuelle Qualität verleihen, "deren charismatische Souveränität ihn wie ein Fahrzeug des Premium-Segments wirken lässt". Ob er charismatisch genug rüberkommt, dass er ein ebenso großer Bestseller wird wie der Verbrenner-Tiguan, wird sich zeigen.
Einen Pluspunkt hat er auf jeden Fall: klassische Bügel-Türgriffe. Die hatten sich Kunden schon länger gewünscht. Die sensorgesteuerten Türgriffe des ID.4 und ID.5 stehen schon länger in der Kritik. Nun hat Volkswagen reagiert.
Der VW ID. Tiguan hat ein neues Design bekommen.
Statt weichen Crossover-Linien hat er jetzt einen klaren SUV-Schnitt.
Das beleuchtete VW-Logo ist inzwischen Standard.
Zum Marktstart sind drei Antriebsvarianten vorgesehen. Das Basismodell bekommt eine 58-kWh-Batterie und leistet 140 kW (190 PS). Darüber rangiert eine Variante mit 77-kWh-Akku und 210 kW (286 PS). Beide übertragen ihre Leistung auf die Hinterräder. Das Topmodell kombiniert die 77-kWh-Batterie mit Allradantrieb und 220 kW (299 PS).
Volkswagen prognostiziert für die kleine Batterie bis zu 450 Kilometer WLTP-Reichweite. Mit dem größeren Akku sollen bis zu 600 Kilometer möglich sein, beim Allradmodell bis zu 560 Kilometer. Die Werte sind allerdings noch vorläufig.
Beim Schnellladen sind maximal 105 kW mit der kleinen und 165 kW mit der großen Batterie möglich. Das klingt angesichts inzwischen deutlich höherer Spitzenwerte mancher Konkurrenten zunächst wenig spektakulär. Entscheidend ist in der Praxis allerdings nicht allein die maximale Ladeleistung, sondern auch die Ladekurve. VW nennt für den Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent rund 26 beziehungsweise 29 Minuten. An der Wallbox laden alle Varianten dreiphasig mit bis zu 11 kW.
Mit 4,62 Metern Länge, 1,86 Metern Breite und 1,62 Metern Höhe bleibt der ID. Tiguan in einem familientauglichen Format. Der Radstand beträgt 2,77 Meter.
Der Kofferraum fasst 534 Liter. Das ist ordentlich. Das Verbrenner-Pendant kommt hingegen auf 652 Liter. Bei dachhoher Beladung sind im E-Auto maximal 1.577 Liter möglich. Zusätzlich gibt es unter der Fronthaube einen kleinen Frunk, in dem beispielsweise das Ladekabel untergebracht werden kann.
Für Wohnwagenfahrer dürfte eine andere Zahl noch interessanter sein: Bereits die Basisversion darf bei acht Prozent Steigung bis zu 1,8 Tonnen ziehen. Die beiden stärkeren Varianten kommen auf bis zu zwei Tonnen Anhängelast. Damit gehört der ID. Tiguan zu den Elektroautos, die auch für größere Wohnwagen interessant sein können.
Eine der auffälligsten Änderungen gegenüber ID.4 und ID.5 findet im Innenraum statt. Volkswagen verabschiedet sich teilweise von der stark touchbasierten Bedienung früherer ID.-Modelle. Am Lenkrad gibt es wieder physische Tasten, und auch grundlegende Klimafunktionen werden über eine Tastenleiste bedient. Für Lautstärke und Titelwechsel sitzt ein Dreh- und Drückregler in der Mittelkonsole.
Digital bleibt das Cockpit trotzdem. Hinter dem Lenkrad sitzt ein 10-Zoll-Display, in der Mitte ein 15-Zoll-Touchscreen. Optional kommt erstmals bei einem europäischen VW ein 12 Zoll großes Beifahrerdisplay hinzu. Dank Sichtschutz können darüber beispielsweise Entertainment-Inhalte genutzt werden, ohne die Person hinterm Steuer abzulenken.
Etwas Spielerei erlaubt sich VW bei den Anzeigen. Im digitalen Cockpit lässt sich eine Retro-Darstellung aktivieren, die an die blau-roten Instrumente des Golf IV erinnert. Einen klassischen Drehzahlmesser gibt es im Elektroauto natürlich nicht – an dessen Stelle zeigt ein Powermeter die Leistungsabgabe und Rekuperation an.
Auch der zentrale Bildschirm kann optisch auf Zeitreise gehen. Zur Wahl stehen Darstellungen im Stil von Golf I, Golf II Country, Golf IV, Tiguan I, Race Touareg und Käfer.
VW setzt im Innenraum auf Knöpfe und auf Retro-Charme
Der Kofferraum ist ordentlich, aber deutlich kleiner als beim Verbrenner-Pendant.
Neu ist beim ID. Tiguan außerdem der sogenannte „PowerSocket“. Gemeint ist die Vehicle-to-Load-Funktion. Bei vielen anderen Herstellern längst Standard. Ein optionaler Adapter wird an den Ladeanschluss des Autos gesteckt und ermöglicht es, externe Elektrogeräte mit Energie aus der Fahrzeugbatterie zu versorgen. VW nennt unter anderem einen Elektrogrill oder ein E-Bike als mögliche Anwendungen.
Ebenfalls erhältlich ist ein digitaler Fahrzeugschlüssel fürs Smartphone, der beispielsweise an Familienmitglieder weitergegeben werden kann.
Zu den Assistenzsystemen gehört außerdem ein weiterentwickelter „Connected Travel Assist“. Er kann unter anderem beim Spurwechsel auf der Autobahn unterstützen und den ID. Tiguan im Rahmen seiner Systemgrenzen automatisch an roten Ampeln anhalten. Serienmäßig ist zudem One-Pedal-Driving vorgesehen.
Der ID. Tiguan soll Anfang 2027 zu den Händlern kommen. Angeboten werden die Ausstattungslinien Trend, Life, Style und R-Line. Preise nennt Volkswagen bislang nicht.
Mit dem neuen Modell verändert VW damit nicht nur seine elektrische Mittelklasse, sondern auch die Namensstrategie: Statt ID.4 setzt der Hersteller künftig auf den bekannten Namen Tiguan. Technisch erfindet der ID. Tiguan das Elektro-SUV zwar nicht neu. Mehr Reichweite, viel Platz, hohe Anhängelast und vor allem die Rückkehr klassischer Bedienelemente dürften ihn im Alltag aber deutlich interessanter machen als seinen Vorgänger.
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Fahrzeugvorstellung
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